Zitat von Stella31: Er betrügt und sie soll sich jetzt auch noch Begehrenswerter machen?
Interessante Vorstellung!
Ich möchte das ein wenig erläutern:
Es kommt immer darauf an, was man letztlich erreichen will.
Wenn man es sich einfach machen (oder einfach Recht behalten) will, ist die Sache einfach: X hat betrogen, Y ist der/die Betrogene, also ist Y das Opfer, X der/die Täter*in, die Beziehung wird als zerrüttet erklärt, Y geht.
Das scheint mir die vorherrschende Denke hier im Forum zu sein.
Ich hingegen frage mich immer auch: Warum hat X betrogen? Das kann natürlich "aus heiterem Himmel" kommen (er/sie hat mir schöne Augen gemacht, wir waren beide etwas betrunken, da "ist es eben passiert") - aber häufig steckt doch etwas mehr dahinter: X fühlt sich in der Beziehung einsam, es fehlt etwas Wichtiges, das am Anfang da war, sonst wäre man erst gar nicht zusammen gekommen (Sex, Gesehen-zu-werden, was auch immer, nennen wir es hier einfach mal Z). Die Affäre liefert das, was fehlt. Folge: X fühlt sich zur Affäre hingezogen. Nachvollziehbar?
Nun kann man natürlich sagen: X, das Opfer schuldet X überhaupt nichts, vor allem nicht Z. Dann geht man halt auseinander, mit all dem emotionalen Fallout, der folgt, und entwickelt dann womöglich schlechte Gefühle dem anderen Geschlecht gegenüber. Und wiederholt natürlich denselben Fehler mit der nächsten Beziehung, weil man nichts Positives gelernt hat.
Oder Y könnte feststellen, dass Y auch einen gewissen Anteil an der Entwicklung hat, und denkt nach, wie man dazu kommen könnte, dass Z in der Beziehung wieder stimmt. Dann macht man sich schlau, wie man das erreichen kann, gibt sich Mühe und unternimmt einen ernsthaften Versuch, die Beziehung zu verbessern. Dieses Vorgehen bietet die Chance zu eigenem Wachstum und Einsicht, aber das ist nicht jedermanns Sache.
Wenn man sich einen Hund anschafft, und der gehorcht nicht: Dann kann man ihn entweder im Tierheim abgeben und es mit dem nächsten versuchen, oder man macht sich schlau über Hunde und passt sein eigenes Verhalten so an, dass der Hund sich hinfort so verhält, wie man will (vulgo: Man erzieht ihn). Welche Variante ist wohl die schlauere?