Zitat von Emma75:ch hatte gestern ein sehr gutes Gespräch zu diesem Thema mit einem Freund. Ihm geht es einerseits auf den Keks, dass er als langjähriger 'Single' (also ohne feste Partnerin) auf Hochzeiten usw. gefragt wird, warum er keine Partnerin hat. Manchmal beneidet er auch seine Freunde mit Familie und Kind, aber für sich kann er sich das einfach nicht mehr vorstellen und kommt mit seinem Leben gut klar. Er sieht aber auch, dass da den Frauen gesellschaftlich mehr Druck gemacht wird. Ich merke das, wenn ich mich mit meiner Mutter unterhalte, von einer Single Freundin über 40 erzähle und sie Dinge sagt wie 'ist die so unattraktiv?' oder 'der Zug ist dann ja wohl abgefahren'.
Sehr spannend und ist meinen Erfahrungen sehr ähnlich.
Zunächst, ich kann Deinen Freund gut verstehen, ich für mich schließe nicht aus, daß es Kinder in meinem Leben gibt bzw geben wird, ob diese biologisch meine sein werden, ist fraglich und nicht besonders wahrscheinlich. Die Idee mit Mitte 60, wenn alles gut läuft, (m)einem Kind das Studium finanzieren zu dürfen und eventuell auch die Therapie, weil ich nicht so die Mutter war, wie es das Kind gebraucht hätte, finde ich irgendwie nicht so wahnsinnig anziehend.
Wichtig ist aber auch anzuerkennen, daß das Bedürfnis sich fortzupflanzen immer ein absolut individuelles ist.
Diese Abwertungen, die Du dargestellt hast, kenn ich zur Genüge. Frau hat keinen Partner oder "er" "geht" (na Dankeschön), weil sie nicht hübsch genug ist (häufig ersetzt durch dünn genug). Blah.
Ist die Frau gut aussehend und es liegt offensichtlich nicht am Aussehen, ist sie zu anspruchsvoll, zu schwierig oder zu leicht zu haben, zu materialistisch, zu groß, zu klein, zu erfolgreich, nicht erfolgreich genug und diese Liste lässt sich bedingungslos fortsetzen, mit einem einzigen Problem all das ist nicht der Punkt.
Ob man jemanden trifft, der zu einem passt, zur richtigen Zeit, der genau das gleiche fühlt und diese Beziehung dann ein Leben lang hält, ist von so unglaublich vielen verschiedenen Faktoren abhängig, welche wir alle zu einem ganz großen Anteil nicht selbst in der Hand haben.
Was wir in der Hand haben, ist, wie wir mit Dingen, die uns passieren, Umgang finden. Definiert mich eine Scheidung, ein Verlassen werden, eine Trennung für den Rest meines Lebens? Lasse ich einen unerfüllten Kinderwunsch oder eben Partnerwunsch so übermächtig werden, daß daneben nichts fröhliches, schönes entstehen kann?
Der Wunsch nach einem Partner (genauso wie der Kinderwunsch) sind natürlich mittlerweile kommerzialisiert. Und ja, da lässt sich der Punkt der Gesellschaftskritik bzw Kapitalismuskritik natürlich eröffnen.
So berechtigt wie dieser sein mag, es ist aber ach so viel leichter zu glauben, daß, wenn man nur hübscher, smarter, weniger hübsch, weniger smart, leiser, lauter etc wäre, schwups der ideale Partner um die Ecke kommt und man sich halt nicht mehr ganz allein mit den eigenen Ängsten, Zweifeln und Zukunftsperspektiven auseinandersetzen muß. Wer das anprangern möchte, der tut dies zumeist als genau solcher Kapitalist, denn was eigentlich gesagt wird, ist, ich habe alle Regeln befolgt und trotzdem bekomme ich keinen Partner (obwohl ich diesen (inzwischen) "verdiene").

Die meisten von uns, abgesehen vom Bärchen vielleicht, sind ja keine 5 mehr, daher wissen wir inzwischen auch, daß uns Partnerschaft oder Elternschaft nicht davor bewahrt, diese Auseinandersetzung mit uns selbst zu führen. Es uns nicht davor bewahrt, unser Leben selbst und immer wieder neu zu gestalten. Und daß die B-Note des Lebens, nicht für Moral-und Anstandspredigten über, was andere mit uns gemacht haben, vergeben wird, sondern für die paar Momente im Leben, in denen man tatsächlich an der eigenen Integrität festhält, egal wie verführerisch die tatsächlich Situation ist.
