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Affäre macht was sie will

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Zitat von tine131313:
immer etwas oder?


Der Anfang ist brutal schwer und ja, es ist immerhin etwas, nämlich der erste Schritt.
Es wird Dir noch öfters in den Fingern jucken und Dein Gefühlsgedächtnis wird Dir wieder vorgaukeln, dass es mit ihm ja auch schön war.
Du kannst schreiben so viel du willst. Hier oder daheim auf den PC. Ich verfasste seinerzeit lange Mails an ihn, die ich niemals abschickte, in denen u.a. viele Tiernamen vorkamen. Hätte ich ihm das geschickt, hätte ich nur gezeigt, wie sehr ich getroffen wurde und wie wenig ich mit der Distanz umgehen konnte. Einstellungen ändern sich - sie bleiben nicht gleich. Und später hätte ich mir gedacht, wenn ich das nur wie geschickt hätte.

Insofern ist Schreiben gut, weil es die Gedanken ordnet und die Gefühle besänftigt, aber Absenden ist völlig kontraproduktiv.

Ich habe mir damals eine 24-h-Regel gemacht. Wenn der Drang ihn zu kontaktieren besonders groß war (nur eine kleine Meldung, nur mal fragen, wie es ihm so geht, nur mal zum Geburtstag gratulieren), habe ich mir gesagt: Okay, Du wartest jetzt 24 Stunden und dann hörst Du in Dich rein.
Es war klar, dass ich 24 Stunden später auch nicht schreiben durfte, aber ich hielt mir sozusagen ein Hintertürchen offen. 24 Stunden später war der momentane Drang entweder verschwunden oer ich legte mir die nächsten 24 Stunden auf.

Und sich Gutes tun und andere Menschen zu treffen, ist gerade jetzt sehr wichtig. Du zeigst damit Deinen doofen Gefühlen, dass es noch etwas anderes gibt als den Larifari und Träume von einem anderen Leben.

Du solltest verstehen, dass Du die Regisseurin Deines Lebens bist. Wenn Du Dich nicht um Dich kümmerst und nett zu Dir bist, tut es keiner!

x 6 #721


T
Zitat von Begonie:
Der Anfang ist brutal schwer und ja, es ist immerhin etwas, nämlich der erste Schritt.

es ist hammer hart. das Gute ist, dass es nicht viele schöne momente mit ihm gab.. und wenn war der preis dafür zu hoch. hat mich viel gekostet. daher danke für deine worte. ich muss mich kümmern, ja, sonst tut es keiner 🙈 wie lange ging denn diese haedcore zeit bei dir? und wie lange ist das her?

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A


Affäre macht was sie will

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B
Zitat von tine131313:
wie lange ging denn diese haedcore zeit bei dir? und wie lange ist das her?


Am schlimmsten waren die ersten sechs Monate, aber auch da bemerkte ich schon nach den ersten Wochen eine leichte Besserung. Mein Problem war, dass ich immer noch rein "freundschaftlich" mit ihm verbunden war. Zwar sahen wir uns nicht mehr, hielten aber Verbindung über Medien. Keine gute Idee, denn das verlängerte den Ablösungsprozess und bescherte mir neue Gefühlseskapaden.
Zu hören, was er am WE vorhatte, fachte das Gedankenkarussell an. Aha, er geht auf eine merkwürdige kulturelle Veranstaltung, die nicht so recht zu ihm passt. Mit wem zum Teufel geht er da hin? Gibt es vlt. schon eine Next? Fragen konnte ich ja nicht als eine "Freundin".

Verbindung schafft schlechte Gefühle wie Sehnsucht, Kränkung und Eifersucht.
Schlimm wurde es ein halbes Jahr später, weil da unser Kontakt ganz abbrach und zwar weil ich aus einer seiner verschwurbelten Mails heraus las, dass es nun die Next gab. Da wallten Wut und Eifersucht nochmals auf.
Nach einer etwas aggressiven Nachfrage von mir, ob wir nun den Kontakt einschlafen lassen sollten, folgte eine aggressive Mail von ihm, zumindest indirekt aggressiv. Seither endlich ganz Funkstille und da merkte ich, dass Abstand der Schlüssel zum Erfolg ist.

Ich wusste nach dem Ende, dass es für mich nicht so weiter gehen konnte wie bisher. Es musste was passieren in meinem Leben.

Und nach dem Abflauen der Trennungsschmerzen fing ich an nachzudenken. Über mich, warum ich so geworden war, was mit mir passiert war in der Kindheit. Über schlechte Gefühle, die ich seit meiner Kindheit kannte. Und vor allem über meine Tendenz zu ständiger Selbstkritik und Selbstabwertung. Du müsstest so und so sein, dann ... Du würdest Dich das nie trauen, aber andere machen es ... Andere sind viel besser, gescheiter, attraktiver als ich, aber ich?

