BadDecision
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Ich bin jetzt hier schon seit zwei Wochen stiller Leser und viele Geschichten haben mich sehr bewegt und viele Antworten auf Fragen haben mir geholfen.
Doch nun möchte ich selber meine Geschichte erzählen bzw. meine Situation in der ich mich aktuell befinde.
Der Text ist sehr lang geworden, aber ich wollte einmal richtig ausholen um alles genau zu erklären. Ich hoffe ihr brecht nicht nach der Hälfte ab. Ansonsten schreibe ich nochmal ne Kurzzusammenfassung.
Vorgeschichte:
Anfang 2017 wurde bei meiner Frau Leukämie diagnostiziert. Zu diesem Zeitpunkt war sie ca. im 5. Monat schwanger. Unseren Sohn haben wir dann in der 33 SSW per Kaiserschnitt geholt, damit wir bei meiner Frau mit der Therapie (Chemo und Stammzellentransplantation) beginnen konnten.
Bei unserem Sohn verlief alles super und er ist ein gesunder lebensfroher Junge.
Die ganze Zeit war für mich natürlich auch sehr schwierig. Ich war plötzlich allein erziehender Vater. War fast den ganzen Tag im KH bei meiner Frau und musste nebenbei noch meine Selbstständigkeit am Leben erhalten. Es waren sehr schlimme Zeiten. 2 Monate nach dem der Krebs besiegt schien, gab es ein Rezidiv und die Ärzte gaben meiner Frau noch 20-25% das Sie die nächsten 2 Jahre überlebt. Viele Ärzte meinten sogar, dass sie nicht einmal die zweite Transplantation schaffen würde, da es nach der ersten zu wenig Zeit für eine richtige Regeneration gab. Das alles erzähl ich nicht um Mitleid oder ähnliches zu bekommen, sondern nur um zu erklären wie meine Frau und ich mich zu dieser Zeit gefühlt haben. Mit ach und krach und ganz viel Power meiner Frau, schaffte sie die zweite Transplantation. Im Januar 2018 verließ sie das KH mit 48 Kg und durch die ganze Therapien sichtlich geschwächt. Im Jahre 2018 folgten mehrere längere KH Aufenthalte. Gründe waren Infektionen, eine Blutvergiftung, Vorsorge Chemotherapien usw.
Zusätzlich haben sich Tumore am Knie und Wirbelsäule gebildet die bestrahlt werden mussten. Im Januar 2019 kam sie mit einer schweren Lungeninfektion (diese war durch die ganze Chemo eh schon angegriffen und stellt bis heute ein großes Problem dar) ins KH und hat wieder nur ganz knapp auf der Intensivstation die Kurve bekommen.
In diesen zwei Jahren ging es mir nicht gut. Jeden Tag die Angst das meine Frau verstirbt. Alleine mit dem Kind. Die Angst alleinerziehend dazustehen. Jeder Tag war durchstrukturiert. Um das Kind kümmern, ab ins Krankenhaus und wieder nach hause. Kind ins Bett und dann noch sachen für meine Frau erledigt. Ein paar Tage wo ich dann immer noch arbeiten war, hab ich unseren Sohn bei Familie oder Freunde abgegeben. Er war dadurch früh dran gewöhnt bei anderen Mensch zu sein und zu übernachten. Kein optimaler Start, das ist uns bewusst gewesen.
Zu dieser Zeit habe ich dann auch regelmäßig abends B. getrunken um irgendwie die Sorgen und Ängste in Griff zu bekommen. Ich bin körperlich total runtergekommen gewesen. Komplett kein Sport mehr gemacht und nur noch als Papa und Ehemann/Pfleger versucht zu funktionieren. Ich war Depressiv und bekam teilweise Angstzustände.
Die ganzen 2 Jahre gab es natürlich keine körperlichen Sachen zwischen mir und meiner Frau. Daran war auch gar nicht zu denken. Das war eigentlich auch nicht wichtig. Aber natürlich hab ich es vermisst einfach mal in Arm genommen zu werden. Zu kuscheln und zu küssen. Und klar S. wäre auch toll gewesen, aber darum ging es gar nicht primär. Ich habe immer nur versucht für meine Frau das Beste zu geben und habe meine Bedürfnisse hinten angestellt.
März 2019 Affärenbeginn.
Meiner Frau ging es soweit besser. Der Krebs war nicht mehr nachweisbar und die Kurve ging leicht nach oben. Jedoch hatte sie (vollkommen verständlich) selbst mit Depressionen und der seelischen Verarbeitung zu kämpfen. Sie musste sich auf sich konzentrieren. Sie wurde zunehmend aggressiver und ihr Umgang mit mir wurde forscher. Ich wusste, das sie so nicht ist. Sie war zwar noch nie auf den Mund gefallen, aber so bösartig kannte ich sie nicht. Ich wurde angegriffen wenn ich zu viel arbeiten war oder doch mal wieder zum Sport wollte. Ich war Tag und Nacht für sie da und versuchte sie zu unterstützen wo es nur ging. Dennoch fand sie Fehler und schimpfte was das zeug hielt Ich blieb ruhig. Ich wusste sie muss wieder richtig gesund werden. Wusste das sie nur selber unzufrieden ist.
Genau in dieser seelischen Situation, hatte ich eine Frau in einem Club kennen gelernt. Ich war das erste mal seit der Krankheit wieder richtig weg. Der Abend war so toll. Für einen Moment frei. Alle Sorgen und Ängste der letzen beiden Jahre vergessen. Wir tanzten zusammen. Redeten und tranken viel. Küssten uns und tauschten Nummern aus.