Aber das kann es ja nicht sein, nicht wahr? Wenn ich glaube, daß ohne einen Partner kein glückliches Leben möglich ist, dann kann es einfach nicht sein, daß so viel einfach dem Zufall, Kismet, Gottes/Allahs/Jawes Weg überlassen wird.
Deshalb spielen wir die
Olympiade des Lebensentwurfs, die so-genannten Singles treten an im Kreditkartenweitwurf (dating kostet Zeit, Geld und Nerven), die traditionelle Kleinfamilie im 60m-Hürden-wirfolgendemnatürlichenInstinkt-Sprint, die nicht heteronormen Lebensmodelle mit Kind präsentieren einen Drahtseilakt zwischen urbaner völlig akzeptierter Kinderbuchidylle (Lara hat zwei Mütter/Väter) und dem, was so in Wurzen, Bautzen oder sonst wo in einer beliebigen Bonjour Tristesse passieren würde.
Daneben haben wir Einwandererfamilien, manche begeistert, andere vielleicht weniger, die im Rahmen der rhythmischen Sportgymnastik, den Spagat zwischen den Kulturen zu meistern suchen. In der Kategorie Zweikampf finden wir alleinerziehende Mütter, die den Unterhaltsvorschuß des JA brauchen, um zu überleben, weil der Herr Erzeuger aus welchen Gründen auch immer, sich da rauszieht, und neue Väter, die völlig zu Recht eine Modernisierung des Familienrechts wünschen.
Die Olympiade nimmt halt kein Ende und es gibt so viele, die teilnehmen.
Das Ding ist nur: es sollte keine Olympiade sein, es sollte ein Woodstock sein. Don't hate, celebrate.
Und weil das ohnehin schon eine Textwall ist, kommt es auf ein paar mehr Absätze nicht an, altbekanntes Problem ich kann mich nicht kurz fassen.
Hier ist meine Wahrheit: Sorry, aber niemand hat mir je gesagt, daß Männer oder Kinder nicht passieren. Es war immer gegeben. Meine Aufgabe war, eine ordentliche Ausbildung zu absolvieren, mir nen Job zu suchen und so zu tun, als wäre ich schlank.
Und weil ich zu einer Zeit groß wurde, die recht anders war, für einen Wimpernschlag in der Geschichte, habe ich mich daran gehalten. Männer und Kinder passieren, bis sie das nicht tun.
Dann ist man halt ne Runde empört, danach beschwert man sich, dann sucht man seinen Weg zu ändern. Danach rennt man gegen Mauern (hallo Bärchen), mir ist eines Tages klar geworden, daß ich etwas anderes will. Etwas, von dem selbst ich nicht sagen kann, wie es ausschaut.
Und eines Tages empört man sich konstruktiv oder destruktiv. Konstruktiv ist ist, furchtbar viel zu konsumieren, sich aufzuregen und dann Dach zu checken, daß so glücklich auch nicht ausschaut. Und wenn das konstruktiv ist, wie schaut dann destruktiv aus?
Erst nett sein und dann alle in Geiselhaft zu halten, weil nichts, von dem ich will, obwohl ich nicht mal definieren kann, was ich tatsächlich will, passiert.
Ich habe das größte Verständnis für alle, die nach 5 Wochen/Monaten/Jahren, einen Moment brauchen und ich kann super gut verstehen, daß es nach 5 Jahren, 15 Jahren oder 30 so viel gibt, was man nicht für möglich hält.
Mich haben diese beiden Zitate zum Nachdenken gebracht:
Zitat von Baerchenuwe:Das trifft es eher. Single sein heißt nix Bettgeschichten und niemand ist da sonst wie vorhanden. Jemand, der wie Du mit Freunden ins Bett geht, pflegt ja eigentlich auch eher eine Freundschaft plus
Zitat von Baerchenuwe:Allein sein: Keine Familie, keine Kinder, keine Bettgefährten, keine F-plus, kein gar nichts
Ich denke, wen geht es bitte etwas an, an welcher Stelle, bedeutet das, daß ich nicht single bin nur weil ich Beischlaf nicht zum Thema mache.
