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10 Jahre Liebeskummer und oder Trennungsschmerz

Dattel


Zitat von Lilliyfee18_2:
Whynot60, ich stimme dir absolut zu.

Ich kenne welche, die nach etlichen Jahren und trotz neuer (ungl├╝cklichen) Beziehung ihrem/ihren Ex noch immer hinterher trauern. W├Ąhrend der ehemalige Partner sein Leben wieder in vollen Z├╝gen genie├čt (neuer Partner, Hochzeit, Kinder), h├Ąngen sie noch in der Vergangenheit fest..


Der Vergleich mit dem/der Ex ist doch v├Âllig unerheblich.
Trotz hat in der Liebe nichts verloren. Denn was sonst soll der Einwand bedeuten?
Dem anderen geht es gut, jetzt muss ich gleichziehen oder ├╝berholen?

18.07.2018 10:02 • #91


whynot60


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Zitat von Karenberg:
Es ist einfach so. Mit Gl├╝ck geht es irgendwann trotzdem vorbei ohne zu wissen, warum nun eigentlich.
Mit Pech h├Ąngt man jahrelang oder f├╝r den Rest des Lebens drin.


Also wenn das so ist, dann w├Ąre es aber ratsam, sich von einem Gifttrunk wie Liebe ├╝berhaupt fernzuhalten.
Jedenfalls l├Ą├čt sich nicht bestreiten, da├č die Mehrzahl der Menschen Liebeskummer durchaus ├╝berwinden und nicht jahrelang darin h├Ąngenbleiben, obwohl er sicher recht lange dauern kann, wie ich ja auch selber erlebt habe.
Und daraus kann man eigentlich nur den Schlu├č ziehen, da├č nicht eigentlich die Liebe bzw. deren Ende den Dauerkummer macht, sondern dies in der jeweiligen Person begr├╝ndet sein mu├č, die vielleicht ihre Gedanken immerzu oder immer wieder um diesen Kummer kreisen l├Ą├čt.

18.07.2018 20:47 • #92



10 Jahre Liebeskummer und oder Trennungsschmerz

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KBR


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19843
Ich finde, man hat schon einen Einfluss darauf, ob man an lange vergangene mitunter melancholische Gedanken hat und dar├╝ber Gef├╝hle des Vermissens entstehen oder ob man das als Liebeskummer versteht.

Die Frage ist doch, woher kommt nach all der Zeit dieses Schmerzempfinden. Nat├╝rlich kommt es von der Leere im eigenen Leben.

Ich denke z.B. zurzeit oft - viel ├Âfter als eigentlich angemessen - an die vorletzte gro├če Liebe und bin mitunter versucht, mich dort zu melden, weil ich gern w├╝sste, wie es ihm geht und ich mir einbilde, ihn zu vermissen. Aber der Verstand wei├č, dass es nur die absolute Ereignislosigkeit (jedenfalls was Ereignisse angeht, die mich emotional ber├╝hren) in meinem eigenen Leben ist, die mich zu diesen Gedanken bringt. Also werde ich mich nat├╝rlich nicht bei ihm melden.

Doch, man kann ab einem bestimmten Punkt daf├╝r sorgen, dass sich das Bewusstsein ├Ąndert. Sofern man das irgendwann nicht mehr kann, hat man die Zeitpunkte daf├╝r verpasst und muss dann andere Wege finden. Gedanken machen Gef├╝hle. Auf Gedanken haben wir Einfluss. Nicht von heute auf morgen, aber mit Kontinuit├Ąt und in kleinen Schritten.

Au├čerdem machen wir uns nichts vor. Es gibt in allen Lebensbereichen Menschen, die gern klagen und dennoch nichts ├Ąndern (Job, Familie, Liebe). Warum tun sie das? Weil sie sich so wunderbar auskennen, in ihrer Frustration, weil sie im Schmerz zuhause sind und weil ihnen das lieber ist, als vielleicht mal zu riskieren, dass man Dinge auch anders sehen und machen kann, als man es bisher getan hat. Denn damit verliert man die Sicherheit ├╝ber seine Emotionen und damit k├Ânnen oder wollen manche Menschen nicht zurecht kommen. So bleiben sie lieber in ihren schlechten Gef├╝hlen. Wenn man aber Ver├Ąnderung lange genug versuchen w├╝rde, s. o. dann ├Ąndern sich auch die Gef├╝hle.