Durch das Herstellen von Parallelen zu meiner etwas problematischen Mutterbeziehung merkte ich, was ich an Verletzungen und schlechten Selbsteinschätzungen mit mir rumschleppte, die dann vor allem im Beziehungsleben zu Tage traten. Ich war es ja nicht wert . .. ich wurde weggeworfen, wieder Mal? Ich bin halt nicht gut genug!

Ich war bei einem Therapeuten, mit dem ich einiges durchleuchtete. Er zeigte mir wie geformt ich durch Kindheitserlebnisse war. Und vor allem merkte ich eines: es ging überhaupt nicht um ihn, diesen elenden Mistkerl! Der war völlig unwichtig, wir sprachen kaum über ihn. Warum? Weil er nur ein Symptom meiner unaufgearbeiteten Probleme mit mir selbst war. Er war ein Wegweise, sonst nichts und der Pfeil zeigte geradewegs auf mich. Da konnte ich was bewirken. Wie er war, wie er nicht war, völlig irrelevant!

Es war eine entscheidende Erkenntnis, dass ich schlicht und ergreifend Kindheitsprobleme nachlebte und mich in Beziehungen unterordnete und von Ängsten ziemlich geplagt war. Verlustängste, Versagensängste - all das fühlte ich in Beziehungen.

Ab da begann ich systematisch, die schlechten Gedanken zu verbannen. Sie dienten nur dazu, mich selbst abzuwerten. Weg damit! Ich bin gut genug und in manchem sogar besser als gedacht!
Also, weg mit den Kobolden, die mir immer einflüsterten: Hähä, Du wärst so gerne anders, aber weit gefehlt. Wir sagen Dir schon, wie Du bist! Auf unser Urteil kannst Du Dich verlassen. Du wärst so gerne anders, aber leider bist Du allenfalls Durchschnittsware. Siehst Du doch! Du bist ängstlich, was Du nicht zeigst, glaubst nicht an Dich und wir sorgen schon dafür, dass Du das noch lange glaubst.

Ich sperrte die Kobolde in einen Schrank und hörte einfach nicht mehr hin. Ich arbeitete am Selbstwertgefühl und an meiner Selbständigkeit. Und oh Wunder, es half mit der Zeit auch. Ich fühlte mich zunehmend besser, kam besser mit mir zurecht. Das Selbstvertrauen wuchs.

Und damit, mit dieser Seelenhygiene wurde auch meine Ehe wieder besser. Ich lernte meinen Mann schätzen - von Neuem und wir unternahmen viel mehr zusammen. Und andere Männer interessieren mich nicht mehr.
Irgendwie habe ich meinen Frieden gefunden und bin zufrieden mit mir und meinem Leben.
Die Ruhelosigkeit, die Zerrissenheit verschwanden. Und das Beste ist, dass ich viel mehr Selbstvertrauen habe und es mir ziemlich egal ist was andere von mir denken.

Das alles geht nicht innerhalb von Wochen. Da gehen Monate, Jahre ins Land.
Bis ich völlig geheilt war von diesem AM, dauerte es ungefähr zwei Jahre. Aber ich hatte in dieser zeit nicht nur Kummer. Der verging dann doch recht schnell, aber bis er mir wirklich egal war, das zog sich hin.

Ein langer Weg, aber lohnend. Aber man muss ihn selbst gehen und das auch wollen. Sonst bleibt man stehen und fühlt sich permanent "halbfertig".

Ob Du Deine Ehe hinkriegst oder nicht, steht in den Sternen. Aber erstmal musst Du die Entwöhnung durchstehen. Nicht einfach, gerde am Anfang, aber es wird immer leichter.

x 5 #723


T
Zitat von Begonie:
Durch das Herstellen von Parallelen zu meiner etwas problematischen Mutterbeziehung

bei mir ist es genau das gleiche. ich weiß das. aber ich hab keine ahnung wie ich daraus etwas über mich lernen sollte?

x 1 #724


T
Zitat von Begonie:
Die Ruhelosigkeit

und zerrissenheit fühle ich auch in mir- wenn er sich meldet ist das weg und ich fühle mich toll

x 1 #725


aequum
Zitat von Begonie:
Und damit, mit dieser Seelenhygiene wurde auch meine Ehe wieder besser. Ich lernte meinen Mann schätzen - von Neuem und wir unternahmen viel mehr zusammen.

Hat Dein EM Kenntnis über Deine AF oder hast Du das für Dich behalten und wenn ja, wie kannst Du damit leben?

x 3 #726


B
Zitat von tine131313:
zerrissenheit fühle ich auch in mir- wenn er sich meldet ist das weg und ich fühle mich toll

Weil Du wartest und Dich abhängig gemacht hast von Signalen, Aufmerksamkeit von ihm.
Du bist in einer permanente Warte- und Hoffnungs(losigkeits)position. Und das sorgt für innere Zerrissenheit, weil Realität und Gefühlsleben nicht übereinstimmen.

x 7 #727


T
wie geht das weg?