Aber auch und viel wichtiger: an welcher Stelle wird Single eigentlich neben der Olympiade mit Einsamkeit gleich gesetzt.
Ich finde ja Sport echt nicht super und trotzdem bin ich nicht fett, aber ähm "allein sein und bleiben"?
Ich habe für mich festgestellt, daß ich ein so viel netterer Mensch, wirklich liebevoll zu einer Handvoll Leute sein kann, ich also alles nur nicht allein bin und diese Bürde nicht einem (!) anlaste, sondern diese mal mehr mal weniger gerecht aufteile auf 5-7 Leute, als ich wäre, wenn ich von einem alles erwarte.
Ich habe auch gesehen, daß die Beziehungen, die ich bewundere genau das gleiche machen. So weit bin ich (noch) nicht.
Ich finde, daß ich für einen alles bin, creepy aber fast noch romantisch; wenn dieser das für mich ist, werde ich recht schräg. Und nicht mal ich mag mich, wenn ich schräg bin. Das mag ich jetzt echt nicht von anderen erwarten.
Im Grunde ist es doch so einfach: wir haben Vorstellungen, ich wollte immer Zuckerwatte frühstücken (oh wei), die treffen irgendwann hin und wieder imma zu (ui, na geh) und dann müssen wir uns entscheiden, ob wir die Menschen ein wollen, die wir gern wären, oder akzeptieren, wer wir sind. Und nochmal es ist immer eine Mischung aus beidem.
Mein Leben ist genauso gut, schlecht, nervig, anstrengend und wunderschön, wie daß meiner Freundin, die gerade zum zweiten mal schwanger werden möchte, in einer Beziehung, die sie führt sie, seit dem sie 21 ist.
Wenn ich in meiner damaligen Beziehung geblieben wäre, gäbe es weeder meinen Job, noch meine Stadt noch so viel, es gäbe Stühle statt Sessel, es gäbe Schränke statt Kasten und es gäbe kein "es geht sich schon aus".
#Umgang
Seien wir einmal, das fordert ja "Bärchen" so sehr, ehrlich, vor 30-40 Jahren hätte es eine Frau, wie es bin, nur in die Ehe geschafft und nicht mal gut.
Seien wir weiter ehrlich und wenn mir Bärchen, irgendetwas über, wie schwer das Leben ist, erzählen mag, denke ich nur, ja, muß weh tun, Privilegien zu verlieren, von denen man nicht gewußt hat, dass man sie besaß. Verstehe ich.
Das Ding ist nur, an welcher Stelle ist das mein Problem: ich zahle Steuern, wie ein Mann; ich engagiere mir wie ein Mann, ich hab ein Netzwerk wie eine Frau und passe dieses auf, wie eine Frau.
Ich gebe "Bärchen" in einem Recht, ja, die Dinge haben sich geändert, das scheint etwas, was ihn ur agitiert und niemand sieht dass niemand sagt: hey @Uwe ja die Welt ist völlig anders.
Meine Meinung dazu: wie großartig!
Ich glaube an folgenden Dreisatz:
niemand bewahrt dich davor, herauszufinden, wie dein Leben ausschauen soll
Sh*t fu**ing happens and then some
und schließlich man/frau kann sich natürlich für den "zweiten Preis in einer Schönheitwahl" entscheiden, oder man hat alle Bahnhöfe oder die roten Straßen oder die orangenen eine hieß Wiener Straße, es war 1989 und im Hintergrund spielte Kreisler.
Monopoly und so, drauf standen 10 Jahre Bautzen in der DDR.
Allein sein und bleiben
Hör auf das, was Dich wirklich bewegt, gib nie irgendetwas auf andere Leute Textwalls

and find einfach heraus, was Du willst, Dich glücklich macht, Dich nachhaltig erfüllt. Sei in Beziehungen (Plural) und danach darfst Du jedes Hindernis aufstellen, wie der Typ sein sollte.
Und ach Jungs, ihr seid ein bissl hinterher, take note.