18.07.2018 21:56 • x 4 #93


Lilliyfee18_2


@Dattel

Nein, wie ich geschrieben hatte: Man sollte nicht in der Vergangenheit stecken bleiben. Das Leben geht weiter. Es kann auch wieder sch├Ân werden, wenn man es zul├Ąsst. Zu sagen dass der Kummer nicht in der eigenen Verantwortung liegt, ist einfacher als aktiv etwas zu ├Ąndern. Gl├╝ck f├Ąllt nicht vom Himmel, es h├Ąngt mit der eigenen inneren Einstellung zusammen.

Das h├Ątte doch eh nichts mit Trotz zu tun, wenn man sich ein Beispiel am Ex-Partner nimmt. Es ist doch ein guter Ansatz zu sagen, er hat es geschafft und ich will auch wieder gl├╝cklich werden.

So denke ich und bei mir war es der richtige Weg. Eine Therapie funktioniert auch nur, wenn die Einsicht und die Ambition sich weiterzuentwickeln da ist. Und zwecks gescheiterte Therapieversuche: ich war auch schon bei zwei Therapeuten (in verschiedenen Jahren) aus anderen Gr├╝nden. Mit der Ersten kam ich nicht zurecht, ich stufte die Therapie als Misserfolg ein. Im Nachhinein musste ich mir eingestehen, dass ich ihre Meinung unbewusst ablehnte. Es war nicht das, was ich h├Âren wollte. Die Zweite war eine Freundin von mir. Nat├╝rlich harmonierte das super und ihre Ratschl├Ąge nahm ich auch an (in Kombination mit einem Haufen Selbsthilfeb├╝cher gegen Liebeskummer). Es geht mir wieder gut, weil ich das auch wollte.

18.07.2018 22:01 • x 1 #94


Eidechse


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Ich glaube, dass es sehr komplex ist und vieles eine Rolle spielt.
Ich denke auch, dass es sehr viel mit verletztem Sebstwertgef├╝hl zu tun hat. Aber auch mit dem Gef├╝hl, dass die eigene Liebe von einem anderen abgelehnt wurde. Und dass man sich ungerecht behandelt f├╝hlt, vom Verlassenden und allgemein vom Leben - besonders wenn der andere dann im Gl├╝ck schwelgt.
Und das Gef├╝hl, dass man sich selbst auf die eigene Wahrnehmung nicht verlassen kann, wenn man glaubte, der andere liebt einen.
Und es h├Ąngt von der Art der Trennung ab.
Was das bewusste Entscheiden betrifft, so kann ich zumindest f├╝r mich sagen, dass es auch nach drei Jahren nicht gelingt - trotz Unterst├╝tzung. Obwohl ich es quasi jede Minute versuche, meine Aufmerksamkeit auf was anderes zu lenken, aber immer wieder schweifen Gef├╝hle und Gedanken zur├╝ck.
Ich ├╝berlege viel, was ich davon haben k├Ânnte, aber ich h├Ątte wesentlich mehr davon, ihn zu vergessen. Auch das Umfeld w├Ąre freundlicher zu mir, wenn ich endlich dar├╝ber hinweg w├Ąre.
Vielleicht ist es auch die ├ťberzeugung, dass einem das Leben nichts Gutes bringt.
Vielleicht auch als Folge dieser Trennung, wo man gek├Ąmpft (= entscheiden) hat, aber auch ohne Erfolg...

19.07.2018 05:05 • #95


Dattel


Das Erstaunliche ist, dass man jedes Recht auf (offen ge├Ąusserten) Kummer verwirkt hat, wenn man nicht mindestens zwei Therapien durchgenudelt hat.
Das finde ich enorm befremdlich.
Es ist wunderbar, wenn Menschen mit neuer Frisur, frischer Wandfarbe und Fittnesscenter Liebeskummer aktiv ├╝berwinden.
Und ich freue mich f├╝r jeden Patienten, dem mit einer Therapie geholfen wird.

