E-Claire
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Weil im Forum anzukommen, ja zumeist ein trauriger Moment ist, spreche ich Dir mein Mitgefühl aus. Keine schöne Sache, was Du erlebt hast.
Deine Beschreibungen sind gut und auch sehr lesbar. Allerdings bin auch ich über zwei Dinge gestolpert.
Da ist zum einen die schon erwähnte Außendarstellung.
Zitat von BerndOtto:Schon damals, beim Entdecken der ersten Affäre war meine Strategie: Du gehst, wenn Du meinst dies tun zu müssen, ich entferne Dich nicht. Denn Du sollst der Welt nicht erzählen können, ich habe Dich vor die Tür gesetzt.
Natürlich ist das ein recht smarter Move. Aber sowohl Wortwahl (entferne) als auch Motivation, ich nehme dir die Opferkarte weg, finde ich irgendwie seltsam.
Zitat von BerndOtto:bin 1-2 Tage in der Woche nicht daheim, arbeite den Rest im Home-Office, kümmere mich zu etwa 80-90% um den Haushalt: Wäsche waschen, Kochen, Spülmaschine befüllen, Staubsaugen.
Zitat von BerndOtto:Meine Frau hatte im Monat locker ein "Taschengeld" von 500 Euro oder mehr übrig. Die richtig heftigen Kosten (Auto, Wohnung, Urlaube) waren von mir immer grosszügigst finanziert.
Zitat von BerndOtto:Ja, ich bin ganz vordergündig der brave Trottel gewesen, der immer noch gesagt hat, ich verzeihe Dir, will weitermachen etc. Natürlich hat das ganz viel damit zu tun, dass ich 1) meine Frau liebe und sie geheiratet habe und ihr versprochen habe, auch in schlechten Zeiten da zu sein 2) dass ich nicht meine zwei wunderbaren Jungs zu Scheidungswaisen machen will. Aber ich habe durchaus auch eine Strategie:
Klingt alles sehr nach, ich habe mich doch aber richtig verhalten. Natürlich habe ich auch ein oder zwei Fehler, ABER Du bist schuld.
Versteh mich richtig, neben Job, Kindern und Ehe noch zwei Männer irgendwie zu managen, scheint mir zwar durchaus logistisch ne Leistung, ist aber jedenfalls verletzend und wirklich tragisch. Und ja, Deine Frau hat diesen mehr als unschönen Weg aus eurer Ehe gewählt. Nur, wenn es dir tatsächlich um das Verstehen der Gründe geht, wird dich deine Argumentation nicht weiter bringen.
Und die Abwertung Deiner Frau und vor allem der Typen
Zitat von BerndOtto:"Sie haben Dich ausgenutzt, denn sie haben nichts riskiert, Du aber alles, Deinen Mann, die Kinder, die Wohnung und den ganzen materiellen Wohlstand. Keiner wollte wirklich was von Dir, sie haben Dich nach ein paar Mal Kaffetrinken und Beischlaf einfach fallen lassen. Im Endeffekt hat sich eben gerade Nummer zwei dreimal den Gang in den Pu. gespart."
ist wirklich nachvollziehbar, aber auch die bringt dich nicht ein bißchen weiter im Verstehen.
Also Ding Nummer 1: Da sind unendlich viele Abwertungen in Deinen Erzählungen, die natürlich nachvollziehbar, aber überhaupt nicht hilfreich sind. Das Problem ist nämlich, daß sie dich emotional direkt zu einer von zwei Schubladen führen werden, entweder bist du das totale Opfer oder Du hast eine wirklich, wirklich gnadenlos dämliche Frau ausgesucht. Beides scheint mir wenig mit Deinem Selbstbild vereinbar.
Ding 2:
Zitat von BerndOtto:Als ich Verdacht über Nummer zwei geschöpft hatte, installierte ich in unserer Wohnung eine Wanze.
Ähm, wie bitte? An der Stelle verlassen wir die Sozialadäquanz. Auch hier wieder ist das natürlich ein smarter Move im Sinne der Beweissicherung und weil sie Dir vielleicht nicht die Wahrheit erzählt hätte und, und, und.
Es ist nur so, Dein Narrativ vom guten, alles für die Frau tuende, manchmal natürlich auch fehlbarem Mann, wird an dieser Stelle schon auch unglaubwürdig.
Es gibt eine feine aber spürbare Grenze zwischen einem Mann, der sich nicht von seiner Frau für dumm verkaufen lässt und einem Mann, der durchaus auch recht manipulative Züge aufweist.
Es geht mir keineswegs um Verurteilung, eine Wanze macht ja noch keinen Sommer, ich versuche ein bißchen zu hinterfragen.
Ich habe großes Mitgefühl mit Euch vieren und ich finde Eure Geschichte sehr, sehr traurig.
Es ist aber auch so, daß Deine Strategie, wie du sie genannt hast, vor allem darauf abzielt, Deine Frau dazu zu zwingen, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Intellektuell sicher sehr clever gemacht. Emotional gesehen ist Zwang halt immer auch so ein bissl ein Armutszeugnis.
Und moralisch gesehen, scheint mir, daß eine Frau, die vermeintlich es
Zitat von BerndOtto:u.U. darauf angelegt hatte, dass ich die Ehe entnervt beende: Kein S., Stress daheim, ja sie hat sogar mehrmals versucht andere Frauen auf mich hinzuweisen, oder mich auf andere Frauen. Wäre das geglückt und wären ihre Affären unentdeckt geblieben, hätte ich den schwarzen Peter gehabt.
nicht besser oder schlechter agiert als ein Mann, der es für nötig befindet, ne Wanze im Wohnzimmer anzubringen.
Soll heißen, echte, aufrichtige Kommunikation so von Erwachsenem zu Erwachsenem hat es irgendwann scheinbar nicht mehr gegeben. Hast Du ne Ahnung, wann das anfing und warum?
