Hey @KaiZweiDrei
Ich teile Deine Meinung und bin auch der Ansicht, dass es durchaus Gründe dafür gibt, eine Beziehung nach einer Trennung nochmal wiederaufzunehmen.
Oft ist es vermutlich so, dass man unmittelbar vor einer Trennung in einer sehr emotionalen Situation ist, emotional gestresst, vielleicht nicht mehr in der Lage, die Situation mit dem gebotenen Abstand zu betrachten, weil man eben selbst involviert ist, und dass man dann schneller schießt als man denkt, sozusagen. Übrigens kenne ich das auch tatsächlich aus den hier schon angesprochenen anderen
zwischenmenschlichen Beziehungen, dass eine Situation eskaliert und im Streit endet, der einen dann erst einmal eine Weile auf Tauchstation gehen lässt, wonach man dann aber doch in der Regel mit etwas Abstand merkt, dass man gar nicht mehr wirklich weiß, weshalb der Streit so eskalieren konnte und dass man selbst - oder der andere oder beide - überreagiert hat. Oder? Kennt das hier nicht beinahe jeder?
Ich glaube, dass es in Beziehungen solche Situationen auch öfter mal gibt und dass sich viele Trennungen aus solchen emotionalen Überlastungssituationen ergeben. Wie oft habe ich schon gehört oder wahrgenommen, dass jemand, der überfordert ist, sich trennt, weil er keinen anderen Ausweg sieht?
Wie oft lese ich hier, dass jemand von seinem Leid berichtet, das er erlebt hat, und sich einige User direkt auf eine Seite schlagen, ohne beide Seiten angehört zu haben? Gerade so als hätte einer immer Recht und ein anderer immer Unrecht. Dabei ist das in der Realität einfach anders.
Wie häufig ist es der Fall, dass man nach einiger Zeit doch erkennen muss, dass man selbst auch einen Anteil an der Situation und ihrer Entwicklung hatte, auch wenn es nicht immer um wirklich greifbare Schuld geht?
Und selbst, wenn einer Recht und einer Unrecht hatte, dann bedeutet das doch nicht, dass man nicht auch vergeben kann?
Naja. Ich denke, man muss wirklich genauer beleuchten, was das Problem war und sehe es wie @Shakur , was die grundlegenden Gegebenheiten betrifft, denn wenn man an sich doch viel füreinander empfindet und es keine offensichtlichen Trennungsgründe gibt, sondern vielleicht das eigene situationsbezogene Verhalten (Überforderung, zeitlich begrenzt möglicherweise), an dem man arbeiten kann, die Umwelt, die sich mit Druck auf einen ausgewirkt hat oder einen selbst oder konkret die Beziehung einfach belastet hat, dann spicht nicht wirklich etwas gegen einen zweiten Versuch.
Und ich will sogar so weit gehen, zu sagen, dass jede Beziehung, die nicht aufgrund von Gewalt oder aus sonstigen (z. B. strafrechtlich relevanten oder eben für eine Seite moralisch nicht tragbaren) Gründen geendet hat, eine zweite Chance verdient hat. Warum auch nicht? Ich erhebe für mich nicht den Anspruch, mich immer korrekt verhalten zu haben und alles richtig zu machen und erwarte das auch nicht von meinem Partner. Und wenn ich weiß, dass und wovon konkret er überfordert war und er keinen anderen Ausweg sah als sich - schweren Herzens, das gibt es nämlich durchaus auch! - von mir zu trennen, dann werde ich mich seiner Bitte um einen Neuanfang sicherlich nicht verschließen, sollte es die geben. Warum sollte ich das? Weil ich zu stolz bin? Weil er eine Chance hatte und die muss reichen? Also, bitte.
Zitat von KaiZweiDrei:Aus eigener Erfahrung kann ich übrigens sagen, dass ich schon mehrfach wieder mit einer Ex zusammen gekommen bin. Und es hat sich jedesmal gelohnt, diesen Schritt zu wagen.
Das finde ich eben auch. Ich habe mich in zwei meiner Ex-Beziehungen getrennt und es beide Male noch einmal versucht. Das eine Mal haben sich sechs weitere Jahre Beziehung ergeben, die tatsächlich auch die Probleme, die wir zuvor hatten, nicht mehr beinhaltet haben. Es waren schöne sechs Jahre und es hat gut geendet, soll heißen: Ich habe diesen Menschen nicht verloren und wir begegnen uns auf Augenhöhe. Es ist nur keine Liebe mehr da. War es deshalb falsch, den zweiten Versuch zu unternehmen? Nein, denn es war damals richtig und es ist auch im Nachhinein nicht falsch. Wieso sollte es das sein? Und wenn der zweite Versuch auch nur dafür geeignet ist, einem die Unmöglichkeit der Beziehung noch einmal vor Augen zu führen und vielleicht näher zu erklären als nach der ersten Trennung - auch dann hatte das alles doch etwas Gutes.