Aber der Grundtenor "selber schuld, weil falsche Einstellung" wird Menschen, die an Liebe erkranken, nicht gerecht, das ist meine Meinung.
Man h├Ąlt nicht masochistisch am Schmerz fest.
Der Schmerz h├Ąlt den Menschen fest.
Wenn er sich mit klassischen Methoden nicht absch├╝tteln l├Ąsst, arrangiert man sich.
Daran finde ich nichts Verwerfliches, zumal es (ausser sterben) v├Âllig alternativlos ist.

Die Menschen, die Jahrzehnte oder ein ganzes Leben im Schmerz leben, h├Ąngen das wohl selten an die gro├če Glocke.
Wozu auch?
Die Ergebnisse solcher Gespr├Ąche sind absolut vorhersehbar.

Trotzdem mag ich diesen Thread.
Es ist tr├Âstlich f├╝r Menschen, wenn sie sich nicht als v├Âllig exotisch und ver-r├╝ckt wahrnehmen.

19.07.2018 06:11 • x 2 #96


Eidechse


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Ja @dattel, da hast du Recht finde ich.
Menschen, die es mit Sport, neuer Frisur oder Therapie (schneller) schaffen, k├Ânnen sich dann auch den 'Erfolg' selbst zuschreiben. was auch gut ist f├╝r deren Selbstwirksamkeitsgef├╝hl.
Aber die anderen werden sich noch mehr als 'Versager' f├╝hlen, weil sie ja angeblich nur nicht genug wollen, pben, an sich arbeiten.
Vielleicht sind aber kindheits_/krankheits-/ erfahrungsbedingt ihre Ressourcen und Kr├Ąfte einfach geringer oder schon mehr verbraucht. Angestrengt haben sie sich doch meist sogar mehr oder wenigstens genauso.
Eigentlich br├Ąuchten sie Trost und Anerkennung f├╝r ihre Anstrengungen, aber sie werden kritisiert, weil sie nicht fleissig genug sind.
Mein Vater meinte mal, manchmal muss man Teile des Lebens einfach aushalten und ertragen. ich glaube das stimmt. nicht alles kann man willentlich ├Ąndern.

19.07.2018 07:19 • x 1 #97


KBR


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19843
Ich frage mich schon, warum Menschen glauben, sie w├Ąren unfairer behandelt worden, fieser verlassen worden, h├Ątten ein schlechteres Selbstwertgef├╝hl, das Abweisen ihrer Liebe durch einen anderen, das nicht mehr Erwidern der Liebe, die Tiefe ihrer Gef├╝hle w├Ąren anders, intensiver, schlimmer als bei anderen.

Nee, das haben fast alle von uns erlebt, da haben wir unterschiedlich lange festgehangen, aber irgendwann muss man eben auch mal wieder anderen Dingen den Raum und sich selbst Entwicklung geben, wenn man der Umwelt nicht auf die Nerven gehen will. Die entwickelt sich n├Ąmlich weiter und bleibt nicht stehen.

F├╝r die eigene Stagnation ├╝ber einen endlosen Zeitraum Verst├Ąndnis zu erwarten, ist nicht weniger anma├čend als die Erwartung, dass Menschen irgendwann mal die Kurve kriegen.

Nat├╝rlich standen auch wir alle ratlos davor, wenn keiner mehr unsere ewig gleiche Leier h├Âren m├Âchte und dar├╝ber hinweg ging aus Hilflosigkeit oder Genervtheit. Dann gilt es die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

Mit Sorge beobachtet ich seit 25 Jahren, dass eine Freundin nie wieder einen Partner hatte, seit sie vor dem Altar stehen gelassen wurde. Wir sind durch harte Zeiten gegangen deswegen. Aber irgendwann ist alles gesagt und sie k├Ąut - trotz offensichtlichem Traumas - das Thema nicht mehr wider. Und ich w├╝sste auch nicht, was ich ihr noch sagen oder tun k├Ânnte.

Sie hat ihr Leben nun anders arrangiert, als ihren Plan A vom Gl├╝ck zu leben. Das gilt f├╝r die meisten von uns und wir haben ganz sicher nicht weniger erlitten - weder subjektiv noch Objektiv.

