Zitat:Auf jeden Fall löst beides unermessliches Leid aus.
Naja, nicht unbedingt. Ein Freund von mir hat das Fremdgehen seiner Freundin sehr locker weggesteckt und ihr verziehen. Man sollte nicht immer von sich auf andere schließen. Für die einen bricht die Welt zusammen, weil sie belogen wurden, an den anderen nagt das Ego, wieder andere haben Angst, allein zu sein, dann gibts noch solche, die besitzen wollen. Und dann gibts welche, die da relativ pragmatisch an die Sache herangehen. Bei manchen steht die Gemeinsamkeit über dem Vertrauensbruch. Und andere haben vor allem finanzielle Erwägungen. Da bin ich komplett bei FallingButterfly: Jeder muss selbst entscheiden, womit er leben kann und womit nicht. Hier mit Dogmen für alle anderen daherzukommen, nur weil man es selbst nicht verzeihen könnte, halte ich nicht für richtig. Immerhin geht es hier um eine Ehe - und er sagt, er liebt sie. Und sie liebt ihn. Klar haben sie eine Chance, auch wenns sicher nicht einfach ist.
@Hamster: Du musst gar keine meiner Einstellungen teilen. Was dir recht locker vorkommen mag, ist einfach realistisch. Ich glaube, dass eine glückliche Beziehung über Jahrzehnte äußerst schwer ist und ewige Treue über alle Widrigkeiten hinweg noch schwerer. Und die Statistiken geben mir leider recht.
Jeder zweite ist schon mal fremdgegangen, viele, wenn auch nicht alle, nicht nur einmal. Dh, bei einem durchschnittlichen Mitteleuropäer jüngerer Generation mit mehreren Beziehungen in seinem Leben liegt die Chance bei fast 100%, mit jemanden zusammen zu kommen, der schon mal betrogen hat. Und eventuell wieder betrügen wird. Ob man davon weiß, oder nicht. Mit einer Lebenserwartung von ca. 80 Jahren ist jemand, der noch nie einen Menschen liebte, der betrog, betrügt oder betrügen wird, die absolute Ausnahme. Von diesen 50%, die betrügen geben nur 4% an, erwischt worden zu sein. Tja, was soll man dazu sagen.
Da kann man jetzt mit dem Schicksal hadern, die Haare raufen und lamentieren wie man will. Ändert aber nichts daran, wie die Realität und die Wahrscheinlichkeiten aussehen. Man kann nur bei der Auswahl aufpassen und dann die Beziehung bis zum Lebensende hin so spannend und liebevoll gestalten, dass der andere oder man selbst nie auf die Idee kommt, einen anderen interessant zu finden. Und das ist schwierig, bis zu einem gewissen Grad sogar Glückssache. Wer weiß schon, was in 30 Jahren ist. Man kann es nur redlich versuchen und hoffen.
Dh aber auch, dass wenn man von dem Dogma ausgeht, wer einmal betrügt, betrügt immer, sich 50% der Menschen sofort trennen müssten. Und die anderen 50% nie wieder eine Beziehung haben dürften. Kann ja auch nicht Sinn der Sache sein. Zudem blendet man alle Variablen und Unbekannten aus, die das Leben so mit sich bringt. Und blendet aus, was fast jeden Menschen früher oder später auf die eine oder andere Art betraf oder betrifft. Kann man tun, muss man aber nicht.