Hallo zusammen!
Ich schreib heute mal wieder mein wöchentliches Update.
Zitat von PuMa:Denn deine, meine und viele andere Geschichten kann man nicht ablegen wie einen Mantel, leider. Wir tragen sie mit, für immer. Wir lernen nur das Gewicht ordentlich zu verteilen, so dass noch Platz für etwas neues, schönes da ist.
Das ist völlig korrekt - aber ich finde, man muss es auch nicht ablegen. Es hat uns geprägt, vielleicht verändert, gestärkt, wir haben draus gelernt - und das Leben geht weiter.
Es ist manchmal verrückt, wie einem das Leben so spielt. Der große Knall ist fast 10 Monate her. Oktober 2020 - und mir geht es ziemlich GUT! Anfang des Jahres hätte ich jedem den Vogel gezeigt, der mir erzählt, dass ich so eine Aussage tätige und das NICHT in Bezug auf meine NF. War für mich einfach nicht vorstellbar. Aber es ist so gekommen und im Nachhinein wahrscheinlich gut so.
Natürlich kann ich 7 Jahre, 5 davon Ehe, zwei gemeinsame Kinder usw. nicht einfach unter den Teppich kehren und vergessen.
Natürlich hat man auch jetzt noch manchmal ein paar wehmütige Gedanken an eine "normale" Familie. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komm und da liegen noch die Puzzles und Spielzeuge der Kids, die wir am Vorabend gemacht haben - außer den drei Katzen wartet aber niemand zuhause - dann ist das schon ein wehmütiger Moment. Kinder nicht da, keine Frau, die auf einen wartet... aber ich vermisse nicht die NF als Person sondern eher den Fakt einer "normalen" Familie. Schwer zu beschreiben.
Aber genauso freue ich mich über die aufrichtige und unvorbelastete neue Beziehung.
Das ist so herrlich unbeschwert und einfach nur schön.
Ich hab eine tolle neue Frau in meinem Leben, die mich bedingungslos mag und ohne Vorbelastungen mit mir einen Neustart wagt. Ihre Eltern mögen mich total, im Freundeskreis bin ich integriert, ihre Tochter liebt mich mittlerweile abgöttisch.
Ich habe letzte Woche die Büsche und Sträucher in meinem Garten zugeschnitten, es war allerdings soviel Schnittgut, dass ich mir einen Hänger ausleihen wollte, um es wegzufahren.
Freitag während ich in der Arbeit war, hat sie mich überrascht und das alles mit ihrem Papa zusammen weggebracht. Da war ich baff.
Für Halloween hat sie mir mit ihrer Tochter einen Kürbis geschnitzt.
Sie hat mir und ihr neue Dartpfeile gekauft - jeweils in den Lieblingsfarben.
In ihrem Kühlschrank ist neuerdings immer eine Flasche Eistee-Pfirsich, weil sie weiß, dass ich das sehr gern trink. Sie trinkt keine Softdrinks.
Am Montag hatte sie Geburtstag. Auch das war super. Als ich draußen an der frischen Luft war kam ihre Mama und hat mich umarmt und mir ihre Freude mitgeteilt, und was für ein netter, herzlicher Mensch ich doch bin. Und dass sie ihre Tochter in den letzten 32 Jahren nie so ausgeglichen und zufrieden und glücklich erlebt hat wie jetzt.
Eigentlich wollte ich mit ihr die nächsten Tage mal zu meinen Eltern fahren, um sie bekannt zu machen - leider macht uns der November-Lockdown einen Strich durch die Rechnung. Aber das eilt ja nicht unbedingt.
Naja - jedenfalls genieß ich einfach nur. Wir haben sehr viel Spaß zusammen. Fühl mich wie ausgewechselt und der schwierige Rest des Jahres ist irgendwie auf einmal so weit weg.
Zitat von Andy17:Fairer Weise muss man sagen, dass NF es dir leichter gemacht hat. Sie benimmt sich zum Teil unterirdisch, aber kümmert sich um die Kinder und nimmt dich finanziell nicht aus.
Naja - "leicht gemacht" in dem Sinne eigentlich nicht, da sie ja ständig wieder ankam mit Hoffnungen und große Liebe und willst du mich nochmal heiraten usw.
Leichter wäre es für mich glaub ich gewesen, wenn sie von Januar an ihre Linie konsequent durchgezogen hätte. Das war allerdings ja nie der Fall.
Mit meiner NF hab ich normalen fairen Kontakt - auch wenn sie manche Dinge nicht verstehen kann.
Sie wollte mit mir zusammen Winterklamotten für die Kids shoppen gehen, weil des so ja viel einfacher wäre als wenn jeder für sich allein irgendwas kauft und dann alles doppelt und dreifach vorhanden ist.