19.07.2018 07:37 • x 1 #98


wiwi1016

wiwi1016


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Es gibt soviele unterschiedliche Menschen hier.
K├Ânnen wir wirklich das Leid des anderen bewerten? Die Dauer seines Kummers? Seine Versuche den Schmerz zu verstehen, wieder das Leben anzunehmen? Seine Einsamkeit, sein Halten an der Vergangenheit - manchmal.
Ehrlich gesagt, sind wir nicht deswegen hier? Mal mehr oder weniger lang? Mal mehr oder weniger oft? Mal viel sagend, mal still mitlesend?
H├Ątte hier schon jemand das "Mittel" gefunden......g├Ąbe es keinen von uns, der es nicht ausprobiert h├Ątte. Mal mehr oder weniger viel, mal mehr oder weniger oft, mal mehr oder weniger schnell.
Ich habe noch keinen Plan C, und Plan A - der mit dem vermeintlichen Gl├╝ck - wurde nicht zu Ende gef├╝hrt, Plan B - hier versuche ich eher noch das Aushalten vom Scheitern von Plan A. - Aber das bin ich -. Was ich im R├╝ckspiegel ├╝ber diese Zeit sagen werde.....ist Theorie.
Bei so vielen unterschiedlichen Menschen....
Ja es ist so sch├Ân, wieder jemanden zu finden den man lieben kann, geliebt zu werden....mit sich selbst gl├╝cklich zu sein. Und es freut mich f├╝r jeden hier, dem dieses Geschenk gemacht wird. Und ich finde es ist ein Geschenk, kein Verdienst.
Aber....die Geschichten der Tr├Ąnen sind es, die mir zeigen - ich bin nicht alleine.
Manche von uns sind nicht mehr so jung - man braucht Kraft, manche von uns haben Kinder, Job, Kredite, Verwandte, die sie pflegen - eine gro├če Verantwortung, manche von uns sehen auch nicht aus wie aus "alle 11 Sekunden...."- und das ist ein Marktplatz da drau├čen. Manche von uns sind keine extrovertierten Partyg├Ąnger oder begnadete Mailakrobaten. Manche von uns haben auch keine Kindheit, die sie tr├Ągt, Eltern und Freunde, in dem Ma├če, wie sie sie vielleicht br├Ąuchten. Einen Therapieplatz in Deutschland, dazu noch einen Therapeuten, zu dem man was aufbauen kann....bei mir hat das ├╝ber ein Jahr gedauert.
Manche von uns verstehen auch gar nicht, was mit ihnen geschieht, manchen von uns fehlt der Mut, der Antrieb, einfach die Vorstellung von einer anderen M├Âglichkeit, als ihr Leben so anzunehmen und auszuhalten - egal wie lange es dauert.
In Ermangelung einer lebbaren Zukunft, verf├Ąngt man sich da nicht automatisch in der Vergangenheit? Vergisst das Jetzt all zu oft?
Auf der "Willkommen" Seite dieses Forums steht irgendwo sinngem├Ą├č....irgendwann wird jeder, - bei manchen dauert es etwas l├Ąnger -, aus dem Schmerz herausfinden und wieder ein gl├╝ckliches Leben f├╝hren.
Das hat mir Kraft gegeben und viele eurer Geschichten....
Aber wie lange es dauert - in meinem Leben - das wei├č ich nicht, aber damit kann es auch niemand anderes wissen.
Ich m├Âchte nur gerne das Recht auf ein pers├Ânliches Zeitfenster in Anspruch nehmen d├╝rfen und zugestehen, das w├╝rde ich mir w├╝nschen.
Manchmal ....auch hier.

19.07.2018 09:23 • x 5 #99


KBR


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Jeder hat das Recht auf sein Zeitfenster (mir tat es gut, mir Zeit zu lassen mit meinem Liebeskummer und nicht den Anspruch an mich zu haben, schnell wieder in jeder Hinsicht funktionieren zu m├╝ssen), aber es hat eben auch jeder das Recht, sich damit nicht mehr befassen zu m├Âgen.

Damit meine ich jetzt ausdr├╝cklich nicht, dass nicht das Recht best├╝nde, das Forum mit dem eigenen Kummer zu befassen, denn daf├╝r ist das Forum ja da.

