Zitat von tine131313: wie lange ging denn diese haedcore zeit bei dir? und wie lange ist das her?
Am schlimmsten waren die ersten sechs Monate, aber auch da bemerkte ich schon nach den ersten Wochen eine leichte Besserung. Mein Problem war, dass ich immer noch rein "freundschaftlich" mit ihm verbunden war. Zwar sahen wir uns nicht mehr, hielten aber Verbindung über Medien. Keine gute Idee, denn das verlängerte den Ablösungsprozess und bescherte mir neue Gefühlseskapaden.
Zu hören, was er am WE vorhatte, fachte das Gedankenkarussell an. Aha, er geht auf eine merkwürdige kulturelle Veranstaltung, die nicht so recht zu ihm passt. Mit wem zum Teufel geht er da hin? Gibt es vlt. schon eine Next? Fragen konnte ich ja nicht als eine "Freundin".
Verbindung schafft schlechte Gefühle wie Sehnsucht, Kränkung und Eifersucht.
Schlimm wurde es ein halbes Jahr später, weil da unser Kontakt ganz abbrach und zwar weil ich aus einer seiner verschwurbelten Mails heraus las, dass es nun die Next gab. Da wallten Wut und Eifersucht nochmals auf.
Nach einer etwas aggressiven Nachfrage von mir, ob wir nun den Kontakt einschlafen lassen sollten, folgte eine aggressive Mail von ihm, zumindest indirekt aggressiv. Seither endlich ganz Funkstille und da merkte ich, dass Abstand der Schlüssel zum Erfolg ist.
Ich wusste nach dem Ende, dass es für mich nicht so weiter gehen konnte wie bisher. Es musste was passieren in meinem Leben.
Und nach dem Abflauen der Trennungsschmerzen fing ich an nachzudenken. Über mich, warum ich so geworden war, was mit mir passiert war in der Kindheit. Über schlechte Gefühle, die ich seit meiner Kindheit kannte. Und vor allem über meine Tendenz zu ständiger Selbstkritik und Selbstabwertung. Du müsstest so und so sein, dann ... Du würdest Dich das nie trauen, aber andere machen es ... Andere sind viel besser, gescheiter, attraktiver als ich, aber ich?
Durch das Herstellen von Parallelen zu meiner etwas problematischen Mutterbeziehung merkte ich, was ich an Verletzungen und schlechten Selbsteinschätzungen mit mir rumschleppte, die dann vor allem im Beziehungsleben zu Tage traten. Ich war es ja nicht wert . .. ich wurde weggeworfen, wieder Mal? Ich bin halt nicht gut genug!
Ich war bei einem Therapeuten, mit dem ich einiges durchleuchtete. Er zeigte mir wie geformt ich durch Kindheitserlebnisse war. Und vor allem merkte ich eines: es ging überhaupt nicht um ihn, diesen elenden Mistkerl! Der war völlig unwichtig, wir sprachen kaum über ihn. Warum? Weil er nur ein Symptom meiner unaufgearbeiteten Probleme mit mir selbst war. Er war ein Wegweise, sonst nichts und der Pfeil zeigte geradewegs auf mich. Da konnte ich was bewirken. Wie er war, wie er nicht war, völlig irrelevant!
Es war eine entscheidende Erkenntnis, dass ich schlicht und ergreifend Kindheitsprobleme nachlebte und mich in Beziehungen unterordnete und von Ängsten ziemlich geplagt war. Verlustängste, Versagensängste - all das fühlte ich in Beziehungen.
Ab da begann ich systematisch, die schlechten Gedanken zu verbannen. Sie dienten nur dazu, mich selbst abzuwerten. Weg damit! Ich bin gut genug und in manchem sogar besser als gedacht!
Also, weg mit den Kobolden, die mir immer einflüsterten: Hähä, Du wärst so gerne anders, aber weit gefehlt. Wir sagen Dir schon, wie Du bist! Auf unser Urteil kannst Du Dich verlassen. Du wärst so gerne anders, aber leider bist Du allenfalls Durchschnittsware. Siehst Du doch! Du bist ängstlich, was Du nicht zeigst, glaubst nicht an Dich und wir sorgen schon dafür, dass Du das noch lange glaubst.
Ich sperrte die Kobolde in einen Schrank und hörte einfach nicht mehr hin. Ich arbeitete am Selbstwertgefühl und an meiner Selbständigkeit. Und oh Wunder, es half mit der Zeit auch. Ich fühlte mich zunehmend besser, kam besser mit mir zurecht. Das Selbstvertrauen wuchs.
Und damit, mit dieser Seelenhygiene wurde auch meine Ehe wieder besser. Ich lernte meinen Mann schätzen - von Neuem und wir unternahmen viel mehr zusammen. Und andere Männer interessieren mich nicht mehr.
Irgendwie habe ich meinen Frieden gefunden und bin zufrieden mit mir und meinem Leben.
Die Ruhelosigkeit, die Zerrissenheit verschwanden. Und das Beste ist, dass ich viel mehr Selbstvertrauen habe und es mir ziemlich egal ist was andere von mir denken.
Das alles geht nicht innerhalb von Wochen. Da gehen Monate, Jahre ins Land.
Bis ich völlig geheilt war von diesem AM, dauerte es ungefähr zwei Jahre. Aber ich hatte in dieser zeit nicht nur Kummer. Der verging dann doch recht schnell, aber bis er mir wirklich egal war, das zog sich hin.
Ein langer Weg, aber lohnend. Aber man muss ihn selbst gehen und das auch wollen. Sonst bleibt man stehen und fühlt sich permanent "halbfertig".
Ob Du Deine Ehe hinkriegst oder nicht, steht in den Sternen. Aber erstmal musst Du die Entwöhnung durchstehen. Nicht einfach, gerde am Anfang, aber es wird immer leichter.