Guten Morgen, lieber 2016,
Du liest Dich wirklich extrem reflektiert - und ehrlich. Und das, wo ich doch das Vorurteil pflege, dass es das bei Männern kaum gibt
Und Du hältst mir einen Spiegel vor, den ich gern immer wieder verhänge. Schnörkellos ausgedrückt heißt es dort: "Hormone" haben eine enorme Anziehungskraft und ein großes Gewicht; manchmal ein größeres, als wir uns wünschen und als ein schmeichelhaftes Licht auf uns wirft. Und diesen Umstand braucht man nicht mit dem Deckmantel einer großen Liebe oder sonst irgendeiner Begründung zu behängen. Wenn das "chemisch" gesteuerte Paar hinter diesem Vorgang nicht passt, kann man das auch nicht passend machen, und wenn man sich auf den Kopf stellt.
Macht als erstes folgenden Lerneffekt für mich: Sollte es bei mir noch einmal mit jemandem sowohl chemisch wie auch mit den dahinterliegenden Wesen und Charakteren passen (so wie bei meinem Ex-Lebensgefährten), dann ist noch größerer Augenmerk (incl. deutlicher Kommunikation) darauf zu legen, dass auf den Erhalt der chemischen Vorgänge niemals eine zu geringe Aufmerksamkeit gelegt wird. (Wobei ich das bei meinem Lebensgefährten getan hatte. Er - zumindest aus meiner Sicht - nicht, oder halt eben anders, auch anders gewichtet.) Wenn das nicht gelingt, bleibt nur noch, das Ende zu aktzeptieren. Eine lapidare Bilanz.
Und, der zweite Lerneffekt schreibt sich fast bitter, zumindest aber traurig: Den Mann, um den es mir hier geht, kann ich zumindest getrost loslassen, oder seinen Kontaktabbruch gelassen hinnehmen. Wir passen nicht zueinander. Ich meinte immer, ich liebe ihn, aber womöglich ist es nur Chemie. Dass wir sonst nicht passen, liegt wirklich auf der Hand. Und das liegt nicht am großen Altersunterschied. Die Schnittmenge ist da, aber ziemlich klein.
Mir wäre das egal gewesen. Ich hätte es gelebt. Er nicht. Wobei ich, wenn ich ehrlich bin, wohl auch schnell gescheitert wäre, es zu leben. Da ist es wahrscheinlich wirklich besonnener, dieses Geschirr nicht zu zerschlagen und die Dinge zu lassen, wie sie sind. Das fällt mir scheinbar schwerer als ihm. Ja, trotz dieser Erkenntnisse, die ich ja irgendwie schon in mir getragen habe, fällt mir das schwer.
Ein wenig befreit mich das auch. Zumindest brauche ich nicht mehr denken, ich verliere etwas sehr wertvolles für mich. Denn es hat nur den vordergründigen Anschein, etwas sehr wertvolles zu sein. Dem Lebenstest hält es nämlich nicht stand.
Beide Männer sind nichts für mich. Aus völlig unterschiedlichen Gründen. Ist Dein Resumeé für Dich und Deine Situation ähnlich? Das würde ja in meiner Vorstellung auch für Dich bedeuten, dass es kein Zurück gibt?
Ich schätze Deine Worte und Deine Art, mit den Dingen umzugehen. Vielen Dank, dass Du mich teilhaben lässt. Ich freu mich natürlich auch sehr über den Gewinn für mich. Danke schön

Schönen Sonntag! solea