Hab ich aber abgeblockt - allein schon meiner Freundin gegenüber - wie quer muss das für sie kommen wenn ich mit der Exfrau einen Nachmittag beim shoppen bin?
Aber ansonsten gibt es da wenig Streit oder Ärger. Sie ist in ihrer neuen Wohnung angekommen, hat jetzt auch die Kids 50/50. Alles in allem macht sie einen viel gefestigteren Eindruck auf mich.
Gab jetzt mal eine heftigere Auseinandersetzung bzgl. Kindererziehung, das haben wir aber wieder klären können. Da haben wir beide unserem Ärger vielleicht etwas zuviel Luft gemacht - am Tag drauf haben wir uns aber wieder zusammengerauft.
Klar - ein bisschen unterstütze ich in manchen Dingen doch noch. Sie brauchte eine neue Waschmaschine - da hab ich im Für uns Shop meiner Firma nach Angeboten für sie geschaut. Sowas ist für mich kein Problem.
Was sie mit ihrem Schrauber da treibt oder nicht treibt interessiert mich nicht mehr die Bohne. Mir tut sie schon fast leid, dass sie von dem Deppen einfach nicht los kommt. Aber nicht meine Baustelle.
Es gibt immer mal wieder so ein paar Kleinigkeiten, die man geraderücken muss. Aber im großen und Ganzen läuft es da mittlerweile gut und ruhig.
Kinderbetreuung ist wirklich 50/50 aufgeteilt. Das klappt. Tochter hatte jetzt Magen/Darm - da haben wir uns die kindkrank-Zeiten hälftig aufgeteilt, war auch kein Problem.
Elternebene ist fast problemlos würde ich behaupten.
Das einzige, was aktuell aufgekommen ist, ist meine Tochter. Sie hatte letzte Woche im Kindergarten einige Anpassungsstörungen... ihr wird jetzt langsam klar, dass Mama und Papa nie wieder zusammen wohnen werden.
Und sie spielt uns gegenseitig und auch den Kindergarten auf Teufel komm raus gegeneinander aus. Erzählt jedem was anderes und behauptet Dinge, die nicht stimmen. Dementsprechend bin ich bei allem was mir spanisch vorkommt im Austausch mit NF und Kiga.
Auch meine Freundin hat sie gefragt, ob denn sie und der Papa auch getrennt sind so wie ihre Eltern. Meine Tochter spricht viel über das Thema und stellt teilweise schon wirklich direkte Fragen für eine fast-5jährige.
Wollten uns um eine familienpsychologische Betreuung für die beiden kümmern - mit den aktuellen Lockdown-Gegebenheiten wird das auch wieder schwieriger. Aber die Woche ist das Verhalten meiner Tochter wieder besser.
Mein Sohn steckt das alles eher weg. Der ist froh über zwei Kinderzimmer mit unterschiedlichen Spielsachen.
Ja - er hatte ja mitten im ersten Lockdown Geburtstag, gab somit keine Party für ihn. Und jetzt hat meine Tochter in 2 Wochen - auch sehr super. Können wir die Kinder gleich wieder ausladen, ein weiterer Geburtstag, der ins Wasser fällt dieses Jahr. Das ist doch wirklich nicht mehr schön.
Ist eh schon alles belastend und dann auch noch das. Halloween-Umzug "Süßes sonst gibts Saures!" wird auch nix - da freuen sie sich seit einem halben Jahr drauf.
Meine Tochter hat vorgestern Steckperlen gespielt. Blaue und Rote. Ich hab gefragt was sie da macht - "die blauen sind gesund, die roten haben den Virus".
Sie versteht nicht, warum sie im Kindergarten beim Morgenkreis nicht mehr Händehalten darf, es aber völlig okay ist, mit mir zu kuscheln. Wer muss jetzt Abstand halten und wer nicht?
Im Kiga tragen die Erzieherinnen jetzt auch dauerhaft Masken und halten Abstand zueinander - die Kids aber nicht. Seit gestern haben sie meinen Sohn in ihre Gruppe gesteckt, da Geschwisterkinder nicht mehr in verschiedenen Gruppen sein dürfen. Er ist also auf unbestimmte Zeit raus aus seiner Jungsclique.
Jetzt darf man ihr erklären, dass an ihrem Geburtstag keine Oma, kein Opa, keine Kinder, keine Freunde kommen können.
Ich bin bei Gott kein Corona-Leugner. Aber was wir gerade mit unserem Nachwuchs anstellen wird in meinen Augen nicht ohne Spätfolgen bleiben. Das ist grausam.