Hallo!
Liebe @Grace_99 !
Ich glaube, genau das, was Du schreibst, ist eben das Besondere an solchen Beziehungen. Du hast an ihn gedacht - er ruft an. Du gehst, entgegen Deiner Gewohnheiten, ans Telefon, als er Dich zwei Tage vor diesem Unglück angerufen hat. Ebenso gibt es noch andere ähnliche Phänomene, wie etwa, daß man spürt, wie es dem anderen geht, auch wenn der Hunderte Kilometer entfernt sein mag, und noch so manches andere, das man nicht einfach als Zufall oder Einbildung abtun kann. Es kann auch vorkommen, daß es schon, bevor man sich überhaupt kennengelernt hat, ganz ähnliche und gleichzeitige Ereignisse gegeben hat im Leben der beiden.
Warum das so ist, kann ich nicht sagen, und ich sehe es auch durchaus nicht "esoterisch" - aber für mich sind das eben Anzeichen einer wirklich sehr innigen Nähe, die etwas Unerklärliches und Wundersames an sich hat und die man daher auch nicht so oft findet.
Ob man das nun die große, wahre Liebe nennt, spielt dabei auch gar keine Rolle. Ich glaube, um das zu erfahren, was man gemeinhin eben als die große Liebe bezeichnet, bedarf es einer sehr feinen Übereinstimmung und auch Ergänzung sowohl auf der körperlichen als auch auf der seelischen als auch auf der geistigen Ebene.
Man kann natürlich auch eine Beziehung führen, wenn es vielleicht auf dieser Ebene stimmt, auf einer anderen aber nicht, ja man kann mit jemandem auch einfach eine tiefe seelische Freundschaft haben (oder eine geistige oder eine körperliche). Ich glaube aber, daß es dann nicht so tief geht, daß man nicht dieses Gefühl der "Ganzheit" erlebt, sondern doch da und dort auch das Gefühl hat, es fehlt etwas.
Auch kommt es natürlich immer auf die Natur der jeweiligen Menschen an. Denn wenn jemandem Gefühle nicht so wichtig sind oder das Körperliche oder was auch immer, dann kann man darauf auch mehr oder weniger verzichten, ohne daß man notwendig einen Mangel empfindet.
Jedenfalls erscheint mir eine solche tiefe, innige, umfassende Beziehung (um nicht wieder die große Liebe zu bemühen) als etwas wirklich ausgesprochen Seltenes.
Natürlich darf man das nicht dogmatisch sehen, und was für jemanden diese große Liebe ist, kann er ohnehin nur selber erfahren. (Am Anfang schaut ja bald einmal etwas als die große Liebe aus - und hinterher kommt dann vielleicht eine noch viel größere nach.)
Es ist halt schwer, über solche Dinge zu reden. Weil man das einfach spüren muß. Beschreiben läßt es sich nicht, und auch "große, wahre Liebe" sind letztlich ja nichts als Worte, die jeder nur nach seinen eigenen Erfahrungen und Empfindungen interpretieren kann.
Natürlich hast Du recht, wenn Du sagst, das Leben geht weiter. Ob man allerdings wirklich die Wahl hat, ob man bald wieder halbwegs zuversichtlich weitermacht oder in Trauer und Verzweiflung versinkt, bezweifle ich etwas. Denn das ist so ähnlich wie bei einer Depression. Auch dabei würde sich natürlich jeder für eine fröhliche, glückliche Stimmung entscheiden, wenn man eben darüber entscheiden könnte.
Zu dem Thema, daß im Fall der großen, einzigen Liebe auch der andere so empfinden müßte, habe ich ja schon etwas gesagt. Aber jedenfalls stimmt es ohne Zweifel, daß man sich auch ganz von selber in so etwas verrennen kann und nur meint, es handle sich um diese große Liebe, weil man selber es so empfindet oder es einfach auch nur glauben will. Wie gesagt, das kann nur jeder für sich selber spüren und auch an diversen Anzeichen ersehen. Hier etwas zu pauschalieren ist unmöglich.
Jedenfalls fände ich es umgekehrt aber auch als sehr vermessen, würde man grundsätzlich sagen, das alles seien nur Einbildungen, Hormonräusche, Anhängigkeiten, Spinnereien, Idealisierungen usw. Auch wenn das in vielen Fälle zutreffen mag, kann man nicht so generell sagen, daß diese "große Liebe" nur ein romantisches Märchen sei, an das heutzutage nur noch die letzten freilaufenden Narren (und Närrinnen

) glauben. Gerade die Erfahrungen, die auch Du gemacht hast, zeigen ja doch, daß bisweilen auch mehr dahinter sein kann als bloßes Wunschdenken. Eine solche innige unbewußte gedankliche Verbindung kann nämlich weder ein Hormonrausch noch eine emotionale Abhängigkeit noch eine Idealisierung hervorbringen. Klar könnte man dagegen vorbringen: selektive Wahrnehmung, oder auch: man denkt ja dauernd an den anderen, also ist es ja kein Wunder, daß der dann auch irgendwann einmal anruft. Aber mir erschiene das als reichlich hilflose Rationalisierung, weil es daneben ja noch so manches andere gibt, das sich auf diese Weise nicht erklären läßt. Und wer es erlebt hat, wird das ja kennen. Es ist eben nicht so wie bei jeder anderen Liebe / Beziehung. Sondern es hat etwas Einmaliges und Einzigartiges an sich. Was aber nicht heißt, daß man nicht auch mit vielen und vielem anderen glücklich werden kann.
Aber wie auch immer. Auf alle Fälle freut es mich für Dich, daß Du Dich nach dieser tragischen Erfahrung wieder erholt hast, weitergegangen bist und schließlich auch die Liebe wiedergefunden hast!
Vielleicht kommt ja auch das nicht von ungefähr ...
Liebe Grüße