x 2 #728


B
@aequum Ich denke man überlässt es dann einfach seiner eigenen Geschichte in Vergessenheit zu geraten und zu bleiben. Ändern, kann man es nicht und im Grunde hilft es doch niemandem wirklich das dann auf diese Ebene zu holen. Der EM wäre auch dann mit der Rückschau verletzt. Die EF würde nur "erklären" warum und weshalb und das hilft dem Gefühlschaos des EM ja auch nicht viel. Wichtig ist einfach, es für sich zu bearbeiten, daran zu wachsen und zu lernen und dann die wesentlichen Dinge anzusprechen. Das bin ich, das bist du, das fehlt mir, das tut mir gut etc.

x 2 #729


aequum
Zitat von Bahia84:
@aequum Ich denke man überlässt es dann einfach seiner eigenen Geschichte in Vergessenheit zu geraten und zu bleiben. Ändern, kann man es nicht und im Grunde hilft es doch niemandem wirklich das dann auf diese Ebene zu holen. Der EM wäre auch dann mit der Rückschau verletzt. Die EF würde nur ...

Das mag wohl für Dich passen aber ich kann so etwas gravierendes nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Fakt ist, dass es mich innerlich zerreißen würde mit solch einer Lüge weiterhin meine Ehe zu führen.
Deshalb bin ich sehr froh darüber, dass es heute keine Geheimnisse mehr zwischen mir und meiner Frau gibt.

x 2 #730


B
Zitat von aequum:
Hat Dein EM Kenntnis über Deine AF oder hast Du das für Dich behalten und wenn ja, wie kannst Du damit leben?

Ja, er wusste es nach den ersten drei oder vier Monaten, weil ich es ihm gesagt hatte. Ich wollte nicht mehr billige Lügen auftischen. Er nahm es hin und sagte: ein Wunder, dass es jetzt erst passiert.
Er hatte es erfühlt, dass ich unausgeglichen und frustriert war und vor allem nicht wusste, wie ich das beheben hätte sollen. Und er sah auch seinen Anteil am Desaster.
Er machte mir keinen Stress, ließ mir Zeit, klagte nicht, drängte nicht. Er ließ mich den Weg gehen, bis ich kapierte, dass es der falsche war. Ich würde sagen, mein Mann ist schlauer und intuitiver als ich und das ist seine innere Stärke.

Ich kann gut damit leben. Es ist damals passiert, vor 10 Jahren. Natürlich ging es mir die ersten Monate nach dem Affärenende nicht sonderlich gut. Ich musste mit vielem fertig werden. Aber es wurde dennoch immer besser. Toleranz gegenüber dem Ehepartner ist wichtig, von beiden Seiten. Und Zusammenhalt auch in Krisenzeiten.
Es ist keine Lösung, über Jahre im Büßerhemd rumzulaufen.
Es war damals eben so. Und heute läuft es besser. Was zählt, ist das Ergebnis und nicht der Weg dahin. Der kann durchaus steinig und voller Stolperfallen sein oder auch mal in die Irre führen. Wichtig ist nur dass man heil irgendwo ankommt.

x 4 #731


B
Zitat von Bahia84:
Das bin ich, das bist du, das fehlt mir, das tut mir gut etc.

Das hast Du sehr gut ausgedrückt.

x 2 #732


B
@aequum Das ist ja auch niemals die schlechteste Variante: ehrlich sein. Bin ich auch so. Aber ich meinte halt, es gibt durchaus Menschen, die dann "ein Leben" wegwerfen, weil sie so verletzt sind, von der Art und Weise wie sie "hintergangen" wurden. Und ich meine noch nicht mehr zu unrecht. Denn jeder muss das für sich entscheiden. Nur jetzt bei Tine, sehen wir alle, hat das wirklich nichts damit zu tun, dass sie sich "sexuell" ausleben will und darauf schei. und einfach ihr Ding durchzieht ohne Rücksicht auf Verluste. Das war zumindest mein Gedankengang dahinter.

Bei Tine ist halt mehr "dahinter" im Sinne von, das muss sie bearbeiten und auflösen und dann kommt der Rest.

x 2 #733


aequum
Zitat von Begonie:
Ja, er wusste es nach den ersten drei oder vier Monaten, weil ich es ihm gesagt hatte. Ich wollte nicht mehr billige Lügen auftischen.

So war es auch bei uns und ja, wir mussten uns eigestehen, dass wir beide Fehler gemacht haben.
Im Ergebnis war es für uns ein Weckruf den wir beide wahrgenommen und verstanden haben. Heute sind wir glücklich und genießen es jeden Tag.

x 3 #734


aequum
Zitat von Bahia84:
@aequum Das ist ja auch niemals die schlechteste Variante: ehrlich sein. Bin ich auch so. Aber ich meinte halt, es gibt durchaus Menschen, die dann "ein Leben" wegwerfen, weil sie so verletzt sind, von der Art und Weise wie sie "hintergangen" wurden. Und ich meine noch nicht mehr zu unrecht. Denn ...

Natürlich sind Menschen unterschiedlich und ja, Tine muss noch ihren Weg finden aber bei aller Liebe, man muss auch mit sich im Reinen sein wenn es um den/der Ehepartner/rin geht.

x 3 #735


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