Neveragain27
Gast
Liebe K.,
seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit deinen Vorwürfen, die du mir entgegen geschleudert hast. Vor allem der Vorwurf der Eifersucht dir gegenüber hat mich beschäftigt.
Lange habe ich drüber nachdenken müssen. War ich, die von dir als verbitterte alte Schachtel betitelte, tatsächlich eifersüchtig auf dich, die junge, jedoch im Schatten lebende Neue?
Ich muss mein Leben der letzten Jahre an der Seite meines Ehemannes dafür Revue passieren lassen. Wie waren diese Jahre? Als eure Affäre das erste Mal aufflog vor fast 8 Jahren, wie habe ich mich da gefühlt? Verletzt, erstarrt, unfähig zu verstehen. Ja, das habe ich gefühlt. Eifersucht? Nein. Worauf denn? Dass deine Ehe scheiterte und du alleinerziehend mit zwei noch recht kleinen Kindern warst während meine Ehe weiter ging? Mein Mann und ich wollten unsere Ehe retten, wieder zueinander finden. Das haben wir getan. Es begann eine sehr intensive Zeit zu zweit. Wir waren augenscheinlich glücklich.
Mein Mann hat mich tatsächlich auf Händen getragen. Heute weiß ich, dass eure Affäre weiter ging. Aber zu dieser Zeit hätte ich das nie angenommen. Ich habe nicht erkannt, was mein Mann hinter meinem Rücken tat. Vielleicht wollte ich es nicht sehen. Das ist jetzt hier auch nicht relevant.
Während du also im Schatten weiter agiertest, hatte ich alles, wonach du dich so sehr sehntest. Ein Eheleben, gemeinsam einschlafen, gemeinsamer Alltag aber auch viele Wochenendtrips und tolle Urlaube.
Du hast dich vermutlich weiter und weiter an die Beteuerungen und Versprechungen meines Mannes gehangen, dass ihr bald ein offizielles Paar seid. Hast beschlossen Fakten zu schaffen und bist schwanger geworden. Aber selbst das hat nichts an deiner Situation geändert. Ich war weiterhin die Frau an seiner Seite. Und das nicht unglücklich. Dachte ich doch, wir sind auf dem richtigen Weg.
In deinen Augen war ich sehr schnell die Schuldige an deinem Schattendasein. Schließlich habe ich ihn einfach nicht gehen lassen. Sogar von Erpressung war die Rede. .nur so konnte ich ihn bei mir halten. Wie leicht man sich doch manipulieren lässt, nicht wahr?
Witzigerweise hat mein Mann nie auch nur angedeutet, dass er sich trennen wollte, zu keinem Zeitpunkt.
Tja, und dann kam Kind Nummer 2, jetzt, aber jetzt musste er sich doch endlich zu dir bekennen. .
Es kam alles ans Licht, weil mein Mann dem Druck nicht mehr standhalten konnte, die Angst, dass ich es von außen erfahren könnte war riesengroß. Wir kamen gerade aus einem sehr langen, wunderschönen Urlaub zurück.
Ich brach zusammen, als ich das ganze Ausmaß erkannte, den Verrat, die Respektlosigkeit. Aber immer noch keine Eifersucht.
Ich wurde krank. Meine Seele konnte das alles nicht fassen. Und habe Entscheidungen getroffen, Entscheidungen zu denen mein Mann jahrelang nicht fähig war.
Der Weg war frei. Die verbitterte alte Schachtel hat ihn frei gegeben. Und was macht der Ehemann (das ist er immer noch. )? Anstatt sich endlich seiner jungen Neuen zuzuwenden. Seiner kleinen Familie?
Er kämpft nach wie vor um eine Zukunft mit mir. Der verblassten Liebe.
Somit nach wie vor wenn überhaupt ein Leben im Schatten für dich. Auch wenn es dazu gar keinen Grund mehr gibt.
So what?.
Nein, ich bin tatsächlich zu keiner Zeit eifersüchtig gewesen. Never.
Und jetzt ist da nur noch Mitleid. Ich bin bei mir und zufrieden mit meinem Leben. Deins wollte ich zu keiner Zeit führen. Weder während der letzten Jahre noch jetzt.
Ich wünsche dir tatsächlich, dass du irgendwann einmal erkennst, dass wir beide Opfer in diesem Spiel waren. Und dass du diese Rolle ablegst und für dich und deine Kinder eine glückliche Zukunft findest.
S.