Zitat von angel09:Das ist das Schwierige an Affären. Sie bleiben. Sie sind wie ein Schatten auf der Beziehung, die in ihrer Geschichte eine Affäre zu verarbeiten haben. Der Schatten wird vielleicht blasser, aber er ist immer da!
Mir ist klar, was Du meinst. Stimme dem auch zu.
Die Sonne scheint aber weiterhin auf Dich und Deine Beziehung, nicht auf die beendete Affaire. Also jene ihrer Strahlen, die auf den Platz an der Seite Deines Partners fallen. Ich will damit nicht gesagt haben, daß die ausrangierte AF sich nicht
auch einen Platz an der Sonne erobern kann. Aber eben
überall, nur nicht mehr
dort - an seiner Seite.
Das ursprüngliche Vertrauen und damit einhergehende Ehelebensgefühl läßt sich nach einer Affaire
so nicht mehr wiederfinden. Das ist tatsächlich
verloren und natürlich wird der Betrogene diesen Verlust erst mal kräftig betrauern. In weiterer Folge kann auch Wut darüber ausbrechen; ist ja nicht so, als sei dies das Resultat einer Naturkastastrophe, sondern es wurde durch das Handeln zwei ganz bestimmter Menschen hochaktiv dafür
gesorgt, daß er überhaupt stattfinden konnte.
Hat man nun den Scherbenhaufen begutachtet, im Rahmen zahlloser Partnergespräche - mit oder ohne professionelle Begleitung - die Ursachen für die Affaire gründlich untersucht und festgestellt, daß man sie klären, beseitigen und die Ehe insofern fortsetzen
könnte, so kriegt man ggfs. natürlich trotzdem
nie mehr die alte Ehetasse im Originalzustand zurück, sondern es
kann nur noch um die von der Porzellanklinik (sowas gibt es wirklich) wieder zusammengekittete Version
gehen.
Manchen Manufakturmeistern gelingt ihr Werk so sehr, daß der Unterschied zwischen Original- und repariertem Tassenzustand zumindest von außen unbemerkt bleibt. Ihr Eigentümer hingegen wird bis an sein Lebensende wissen, daß er sie in der Porzellanklinik
hatte und auch,
wo ihre Kittstelle
sitzt.
Die Frage ist, ob er künftig weiter aus dieser Tasse trinken will, oder grundsätzlich nur Neuware
akzeptiert. Das ist
Einstellungssache und daher eine persönliche Entscheidung, aber eines ist sicher: Die Tasse steht jetzt
nur noch so und nicht anders zur Verfügung. Reicht dem Eigentümer das nicht, muß er sich eben eine andere kaufen.
Tut sie dies doch und er passt künftig besser auf sie auf, bzw. geht sorgsamer mit ihr um, wird die Tasse ihm aber womöglich noch viele Jahre lang gute Dienste leisten. Wenn nicht, bricht sie irgendwann erneut; dann vermutlich so arg, daß sie sich kein weiteres Mal mehr reparieren läßt.
Was definitiv nicht förderlich ist: Wenn der Eigentümer sie behält, sich aber bei jeder Nutzung über sein Wissen um den Kitt ärgert, sie sogar bewußt bei jedem Trinken mit den Augen danach absucht, bis er die letzten, feinen kleinen Stellen findet, die auch der Meister in der Porzellanklinik leider nicht ganz wegretuschieren konnte. Es macht dann wirklich null Sinn, die Wut darüber an der Tasse auszulassen. Denn die ist jetzt so, wie sie ist: Eine Tasse mit Unfallschaden. Eine gekittete Tasse. Keine fabrikneue Ware mehr.
Und ab hier ist es nicht länger
ihre Verantwortung, ob der Eigentümer
damit klarkommt, oder nicht... sondern seine. Alles, was die Tasse tun
kann, ist halten, halten, halten... aber den Kitt loswerden,
das kann sie leider
nicht. Womit denn auch klar ist, wer jetzt was zu tun hat, damit der Kaffee auch die nächsten Jahrzehnte aus eben dieser Tasse kommen kann. Oder?
Um den Bogen zum Threadtitel zu schließen:
Affairen haben auch einen großen Nutzen für die Beratungsindustrie. Die Paarpsychologen sind die Porzellanmanufakturmeister für affairengebeutelte Ehen....