Wir hatten die Woche darauf 2 Dates. Landeten auch bei Ihr und hatten S. Sie wusste nichts von Frau und Kind. Dachte ich sei Single. Ich war unfassbar egoistisch. Dachte nur an mich. Ich will das alles nicht rechtfertigen, aber die Zeit mit ihr was so schön. Befreit lachen und reden. Zärtlichkeiten austauschen. Nach den zwei Jahren nur Krankheit, Angst und Druck. endlich frei sein. Das ich da eine ahnungslose Frau mit reinzog war beschämend. Und weil ich so ein Feigling bin beichtete ich Ihr alles ein paar Tage später auch nur per Whats App. Hatte nicht den Mut ihr dabei in die Augen zu gucken. Sie hörte sich meine ganze Geschichte an. Alle Fakten. Alle Details. Nach zwei Tagen intensiven erklären und schreiben durfte ich nochmal zu ihr kommen. Wir redeten viel und schließlich küssten wir uns und kuschelten auf der Couch. Kein S. an dem Tag.
Ich sagte, dass ich jede Sekunde mit ihr genießen würde und ich ja auch nicht weiß wohin das alles führen würde. Auch sagte ich aber, dass ich meine Frau in der Phase in der sie sich befindet nicht verlassen würde. Sie war zu krank und zu schwach. Und das ich meine Frau lieben würde.
Sie ließ sich dennoch auf alles ein.
Situation jetzt:
Jetzt ist ein ganzes Jahr vergangen. Meiner Frau geht es wieder besser. Die Krankheit kam nicht wieder und der Rehasport funktioniert gut. Vor einem halben Jahr habe ich ihr gesagt, dass ich so wie sie sich benimmt und mit mir umgeht, nicht mehr weiter machen will. Sie hat sich gebessert. Ist wieder die alte, wie vor der Krankheit. Wir funktionieren gut als Paar und als Familie. Ich liebe sie immer noch und kann mir eigentlich nicht vorstellen sie zu verlieren.
Meine Affäre habe ich auch lieben gelernt. Ich würde ehrlich behaupten, ich liebe zwei Frauen und ich möchte keine verlieren. Körperlich lief zwischen mir und meiner Frau immer noch nichts. Durch die ganze Chemo ist sie unfruchbar geworden und steckt in der Menopause. Ihre Libido ist nicht vorhanden. Im Endeffekt führe ich aktuell zwei Beziehungen, da diese Sache mit meiner Affäre nicht nur auf dem körperlichen Aspekt lag.
Sie möchte diese Affärenrolle jetzt aber nicht mehr haben (so was von verständlich)
Letzte Woche hatte sie gesagt das sie nicht mehr kann und das es vorbei ist. Ich habe den ganzen Tag nur geweint und mir hat es in der Brust alles zerrissen. Ich würde aber behaupten, das selbe würde eintreten wenn ich meine Frau gehen lassen würde.
Sie gibt mir bis Mitte April Zeit mich zu entscheiden. Wenn ich mich bis dahin nicht entschieden habe, entscheidet sie sich und geht.
Entscheidung:
Seit Tagen hinterfrage ich mich nun. Hab jetzt auch um eine Woche Kontaktpause mit meiner Affäre gebeten. Um ein wenig klarer Denken zu können.
Mit meiner Frau läuft alles wieder. Wir verstehen uns super. Wir lachen zusammen und sind an sich ein gutes Paar. Ab und zu hat sie mal ne Phase wo n wenig mehr gemeckert wird, aber das ist doch klar nach 11 Jahren Beziehung. Themen sind meine Arbeit und das ich wenig Zeit für die Familie habe. Gesundheitlich gibt es ab und zu mal schlechte Tage, aber grundsätzlich gehts ihr gut. Dennoch benötigt sie ab und zu noch meine Unterstützung im Alltag.
Zur Zeit fühle ich mich zu meiner Affäre mehr hingezogen. Aber ich habe Angst das es nur die rosarote frische Verliebtheit ist. Und ich mich davon blenden lasse. Dieses leidenschaftliche Küssen und diese Blicke.
Ich fühle mich zu meiner Frau auch körperlich gar nicht mehr hingezogen. Ich liebe sie und ich möchte bei Ihr sein. Ich will sie in Arm nehmen und einen Kuss geben. Aber S. kann ich mir aktuell nicht mehr mit Ihr vorstellen. Ich weiß nicht woran es liegt. Ob ich vlt. zu viel gesehen habe im KH. Wie sie aussah nach dem ganzen Cortison? Als die Nieren und Leber ausstiegen? Ich weiß es halt nicht.
Also eigentlich gibt es eine Grundsatzentscheidung.
Eine intakte Familie mit meiner besten Freundin als Frau, aber 0 Leidenschaft und S.
vs.
Eine neue Frau, die charakterlich auch super zu mit passt, mit Leidenschaft und S. (wenn auch das nach den Jahren abnehmen wird. Das ist ja klar)
Ich habe auch Angst das wenn ich mich Scheiden lassen würde, meine Frau dann körperlich wieder schlechter wird und krank. So ein seelischer Schock kann einen Patienten ja sehr aus der Bahn werfen.
Auch habe ich Angst das ich sie im Stich lasse, mit der ganzen Situation und ich auch hintenrum merke das ich eine so tolle Frau verlassen habe.
Auf der anderen Seite hab ich Angst die Chance auf ein neues Leben zu vergeigen und eine andere tolle Frau gehen zu lassen.
Ob man da jemals rausfindet was richtig gewesen wäre, bezweifel ich ja.
Alter der Beteiligten:
Frau (31)
Affäre (30)
Kind (3)
Ich (33)
Auf konstruktive Antworten würde ich mich sehr freuen.