Aber sowohl real als auch hier besteht eben auch das Recht der anderen, nichts mehr dazu zu sagen zu wissen oder beitragen zu wollen oder den Eindruck zu haben und zu ├Ąu├čern, dass es Menschen gibt, die sich mental nicht bewegen wollen bzw. sagen, dass sie es mit aller Macht wollen, aber dann aus welchen Gr├╝nden auch immer nichts oder wenig daf├╝r zu tun scheinen und doch lieber h├Ąngen bleiben im Schmerz.

Was Letzteres angeht, bleibe ich dabei. Ich habe das schon selbst erlebt und oft beobachtet. Es gibt Menschen oder Phasen im Leben von Menschen, in denen diese in ihrem Frust, in ihrer Wut und in dem Gef├╝hl, immer ungerecht behandelt zu werden, stecken bleiben wollen, weil das die Gef├╝hle sind, mit denen sie sich auskennen und alles, womit sie sich nicht auskennen, empfinden sie als be├Ąngstigend und fremd.

Wo k├Ąmen wir denn auch hin, wenn auf einmal etwas sch├Ân w├Ąre? Das passt doch gar nicht ins Weltbild und die schon ewig zelebrierte Geisteshaltung. Noch dazu ist es auch so verdammt ungewohnt. Menschen brauchen Konstanten und darum halten Menschen sich auch da auf, wo es nicht sch├Ân ist. Darum bleiben Menschen bei Partnern, die sie dem├╝tigen. Darum bleiben Menschen in Jobs, die ihnen nicht gefallen. Darum bleiben Menschen in ihren Mustern, statt sie zu ├Ąndern. Auch Leid kann so etwas wie ein Gef├╝hl von Heimat sein. Da ist man zuhause.

Nat├╝rlich werden jetzt einige sagen, sie w├╝rden nichts lieber wollen, als dass endlich mal wieder etwas sch├Ân w├Ąre. Klar, das w├╝rde ich in dem Fall auch sagen. Aber das hat eben auch mit der Einstellung zu tun und der Bereitschaft, sich darauf zu programmieren, auch dem Sch├Ânen und Lebenswerten eine Chance zu geben. Da w├Ąren wir doch wieder bei der Feststellung, dass man nicht erwarten kann, Dinge w├╝rden sich ├Ąndern, wenn man selbst sie auf die immer gleiche Weise angeht.

Statt zu sagen, man k├Ąme aus dem Schmerz nicht raus, k├Ânnte man ja auch sagen: Jetzt ist Schluss damit! So und so viele Jahre sind lange genug! Ich schaue jetzt nach vorn statt zur├╝ck! Ich habe mich lange genug mit all den Fragen um die Trennung besch├Ąftigt und festgestellt, es gibt nicht auf alles eine Antwort oder Antworten werfen neue Fragen auf! Damit ist Schluss, denn ich m├Âchte meinen Gehirnschmalz in eine gute Zukunft investieren statt in weitere x Jahre Schmerz. Ich m├Âchte keine Aufmerksamkeitseinheiten mehr darauf verwenden.

Diesen Entschluss zu treffen, hat etwas mit der inneren Haltung zu tun.

Ich m├Âchte von mir weisen, ich w├╝rde finden, die Menschen m├╝ssten nach zwei Therapien wieder funktionieren.

Ich finde n├Ąmlich, dass es viel erstrebenswerter ist, wenn die Menschen auch ohne Therapien Schicksalsschl├Ąge auf die Reihe bekommen und von Kindheit an, gut mit Bew├Ąltigungsstrategien ausgestattet sind. Aber das sind die meisten von uns nicht. Also m├╝ssen wir diese Strategien sp├Ąter erlernen. Deshalb k├Ânnen wir dankbar sein, f├╝r die M├Âglichkeit von Therapien.

Bei meiner Neigung daf├╝r, endlose Therapien, die dann nach dem Bekunden mancher Menschen doch nichts bringen, mit zu finanzieren, sto├če ich allerdings an die Grenzen meiner Bereitschaft. Au├čerdem kann ich mich manchmal des Eindrucks nicht erwehren, dass eine Therapie mittlerweile so etwas wie zum guten Ton geh├Ârend ist und das tut mir leid f├╝r die Menschen, die es vielleicht n├Âtiger br├Ąuchten als andere. Wobei ich mir nicht anma├čen m├Âchte zu beurteilen, wer es n├Âtiger braucht als ein anderer.

