Zitat von somebodylikeme:Hallo, ich habe mehr als 4 Jahre darunter gelitten, dass ich tiefe Gefühle für einen Narzissten/Bindungsunfähigen hatte. Zuckerbrot und Peitsche. Habe zugelassen, dass er mich respektlos behandelt. Sehr viel geweint, mein Leben nicht in den Griff bekommen, letztendlich in der Tagesklinik gewesen und jetzt steht bald eine Reha bevor zur Stabiliersung. Eine leichte Deperession hatte ich schon seit der Jugend, durch die Sache mit dem Mann jedoch in eine shcwere depressive Episode gerutscht. Bin noch immer nicht ganz gesund, aber auf dem guten Weg.
Bei all dem ganzen Frage ich mich wofür das gut war? Ohne die Sache mit ihm hätte ich nie in die Tagesklinik mit Reha gemusst, ich wär Grunddepressiv wohl gewesen, aber keine schwere depressive Episode gehabt denke ich. Die tagesklinik hat mir sehr gut getan, ich komme gestärkt aus der Sache hervor und weiss, was ich ändern muss. Aber ich frage mich was mich das lehren soll? Ich bin von mir sehr enttäuscht, dass ich tatsächlich geglaubt habe, dass er Gefühle für mich gehabt hätte.Wie dumm ich sein konnte. Mir fehlte die Lebens- und Beziehungserfahrung, deshalb war ich blind, auf Wolke sieben auch wenn mein Bauchgefühl mich immer wieder gewarnt hat.
Danke fürs Helfen.
Liebe TE,
was mir noch aufgefallen ist, ist die Formulierung in deiner Überschrift:
"Auf Narzisst reingefallen"
Ich habe mich auch lange Zeit meines Lebens als Opfer gesehen. Als Opfer meiner Erziehung, als Opfer meiner Lebensumstände. Wahrscheinlich hätte ich das damals auch so formuliert, dass ich auf xy reingefallen bin.
Es gibt dir sehr viel Kraft und auch Freiheit, wenn du es im Prozess der Aufarbeitung schaffst, aus der Opferhaltung herauszukommen. Wenn du denkst, dass du ein Opfer bist und nichts für die Umstände, in die du geraten bist, kannst, dann wirst du auch in Zukunft Angst davor haben, dass dir Ähnliches passiert. Diese Angst wird dich zunehmend lähmen.
Ich habe viele Jahre gebraucht, bis ich verstanden habe, dass niemand anderes als ich selbst dafür Verantwortung trage, für das, was mir geschieht. Ich meine das nicht in dem Sinne, dass ich Schuld habe. Schuld ist ein so negativ behaftetes Wort, das trifft es gar nicht. Ich bin ja nicht schuldig, wenn mein Partner gemein oder cholerisch oder gewalttätig ist. Aber ich trage die Verantwortung dafür, wie ich damit umgehe. Das ist sehr wichtig. Es passieren uns ständig Dinge im Außen, die uns nicht gefallen, die wir gerne anders hätten. Wir können kaum etwas davon beeinflussen, auch Partner lassen sich selten umerziehen. Das einzige, was wir beeinflussen können, ist die Art, wie wir selbst darauf reagieren. Das ist der einzige und gleichzeitig der wichtigste Gestaltungsspielraum. Das ist unsere Verantwortung, der wir uns so oft entziehen. Wenn wir in der passiven Opferhaltung verharren, dann nehmen nicht wir die Dinge in die Hand, sondern die Dinge nehmen ihre eigene Form an, und das sind oft Formen, die uns nicht gefallen, die uns sogar schädigen können. Es entsteht eine Dynamik, der man nichts entgegenzusetzen hat, bald können wir nur noch gelähmt zuschauen, was mit uns geschieht.
Aber keine Angst, die wenigsten von uns haben alle diese Fähigkeiten mit der Muttermilch aufgesogen. Ganz im Gegenteil. Wir sind ganz häufig Kinder verletzter Eltern, die uns aufgrund ihrer eigenen Verletzungen dieses Rüstzeug nicht mitgeben konnten. Deshalb müssen wir uns das als Erwachsene bewusst machen und diese Fähigkeiten, die noch unausgereift sind, erlernen. Das machst du gerade, weil du erfahren musstest, welche Auswirkungen das haben kann. Vielleicht wirst du irgendwann auch so etwas wie Dankbarkeit spüren, denn ohne diese Beziehung, hättest du dich gar nicht auf den Weg in ein selbstbewusstes und selbstwirksames Leben gemacht... alles Liebe dir.