@tempiZitat:>>Mit Wert hat das alles gar nichts zu tun. Er kann dir deinen Wert nicht nehmen, denn den hast du auch ohne ihn.
Man könnte meinen, Du hast auch eine therapeutische Ausbildung. Das hast Du nämlich sehr schön und richtig ausgedrückt.<<
Ich gehe darauf gerne noch mal näher ein. Denn mit diesem Problem wird praktisch jeder konfrontiert, der verlassen wird. Je unerwarteter das geschieht, desto stärker das subjektive Gefühl der Abwertung.
Partnerschaft und Liebe hängt ja sehr eng damit zusammen, dass die Liebenden sich gegenseitig anerkennen, wertschätzen und auch aufwerten. Gerade in der Verliebtheitszeit geht diese gegenseitige Aufwertung in gewaltige Höhen. Das normalisiert sich dann. Aber auch weiterhin wird man dem anderen gegenüber wertschätzende Worte benutzen, man richtet sein Leben nach dem jeweils anderen ein. Man widmet ihm Zeit, man macht seinetwegen Kompromisse und man plant gemeinsame Projekte. Die Sonnenreiterin musste also bis zum Zeitpunkt des Verlassenwerdens davon ausgehen, dass sie in den Augen ihres Partners wertvoll war. Sie planten ja gerade einen gemeinsamen Urlaub. Und das tut man nur mit Menschen, die einem wertvoll sind. Und vieles andere mehr wird stattgefunden haben, das wir nicht wissen, das aber für sie den Schluss zuließ, dass er sie wertgeschätzt hat.
Wenn das alles plötzlich wegfällt, wenn sogar abwertende Worte gewählt werden, wenn man scheinbar nur noch einen Zettel wert ist dann muss man zwingend zu dem Schluss kommen, all seinen Wert verloren zu habe, weggeworfen zu sein wie eine leere Bananenschale. Was schmeckte, ist verzehrt, der Rest kann weg.
Dieses Gefühl kommt also automatisch, man hat nichts in der Hand, um es zu entkräften. Der Fall ist tief. Und manche glauben, wie in ein schwarzes Loch zu fallen, wertlos und entsorgt.
Mir ist wichtig, diesen Automatismus zu durchbrechen und sich dazu in die Lage zu versetzen, nach und nach andere Perspektiven einzunehmen. Denn erstens ist das kein schwarzes bodenloses Loch, in das man fällt; sondern es ist ein Tal, in das man hinein gerät. Es ist tief, aber es hat einen festen Boden, auf dem man nach der Abwärtsbewegung stehen kann, sich ausruhen kann und von dem aus man nach Wegen suchen kann, wieder hinaus zu gelangen. Das ist dann anstrengend, aber mit jedem Schritt nach oben wird der Horizont wieder weiter, man sieht mehr, bekommt Perspektiven, kann planen und sehen. Dazu benötigt man Kraft, aber die ist ja nicht weg, nur weil der Partner weg ist. Diese Kraft muss und kann also wieder aus DEM geschöpft werden, was einem verblieben ist. Und es ist fast alles verblieben, alles was den Verlassenen wertvoll gemacht hat, ist noch da. Weg ist nur der Partner und dessen Wertschätzung.
Mir hat eine Ratsuchende in einer Trennungsbegleitung mal geschrieben: Es war völlig überraschend, aber gestern Abend wurde mir klar, dass ich ja alles noch habe, was wichtig und wertvoll ist. Vor allem habe ich ja noch MICH! Gegangen ist nur der Ex. Die Erinnerungen bleiben mir, die gemeinsame Zeit ist nicht weg, sie ist nur durchlebt. Vor allem aber habe ich ja noch ALLE Möglichkeiten, die ich vorher hatte, nur ihn nicht mehr!
Wenn man an diesem Punkt angekommen ist, geht es wieder raus aus dem Tal. Leider spüren gerade diejenigen Menschen diese scheinbare Entwertung besonders stark, die sowieso ein angeschlagenes oder schlecht entwickeltes Selbstwertgefühl haben. Da liegt es dann am Therapeuten, sich mit diesem Bereich der Persönlichkeit intensiv zu beschäftigen. Dazu stehen der Sonnenreiterin durch die Hilfe einer Therapeutin ja alle Möglichkeiten offen.
Entscheidend ist: Nicht der Wert ist gesunken, sondern es ist nur EINER gegangen, der diesen Wert durch Gesten und Worte eine Zeit lang zum Ausdruck gebracht hat. Alle anderen, die das tun, bleiben. Und vor allem: ICH selber bleibe und ich kann mich auf die Entdeckungsreise machen, wo meine wahren Werte denn nun wirklich sind.
@seherinJa, ich verstehe das. Es liegt auch aus dem Geschilderten heraus nicht auf der Hand. Aber ich habe es in Trennungsbegleitungen immer wieder erlebt, dass irgendwann später klar wurde, dass eine neue Liebe letztlich eine Rolle spielte. Denn auch der Expartner hat ja lange von der Wertschätzung der Sonnenreiterin profitiert. Und die hatte er nun überraschenderweise nicht mehr nötig. Das hat Gründe. Und ein sehr wichtiger Grund ist die Wertschätzung einer anderen Person. Und wird dann dadurch, dass sie neu ist, viel intensiver empfunden.
Darum bin ich bei dieser hohen Prozentzahl gelandet. Es bleibt ja natürlich noch die Möglichkeit, dass das nicht der Fall ist.