Zitat von Löwin45:Naja, einer Affäre etwas positives zu entnehmen ist super schwer.
Das darf man natürlich nicht einfach gedanklich durchspielen, sondern muss es zusagen leibhaftig erleben und dann sehen, wie es einem damit ergeht.
Bei einer Affäre ist es ja nicht anders als bei allen anderen Dingen, die einem so fürchterlich erscheinen: Gedanklich, in den Vorstellungen ist alles ganz katastrophal bis weltuntergängerisch, die Realität hingegen wird oft, ja sogar in der Regel dann ganz anders erlebt. Der Unterschied ist aber: Den meisten unangenehmen Dingen, die so geschehen können im Leben, kann man nicht entfliehen und muss sie sozusagen annehmen und durchleben und kann danach beurteilen, wie es wirklich war, zu welchen Veränderungen es geführt hat (oft, ich sage es nochmals, sind das durchaus positive, und sei es, weil man daran gereift ist). Im Fall einer Affäre jedoch kann man gleich alles kurzerhand beenden, macht das auch oft rigoros aus einem Emotionsgewitter heraus, und gibt damit SICH nicht Chance, daraus irgend etwas Positives mitzunehmen (sieht man nicht gerade noch misstrauischer und eifersüchtiger werden als etwas Positives).
Worauf es letztlich bei jedem Unglück ankommt, ist: Man kann konstruktiv oder destruktiv damit umgehen.
Zitat von Löwin45:Eine Affäre ist einfach nur schlimm, schwierig, falsch, dumm, respektlos, verletzend und einfach überflüssig.
Meinst Du nicht, dass gerade das mit der eigenen Persönlichkeit zu tun hat?
Ich kenne diese Zustände ja selber aus meiner Jugend. Da war ich auch so drauf. Nur - wenn man sich dann (und das kann ja nicht schaden) einmal eine Zet lang ernsthaft und ohne jede Vorurteile mit all diesem Menschlichen auseinandersetzt, sieht es deutlich anders aus. Und es sieht nicht nur anders aus, sondern, noch wichtiger, es fühlt sich auch anders an. Und man dreht eben nicht mehr durch im Affärenfall und findet alles einfach nur schlimm und widerlich.
Zitat von Leonhard:Da möchte ich aber doch eine Sichtweise ergänzen, da es so klingt also ob nur die Betrogenen unsouverän reagieren würden: Hier sind (auch ein paar aktuelle Threads) viele Berichte, in denen sich die Fremdgeher unsouverän verhalten.
Ja, das ist richtig. Auch Fremdgeher reagieren meist recht unsouverän. Wobei man aber auch unterscheiden wird müssen, ob es um einen einmaligen Seitensprung oder um eine Affäre geht. Ich würde niemandem empfehlen, einen einmaligen Seitensprung zu "beichten", weiß man, dass die Reaktion des Partners darauf eine verheerende sein wird. In dem Fall ist es unsinnig, darüber zu reden, und dient den meisten auch nur zur Erleichterung des Gewissens, wodurch sie dem anderen nur unnötiges Elend bereiten. Bei einer Affäre hingegen wäre es gut, ist man souverän genug dazu, beizeiten mit der Sprache herauszurücken. Nur wagen das eben viele gerade wiederum deshalb nicht, weil die Reaktion des Partners erwartungsgemäß eine "unsouveräne" sein wird.
Zitat von Leonhard:Ich kann die Verletzlichkeit der Betrogenen sehr gut nachvollziehen und finde sie gar nicht kurios.
Ich kann Verletzlichkeit auch nachvollziehen, meine aber dennoch, dass Verletzlichkeit, noch dazu eine übertriebene mit heftigen Aufwallungen, allgemein im Leben nicht gerade etwas Nützliches ist.
Wenn ich z. B. an frühere Zeiten denke, also jene Zeiten vor der allgemeinen Überverhätschelung: Auch da waren die Leute im Fall einer Affäre oder eines Seitensprungs verletzt. Nur gab es dann zwei Stunden Streit, drei Tage Schweigen und danach war alles wie zuvor.
Und außerdem: Wenn man den Betrogenen die ausufernden Emotionen zugesteht, dann wird man auch den Betrügern zugestehen müssen, dass sie ihren Emotionen (welcher Art auch immer) nachgegangen sind.
Man wird es nicht ernsthaft verleugnen können: In einer Partnerschaft werden im Normalfall die Gläser immer leerer, überhaupt jenes mit dem süßen roten Wein, und zumindest mich verwundert es daher absolut nicht, wenn dann aus einer anderen Flasche nachgeschenkt wird. Zwar ist es in vielen Fällen so, dass mit der Dauer der Beziehung und natürlich auch mit dem fortschreitenden Alter alles abstumpft und die Genügsamkeit eine immer größere wird. Aber das ist eben nicht bei allen so. Und was sollen die dann tun? Sich erst einmal scheiden lassen und sich dann auf die ungewisse Suche machen? Das mag ein Gebot der gängigen Moral sein, ist aber sicher keines der Vernunft. Noch dazu, wo ja auch Affären zumeist ganz ungeplant zustande kommen und eben passieren, wie das bei Verliebtheiten und Begehrlichkeiten immer so ist.