HerrArgh
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Die zwischendurch besprochene Funkstille funktionierte nicht gut. Einerseits ist da schließlich unsere Tochter, andererseits kommt hier erst einmal noch Post für sie an. "Schlimmer" noch: die Gesprächsthemen normalisierten sich. In der letzten Zeit hatten wir einige Gespräche. Sie ist sich sicher, keine Gefühle mehr zu haben. Ich bin mir leider mittlerweile sicher, dass ich sie immernoch liebe und dies weder Abhängigkeit noch Gewohnheit ist. Die letzten Jahre haben wir uns sehr auseinander gelebt, auch wenn ich nicht so recht weiß, wann es wirklich anfing. Während ich durch die Arbeit einen halbwegs geregelten Tagesablauf hatte, saß sie die meiste Zeit zuhause und hat nur darauf gewartet, dass der Tag endlich wieder endet. Gemeinsame Hobbies gab es nicht. Erst dieses Jahr haben wir eins gefunden, aber da war es wohl schon zu spät.
Jetzt hat sie ein neues Leben. Schafft sich langsam einen geregelten Tagesablauf und fühlt sich frei. Es sind im Prinzip alles Dinge, die auch lange vorher in unserer Ehe möglich gewesen wären. Da haben wir jedoch aus falscher Rücksichtnahme oder Ängsten nie offen darüber gesprochen. Stattdessen zuviel geschwiegen und es vor die Wand fahren lassen. Ihr jetziges Leben bedeutet Freiheit, die Ehe nur ein Gefängnis. Sie fühlte sich immer klein, schlecht und eingeengt, obwohl immer alle Möglichkeiten offen standen und ich auch oft genug über Probleme reden wollte, sie aber nicht. Unser Zuhause soll nicht mehr ihr Zuhause sein. Unsere Tochter und ich bauen uns nun natürlich auch unsere eigenen Strukturen auf und kommen im Alltag prima zu zweit klar.
Es fällt mir schwer zu akzeptieren, dass Gefühle so schnell verschwinden können. Die Alternative wäre, dass ab irgendeinem Zeitpunkt Worte und Zärtlichkeiten nur noch (vielleicht auch unbewusste) Heuchelei oder pure Gewohnheit waren. Dieser Gedanke schmerzt. Sie sieht nur das schlechte der vergangenen Jahre und geht wie selbstverständlich davon aus, dass es auch nur schlecht mit uns weitergehen könnte. Ich kann natürlich auch nicht in die Zukunft sehen, allerdings bin ich davon überzeugt, dass definitiv die Möglichkeit besteht, dass alles anders werden kann. Während ich derzeit bereit wäre, alles zu geben (habe selbst ein Paartherapie vorgeschlagen, obwohl ich eigentlich nicht der Mensch für sowas bin), will sie einfach nicht. Wenn ich versuche, Gründe zu erfragen, sagt sie einfach nur, dass sie nicht will. Sie hätte aktuell überhaupt nichts zu verlieren, ich verliere derzeit fast alles.
Wenn sie mir wenigstens sagen würde, dass alles noch Zeit braucht und wir später vielleicht schauen können, wäre es für mich in Ordnung. Diese ständige Blockadehaltung und teils auch Aussagen, die für mich widersprüchlich klingen, machen mich einfach nur fertig. Ich weiß nicht, ob sie überhaupt in Betracht zieht, dass die Gefühle vielleicht nicht vollends weg sind und vielleicht auch wiederkommen könnten. Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich weiß nicht, ob ich noch irgendetwas tun kann außer Warten. Ich weiß jedoch, dass es für sie Probleme gibt, die sie erst einmal allein in einer Therapie bewältigen möchte. Diese sind mir bekannt und eigentlich spielte sich auch alles in unserer gemeinsamen Zeit ab. Aber sie will dabei einfach trennen.
Eine gewisse Resthoffnung ist jedenfalls noch vorhanden, dass Gefühle gemeinsam wiederentdeckt werden könnten, wenn sich unser Verhältnis etwas normalisiert und nicht wie jetzt von Verletzungen und Nervereien geprägt ist. Unsere Tochter ist mittlerweile selber recht frustriert, dass seitens ihrer Mutter überhaupt nichts kommt, was zumindest die Möglichkeit bieten könnte, unsere Ehe und Familie noch zu retten.
Ich frage mich ständig, ob es irgendeine Möglichkeit gibt zu zeigen, dass all das schlechte der Vergangenheit nicht bedeutet, dass die Zukunft auch so enden muss. Irgendwie den Blick auf die Möglichkeit einer gemeinsamen Zukunft zulassen. Für meine Frau waren "wir" schlecht und sie ist allein nun besser dran. Bisher hat sich jedoch kein Lebensziel gezeigt, dass nicht auch mit unserer Ehe und unserer Beziehung vereinbar gewesen wäre. Im Gegenteil: dabei hat sich meiner Meinung nach viel eher gezeigt, wie wir unser gemeinsames Leben schon viel früher hätten führen müssen. Die Vergangenheit lässt sich nicht mehr ändern, der Zukunft steht im Moment hauptsächlich ein "will nicht" im Weg. Was ich nicht recht verstehe ist, warum sie sich überhaupt Gedanken um eine negative Zukunft macht, wenn diese allein aufgrund ihrer verlorenen Gefühle nicht möglich sein soll.
Ich weiß einfach nicht, ob ich noch etwas tun kann oder ob ich lieber aufgeben sollte. Derzeit wünsche ich mir eigentlich nur, dass wir mehr Zeit miteinander verbringen können, damit sich unser Verhältnis zueinander wieder etwas normalisiert und der Druck auf beiden Seiten abnehmen kann. Denn solange wir bisher nicht über unsere Beziehung sprachen, waren die Gespräche eigentlich immer sehr angenehm und entspannt - fast wie früher. Aber ich weiß nicht, ob aus der Ruhe heraus irgendetwas entstehen könnte, doch dieser Gedanke wird einfach in meinem Hinterkopf bleiben.