Zitat von Mariaa89:Ich würde für mich gerne eine Strategie haben wie ich aus dieser gedanklichen Dauerschleife, man könnte es auch grübeln nennen, rauskommen... Mein Mann ...
Liebe Mariaa89,
ich lese seit Tag 1 bei dir mit und möchte dir erstmal Respekt aussprechen. Du bist schon mit viel mehr Durchblick Standing unterwegs, als ich es damals war. Dahin zu kommen, wo du aktuell bist; die Fragen, die du stellst; die Antworten, die du gibst - dafür brauchte ich ein halbes Jahr.
Rückblickend und mit der Aufarbeitung sehe ich vieles, was mir zum Zeitpunkt des Schocks nicht mal im Traum als Möglichkeit zu akzeptieren oder verstehen möglich gewesen wäre.
Ich gehöre zu den wenigen, bei denen die Ehe 2.0 erfolgreich funktioniert. Wir hatten eine Therapeutin, die zu Beginn alle 2-3 Wochen - später dann alle 4-6 Wochen besucht haben. 2 Jahre lang und ich möchte keinen Termin missen.
Den ersten Druck, den sie mir genommen hat, war, dass ich nicht heute oder morgen eine Entscheidung treffen muss, die in Stein gemeißelt ist. Dass ich keine Verpflichtung eingehe, wenn ich meinem Mann zusichere, dass wir es noch einmal neu versuchen und ich mich jederzeit wieder umentscheiden kann.
Wir haben eine schlimme Zeit der Aufarbeitung hinter uns, da mein Gatte lieber Salamitaktik praktizierte, statt wie deiner auf den Punkt zu kommen. Auch mir wurde sie "vorgesetzt" und ich wurde ebenfalls an der Nase herumgeführt. Von beiden.
Heute weiß ich, dass das eher zum Schutz dienen sollte. Weil mein Mann mich nach all der Zeit ebenfalls gut genug kannte, dass ich bei etwas Offensichtlichem, bei gemeinsamen Treffen usw. gar nicht auf die Idee kommen würde, dass da was läuft. Und zudem, dass er es dadurch für sich relativierte. Weil es ihm tatsächlich nichts bedeutete, sondern eine Abwechslung in seinem damaligen Zustand war, den er dankend annahm.
Man nennt das partielle Schizophrenie. Er denkt in dem Moment nicht, dass er DICH verletzt, weil er dich gar nicht sieht. Klingt traurig, ist aber die Erklärung, warum ihm nie in den Sinn käme, die Beziehung zu dir in Frage zu stellen oder dich zu ersetzen.
Ich erkenne viele Parallelen zwischen deinem und meinem Mann bei der Denk- und Herangehensweise. Eher nicht-mitdenk-weise
Was ich lange nicht glauben konnte, aber (auch dank der Therapeutin) jetzt sicher weiß und spürbar erlebe:
wenn dein Mann sagt, dass es für ihn nicht die romantische, emotionale Bedeutung hatte, die wir betrogenen Frauen denken, dann stimmt das. Hat lange gedauert, aber inzwischen weiß ich, dass DAS die Wahrheit ist (wenn auch viel gelogen wurde).
Die meiste Energie wird von dir kommen müssen. Das ist dir aber schon jetzt klar. ER kann dich nur unterstützen während deinem Prozess und sich vertrauensvoll verhalten.
Wenn du mehr wissen willst oder konkrete Fragen hast, schreibe ich dir gerne.
In zwei Sätzen kann man das, was in der Beziehung und emotional zum Besseren geführt hat, leider nicht ausdrücken.
Ich wünsche dir von Herzen, dass du durch die schwere Zeit kommst, das Gedankenkarussell bald ruhiger dreht und du (wie ich) einen "neuen" alten Mann an deiner Seite hast, der er ohne dieses Drama nie geworden wäre.
Für mich / uns war, nachdem ich mit dem Betrug umgehen lernte, das die größte Chance unserer Beziehung.