Wenn man so gar nichts mitnimmt aus einer Therapie, dann hat man falsche Entscheidungen getroffen,So etwas passiert und muss nicht mal eigenes Verschulden sein (falsche Therapieform, falscher Therapeut. ). Oft ist es nur Unwissenheit. Aber es gibt immer die M├Âglichkeit zur Kurskorrektur. Auch im Umgang mit Liebeskummer - selbst dann, wenn man meint, dass das nicht so ist.

Mich interessiert seit 1,5 Jahren (seit meiner Trennung) kein Mann mehr, weil ich verletzt bin und das Gef├╝hl habe, genug erlebt zu haben im Leben. Gutes wie Schlechtes. Es f├╝hlt sich an, als w├Ąre mein Konto f├╝r Beziehungsversuche abger├Ąumt. Es f├╝hlt sich auch nicht so an, als w├╝rde sich das jemals ├Ąndern. Doch aus Lebenserfahrung wei├č ich, dass es sich durchaus ├Ąndern kann (nicht muss, aber kann). Also bleibe ich trotz der Gef├╝hle, dass sich das nicht mehr ├Ąndern wird, zumindest f├╝r die M├Âglichkeit einer Ver├Ąnderung offen. Und wer wei├č, vielleicht klopft er gleich an meine B├╝rot├╝r. Verdammt und dann muss ich mich umdrehen und r├╝hren in dem so sch├Ân eingerichteten Singledasein und der festen Annahme, das Leben w├╝rde f├╝r mich nichts mehr bereit halten.

Ein extremer Tunnelblick und die feste Annahme, nie w├╝rde sich etwas ├Ąndern, helfen nicht weiter. Darum bin ich mir auch nicht sicher, ob alle Menschen ihre Therapien wirklich eine Chance gegeben haben. Das zu versichern, ist etwas anderes, als es wirklich zu tun. Es wirklich zu tun bedeutet, sich wirklich geistig zu bewegen, statt nur zu sagen, man w├╝rde sich bewegen.

19.07.2018 11:10 • x 2 #100


Dattel


Schade, dass viele Menschen diese ├╝berzogene Erwartungshaltung an den Tag legen.
Die Aufforderung, nach "normgerechter" Schonfrist das Leben zur├╝ck zu erobern, ist obsolet.
Ich verstehe die gute Absicht dahinter, aber solange doch niemand st├Ąndig jammert und andere ewig bel├Ąstigt, sollte man denjenigen doch bitte einfach in Ruhe lassen?
Ich selbst habe bereits nach wenige Wochen (!) die Gereiztheit, die Ungeduld und die entnervte Hilflosigkeit in meiner Umgebung gesp├╝rt und hielt mich seither tunlichst bedeckt.
Das f├Ąllt mir sehr leicht, weil ich mein Leben eh neu organisieren musste, als klar war, dass der Schmerz jetzt untrennbar zu mir geh├Ârt. Es gibt keine Menschen mehr, denen ich Theater (in Form von gespielter Zuversicht) vorspielen muss, das ist sehr entlastend f├╝r beide Seiten.

Die Menschen in diesem thread wollen einfach ihre Geschichte erz├Ąhlen.
Damit tun sie niemandem weh und greifen niemanden an.
Sie (mit mehr oder weniger geschliffenen oder auch unsch├Ânen Worten) auf ihre angeblichen Unf├Ąhigkeiten zu sto├čen, hilft sicher nicht.

19.07.2018 13:50 • x 3 #101


Eidechse


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@KBR
"Auch Leid kann so etwas wie ein Gef├╝hl von Heimat sein. Da ist man zuhause."

Umso mehr Mitgef├╝hl braucht es doch, wenn Menschen vielleicht aus Angst lieber im Leid blieben.
Ich verstehe nicht, warum man das dann auch noch als Vorwurf formulieren muss.

19.07.2018 17:38 • x 2 #102


whynot60


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Zitat von Dattel:
Das Erstaunliche ist, dass man jedes Recht auf (offen ge├Ąusserten) Kummer verwirkt hat, wenn man nicht mindestens zwei Therapien durchgenudelt hat.


