Obwohl ich auch betrogene Ehefrau war, schreibe ich jetzt aus einer ganz anderen Position.
Ich war jetzt in keiner solchen Affären-Situation, aber in einer vielleicht vergleichbaren. Ich verliebte mich in einen bindungsunwilligen/-ängstlichen Mann. Er legte von Beginn an die Karten auf den Tisch. Er hat seit Jahren keine Beziehung, nicht mal Kontakt zu einer Frau, gehabt und wollte das eigentlich so beibehalten, weil Beziehungen endlich sind und das mit Schmerzen verbunden ist, die er nicht mehr haben will.
Nun war ich verliebt, verstand das damals nicht so richtig und verbrachte viel Zeit mit ihm, da er mich spürbar gern mochte. Sagte er auch, merkte ich auch. Es war die selbe Dynamik, wie hier oft beschrieben, nur taten wir niemand Drittem weh. Die Verbundenheit war spürbar, viele lange Gespräche, viel Spaß usw.! Um Sächs ging es selten, er hielt sich sehr zurück, obwohl ich sehr "drängte" und ihm klar machte, dass ich mich - egal was passiert - darüber am wenigsten beschweren würde 😉 .
Das ganze hielt ich zwei Jahre durch, ging meistens durch die Hölle, manchmal flog ich im Himmel. Er stieß mich weg, ich ging, er kam hinterher. Ging ich auf ihn zu, rannte er in die andere Richtung. Es gab Tränen, Diskussionen, ich verstand die Welt nicht. Am Ende brach er den Kontakt vollständig ab. Es wurde ihm, glaub ich, too much. Ich trug ihm das nicht nach, er sagte mir immer was Sache ist. Ich halte mich für selbst verantwortlich. Wir sind heute oberflächlich befreundet, aber er ist nach wie vor wie ein wunder Punkt bei mir.
(Seine Meinung änderte er zwölf Jahre später, als sich wieder jemand in ihn verliebte, aktiv wurde und seine Bindungsangst durch seine Angst vor der Vereinsamung abgelöst wurde.)
Soviel zur Vorgeschichte.
Warum ich das mitgemacht habe? Weil ich Hoffnung hatte. Jeden Tag hoffte ich, dass ich ihm zeigen konnte und er endlich begriff, dass es mir ernst ist. Dass ich ihm niiiiiiiie weh tun würde, ihn aufrichtig liebte und mit uns das ganz anders ist als bei all den anderen Paaren. Ich strengte mich an, täglich. Ich wollte ihm beweisen, dass ich die bessere Wahl bin als einsam zu verenden. Ich war jemand völlig anderes und irgendwann ein Schatten meiner selbst. Für ein Fünkchen Hoffnung. Böse Zungen behaupten, dass er seine Bindungsangst auf mich übertragen hat, weil ich letztendlich so sehr gelitten hatte. Ich würde das nicht mal abstreiten. Der Kontaktabbruch seinerseits, ohne Erklärungen, war furchtbar. Aber auch das verstehe ich heute. Ich hätte nur versucht ihn vom Gegenteil zu überzeugen, vielleicht gebettelt. Es war das beste so, nur ich konnte es nicht. Allerdings wollte ich ihn heute auch nicht geschenkt haben.
Heute weiß ich, wie krank das war. Dass ich mir so viel vorgemacht hatte. Dass ich das vielleicht selbst nie hätte halten können (die ewige Romanze, unendliche Liebe, nie würde ich ihm weh tun und verlassen), was ich mir damals Disney-reif eingebildet habe. Er kocht nur mit Wasser, ich aber auch. Vielleicht hätte ich ihn sogar auf egoistische Weise vollends zerstört, weil ich ihn so unbedingt haben wollte, koste es was es wolle. Invest - Ertrag! Und dann? Hätte ich es auf Ewigkeiten durchgezogen? Wie gut kennt man jemand um sicher zu gehen, dass die Beziehung dauerhaft funktionieren wird? Alltag und so!
Und ich weiß, nimm' ernst was kommuniziert wird, achte auf die dazugehörigen Taten, kommuniziere selbst deutlich und ziehe Konsequenzen!