Zitat von bravecat: Freu dich bloß nicht zu früh, das Leben ist unberechenbar.
Liebe bravecat, dieses tief sitzende Misstrauen gegenüber den Geschenken des Lebens kenne ich auch. Schon arg, wie man sich selbst sabotieren kann.
Auch dieser Zweckpessimismus hängt wahrscheinlich mit dem Themenkomplex von Ängsten zusammen.
Es kann helfen, Menschen zu beobachten, die wenig von Ängsten geprägt oder gesteuert sind, und deren Verhaltensweisen für sich zu überprüfen hinsichtlich der vermutlich dahinterstehenden inneren Haltung und Wahrnehmung der Welt. Ich konnte mir da bei nahestehenden Menschen durchaus schon mal das eine oder andere abgucken.
Zitat von bravecat: nach und nach erkenne ich, das es viel tiefer verankert ist und mir anerzogen bzw. mitgegeben wurde und vielleicht gar nicht unbedingt was mit mir selbst zu tun hat.
Auch das kenne ich nur zu gut. Hier lohnt es sich einen Blick auf die Familiengeschichte zu werfen, sofern nachvollziehbar. Manchmal entdeckt man dass man ein gewaltiges emotionales Erbe mit sich herumträgt. Und dass so manche Probleme, die man hat, nicht unbedingt die ureigenen sind, sondern einem tatsächlich in die Wiege gelegt wurden. Auch das kann helfen, sich davon ein wenig zu emanzipieren.
Zitat von Berlinerin91: das Björk-Poster

Wer hätte das gedacht. Ich hatte damals dieses eine Album von ihr, du bist ja ein richtiger Fan! Wie schön, dass das Zitat so passte.
Zitat von Berlinerin91: Gleichzeitig ist es für mich auch enorm hilfreich zu sehen, welche "großartigen" Teile in mir schwelen, also wie ich selbst aus Unsicherheit dazu neige, Menschen zu entwerten oder mich selbst für überlegen zu halten.
Ja, das dient dann wohl der Abwehr des eigenen Minderwertigkeitsempfindens? Ist das so zu verstehen?
Zitat von Berlinerin91: Vor allem in einer Welt, in der man quasi nur als Mutter als "vollwertige Frau" gilt.
Danke, dass du das sagst, denn diese Wahrnehmung wurde mir immer abgesprochen. Vielleicht sehen "alle anderen" das ja auch gar nicht so, aber ich selbst fühlte mich definitiv nicht vollwertig als Frau, denn ich war nicht in der Lage, meinen simpelsten biologischen Zweck zu erfüllen. Heute habe ich meinen Frieden damit, ein evolutionärer Rohrkrepierer zu sein, wer weiß wofür es gut ist und wovor ich mein Niegeborenes bewahre, wenn ich mir das Weltgeschehen so ansehe.
Zitat von Berlinerin91: Meine Mutter sagte mir auch mal, dass ich über einen Plan B nachdenken sollte - Momentan kann ich das aber nicht so recht zulassen, weil dann offenbar doch noch etwas Hoffnung da ist, dass es doch noch was werden könnte.
Aber liebe Berlinerin91, da bin ich im Team deiner Mutter

Ein Plan B ist aus meiner Sicht nicht dafür da, dass man ihn entwickelt, wenn man keine Hoffnung mehr hat. Er hat nichts damit zu tun, Plan A nicht mit aller Kraft weiter zu verfolgen! Plan B in der Tasche zu haben, kann aber sehr unterstützend dabei sein, Plan A anzugehen, weil es einem Stress und Ängste lindern kann zu wissen, dass man nicht ganz im Regen steht wenn Plan A doch nicht aufgehen sollte.
Mir hat es immer ein wenig gefühlte Kontrolle zurückgegeben (! gefühlte, nicht echter. Plan B kann schließlich genauso schiefgehen), zu wissen dass ich im Notfall noch andere Möglichkeiten habe.
Zitat von Dalisay: Du könntest dir zum Beispiel via Samenspender zumindest den Kinderwunsch erfüllen.
Es gibt da diverse Portale.
Das ist natürlich nicht so einfach wie es klingt, aber durchaus ein gangbarer Weg. Man kann sich auch mal im erweiterten Freundes- und Bekanntenkreis umhören, manchmal tun sich erstaunliche Möglichkeiten auf, auf die man nie gekommen wäre. Ganz und gar alleinerziehend zu sein, mit einem Vater ohne Rechte und Pflichten, ist aber dennoch eine ziemliche Herausforderung und so ein Plan sollte zumindest gut abgestimmt sein mit der eigenen Kernfamilie, sprich den Menschen, die einem später unterstützend zur Seite stehen können/sollen, als Großeltern oder andere Verwandte des erwünschten Kindes.
Zitat von Tatiana: Ich kann mir das gut aushaltbar machen und mich sogar echt alleine wohl fühlen, aber im Grunde bin ich immer am glücklichsten, wenn ich gerade mit Freunden/Partnern/Menschen irgendwas gemacht habe, mich verbunden mit anderen fühle etc
Danke für diesen tollen Beitrag. Ich finde auch, dass es normal und gesund ist, sich eine Beziehung zu wünschen, oder sich mit Beziehung grundsätzlich geerdeter und geborgener zu fühlen, als ohne. Womit ich natürlich nicht sagen will, dass das Singledasein nicht auch ganz großartig sein kann. Das Leben in der Gemeinschaft ist aber eines, das unserer Natur mehr entspricht. Muss ja nicht mal eine Partnerschaft sein ...
Zitat von Winterblume: Man muss für sich das richtige wählen und da tickt jeder einfach anders.
Wie Winterblume in ihrem Beitrag so schön beschreibt, ist der Beziehungswunsch ja auch immer eine Frage der aktuellen Lebensphase. In den Entwicklungsstufen und Lebensaltern unterscheiden sich die Bedürfnisse eines Menschen teilweise diametral. Je nachdem, was gerade ansteht (Austoben, Familiengründung, zweiter Frühling, MLC usw.) und aus welcher vorhergehenden Situation man kommt, schwankt ja die Bedeutung einer Beziehung im eigenen Leben. Will sagen, es gibt immer Hoffnung, und sei es nur die Hoffnung darauf, dass einem der Beziehungs- und/oder Familienwunsch eines Tages nicht mehr so sehr die Lebensfreude vergällt, weil er einfach in den Hintergrund rückt. Oder sich halt doch erfüllt, für die meisten wird das sicher so sein.