Also ich sehe das nicht so. Von Therapien halte ich allgemein wenig und im Fall von Liebeskummer so gut wie gar nichts. Jedenfalls mir w├╝rde es nicht einmal einfallen, eine Therapie wegen Liebeskummers zu machen. Wenn es denn so sein sollte, da├č mein Liebeskummer ein endloser w├Ąre, dann w├╝rde ich das gewisserma├čen als Schicksal sehen und damit leben und ihn vielleicht kreativ ausleben. Was nicht mein Ding w├Ąre, ist die Passivit├Ąt auf l├Ąngere Zeit, egal, worum es geht.
Ich kann es auch nachvollziehen, wie es ist, wenn man in dem Gef├╝hl lebt, diese gro├če, einzigartige Liebe verloren zu haben. Ganz einfach deshalb, weil ich das selber auch so erlebt habe. Aber man hat ja auch die M├Âglichkeit, ohne Liebe und Liebessehnsucht weiterzuleben und eben nicht den Kummer zum Mittelpunkt werden zu lassen. Das Leben hat viele sch├Âne Seiten, nicht nur die Liebe. Aber gut, wer das nicht vermag, vermag es eben nicht - verurteilen kann man es sicher nicht.

20.07.2018 02:40 • x 1 #103


KBR


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Zitat von Eidechse:
@KBR
"Auch Leid kann so etwas wie ein Gef├╝hl von Heimat sein. Da ist man zuhause."

Umso mehr Mitgef├╝hl braucht es doch, wenn Menschen vielleicht aus Angst lieber im Leid blieben.
Ich verstehe nicht, warum man das dann auch noch als Vorwurf formulieren muss.


Ich w├╝rde das eher als Feststellung verstanden wissen wollen.

Davon abgesehen, ist Mitgef├╝hl doch auch etwas, was man nur so lange zur Verf├╝gung stellen kann, wie es nicht f├╝r etwas anderes bzw. andere oder sich selbst ben├Âtigt wird.

Wenn alles, was man aus eigener Erfahrung vorschlagen kann, als nicht geeignet klassifiziert wird, bleibt dann nur, denn Menschen sein zu lassen, bis er von selber die Kur e kriegt, denn anerkannt, dass er ein Problem hat, w├╝rde schon von vielen Menschen f├╝r lange Zeit. Wenn diese Menschen merken, dass ihr Mitgef├╝hl Dauer zum Verweilen im Schmerz beitr├Ągt, ist doch klar, dass sie es nicht mehr zum Ausdruck bringen.

Vielleicht besteht ja auch f├╝r den oder die Leidende die M├Âglichkeit, das Mitgef├╝hl anzuerkennen und eben auch, dass die Ressourcen anderer, sich mit ihrem Beharrungsverm├Âgen auseinander zu setzen, irgendwann ersch├Âpft sind und dass es an ihnen selbst ist, etwas zu ver├Ąndern.

Ich bin ├╝berzeugt, dass Familie und Freunde sofort bereit sind zu unterst├╝tzen, sobald sie sehen, dass wirklich Bewegung in die Sache kommt.

20.07.2018 07:37 • #104


die Vergessene


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Hallo Trollbunden.
Hab deinen ersten Beitrag gelesen. Leider fehlt mir oft die Zeit, alles, was ich lesen m├Âchte, auch tats├Ąchlich zu lesen.
Wollte nur sagen, mir geht es genau so. Bei mir ist die Trennung f├╝nf Jahre her und ich vermisse ihn jeden Tag. Auch ich war angekommen. Dein Beitrag zeigt mir, dass meine Gef├╝hle nicht verr├╝ckt sind, sondern dass wohl auch andere Menschen solche Gef├╝hle haben, wie ich. Erst neulich war er wieder in meinem Traum. Ich habe getr├Ąumt, dass er zurpck gekommen ist. Ich habe ihn im Traum in meine Arme geschlossen und war einfach nur gl├╝cklich. Noch nie in meinem Leben habe ich jemanden so geliebt. Und ich bin fast sicher, dass dies auch nie mals mehr so sein wird.

Ganz liebe Gr├╝sse, die Vergessene

22.09.2018 11:31 • x 2 #105



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