Begonie
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Wenn eine Affäre passiert ist, diese beendet ist und der Ehemann weiß nichts davon, dann würde ich es damit belassen.
Warum?
Es dem Ehepartner jetzt nach dem Ende zu "beichten", bringt nichts, sondern macht oft genug eine Neuaufstellung der Ehe unmöglich.
Der treue Ehepartner wird mit einer Wahrheit konfrontiert, mit der er nie gerechnet hätte. Er ist überfordert mit dieser Information.
Dann kommen die ewigen Fragen: Warum nur, warum? Was hast Du vermisst, was hatte der Andere, was ich nicht habe? Warst Du so unglücklich und unzufrieden? Wie lange ging das? Wie und wo habt Ihr Euch getroffen und das alles hinter meinem Rücken?
Warum hast Du mich hintergangen und belogen? Warum hast Du vorher nie was gesagt, was Dir fehlt?
Das ist ja alles sehr gut nachvollziehbar. Denn jetzt sind beide Ehepartner in einem Gefühlsstrudel, der einfach Angst macht.
Der Geständige hat Angst vor den Reaktionen, die von Zorn, Panik, Eifersucht bis zu totalem Rückzug alles umfassen können. Der mit der Wahrheit konfrontierte Ehepartner weiß eh nicht, wie er sich nun verhalten soll, denn er wird ahnungslos mit einer rüden Wahrheit konfrontiert, die nicht zu verkraften ist.
Und was will der Geständige damit erreichen? Jetzt auf einmal, als alles zu Ende ist, alles beichten? Wozu? Um jetzt, nachdem der ganze Lug und Trug passiert ist, zu Kreuze zu kriechen und sich eine Erleichterung zu verschaffen, die kaum eintreten wird.
Denn was passiert ist, kann nicht rückgängig gemacht werden. Stattdessen nimmt man jetzt verspätet den Ehepartner mit ins Boot und schiebt die Verantwortung, damit umzugehen, auf ihn ab.
Die Last des Betrügers geht auf den Betrogenen über. Die Weste wird nicht wieder weiß davon.
Meiner Ansicht nach bürdet man dem treuen Ehepartner etwas auf, was er nicht tragen kann.
Man stelle sich das vor:
Samstag Abend. Du, ich muss Dir was sagen, was Dir nicht gefallen wird. Aber ich muss das jetzt los werden. Ich hatte eine Affäre ...
Es wird nicht möglich sein, dass dem Ehepartner schonend und häppchenweise beizubringen. Der Rest des WE ist natürlich im Eimer und in den darauf folgenden Wochen geht es dann erst richtig los. Die Atmosphäre ist vergiftet, Eifersucht und Misstrauen und Unverständnis, Vorwürfe, Resignation regieren und tun ihr zerstörerisches Werk.
Nur weil einer gemeint hat, er müsse jetzt sein Gewissen erleichtern.
Vorher hat er sich in diese Lage begeben. Guten Gewissens und frohgemut, denn so werden Affären begonnen. Die Verantwortung für den Ehepartner und die Ehe als solche wird beiseite geschoben, denn jetzt ist endlich mal Glück angesagt.
Später dann kommen Gewissensbisse und der Gedanke, das hat mein Ehepartner nicht verdient. Die Verantwortung für die Tat schleicht sich heran. Und dann, wenn man eh unter der Trennung von der Affäre leidet, schiebt man diese, damit umzugehen, auf den Ehepartner ab.
Der Rucksack wandert vom Einen zum Anderen.
Ich weiß, dass die meisten "Apostel" diese Einstellung verdammen werden. Aber manchmal macht die Wahrheit nichts besser.
Wäre es da nicht besser, sich erst mal im Stillen von der Affäre zu verabschieden, die Trauer durchzustehen und stattdessen eine gute Tat tun. Nämlich die, sich ab jetzt wieder ganz dem Ehepartner zuwenden mit dem inneren Wunsch, ab jetzt wieder in die Beziehung zu investieren als in fremden Gärten Kirschen zu pflücken.
Worte verderben oft alles, Taten aber können vieles zum Positiven verändern.
Begonie