Zitat von Pampelmuse:Also es war ganz schön heftig und es hat meine Welt auch einmal komplett auf den Kopf gestellt. Aber....es hat auch dazu geführt, dass ich für mich nachgedacht habe, was ich will. Ich glaube, ohne diesen Knall wäre ich da nicht hingekommen
@Pampelmuse
Sehr gut beschrieben.
@Didi83
Wenn du tatsächlich an der Perspektivbeschreibung von Menschen, die sich, ähnlich deines Mannes, in der Position des/der Betrogenen befunden hatten, interessiert bist, möchte ich dir ebenfalls meine Erfahrungen beschreiben.
Ähnlich wie bei Pampelmuse war auch für mich/uns die Offenbarung der Affäre und allem was dazu gehört der absolut einzige Weg zum Neustart unserer Ehe.
Das mag sich seltsam anhören (kann ich sogar verstehen), aber es ist genau so.
Ähnlich wie bei Pampelmuse, befand sich meine Ehe in der (für mich) bequemen Position des Nebeneinanderhers.
Ich war karrieremäßig auf dem Weg zu meinem beruflichen Zenit. Mein Mann funktionierte in der Zeit. Viel mehr sah ich nicht.
Naja, und dann brach er aus und suchte sich anderweitige Bestätigung .
Bitte versteh mich nicht falsch, ich möchte seine anschließenden Taten ganz sicher nicht rechtfertigen.
Denn das war ganz sicher schlimm und auch nicht zu entschuldigen.
Dennoch glaube ich, dass eine sachliche Beschreibung der Situation vorab, fair ist.
Naja, es gab dann seine Affäre und, als es aufflog, eine schlimme und traumatische Zeit.
Alles stand Kopf.
Lange lange lange Zeit wusste ich nicht, wie es weiter geht.
Es war gruselig.
Wollte ich ihn überhaupt noch als meinen Partner?
Mein Mann, der ja nun diesen Schritt getan hatte, war ebenfalls erschüttert, als er sich der Folgen gewahr wurde.
Im Gegensatz zu dir, sah er seine Felle schwimmen.
Während der Affäre bemühte er sich ganz sicher, Rechtfertigungen für sich für seine Taten zu finden.
Es war ja auch prickelnd, sich wieder begehrt zu fühlen.
Allerdings war er sich immer sicher, dass er in seiner Ehe bleiben möchte.
Plötzlich war aber nicht mehr er derjenige, der das entscheidet, sondern ich.
Alles hing davon ab, ob ich noch eine Zukunft mit ihm sah.
Er war sich da sicher.
Das war auch nicht leicht für ihn.
Denn plötzlich war alles unklar, denn ich war mir eben nicht mehr sicher.
Nun, ich wollte mich nicht an ihm rächen - ich wusste es wirklich nicht - ob ich ihn noch wollte und ob ich ihm verzeihen konnte und ihm je wieder vertrauen...
Er kämpfte um mich - zeitweise verzweifelt.
Irgendwann sah ich ihn wieder.
Ich bemerkte, dass ich ihn immer noch liebte.
Dann begann der Lernprozess für uns beide.
Wir lernten uns gegenseitig aber auch uns selbst viel besser kennen, als all die Zeit zuvor.
Wir führten unendlich viele Gespräche.
Alles kam auf den Tisch:
Seine Wünsche, seine Erwartungen, seine Enttäuschungen...
Meine Wünsche, meine Erwartungen, meine Enttäuschungen... und auch meine Verletzungen.
Oft war es unbequem und schmerzhaft
Dennoch - letztendlich - hatte es sich für uns beide gelohnt.
Unsere jetzige Ehe ist um so viel wertvoller.
Möglicherweise würde es diese gar nicht mehr geben.
Auch wenn ich so etwas nie mehr erleben möchte, möchte ich behaupten, dass wir nicht mehr zusammen wären, wenn es diesen "Weckruf" nicht gegeben hätte.
Und es sind schon etliche Jahre seitdem vergangen.
Allerdings hätte es auch anders ausgehen können.
Es stand auf Messers Schneide.
Somit sehe ich deine Angst.
Trotzdem glaube ich, dass es einen funktionierenden Neustart nicht auf dem Fundament einer Lüge geben kann.
Wenn ich meinen Mann viele Monate nach einer bestehenden Krise entlarvt hätte, wäre mir alles davor als Farce erschienen.
Glaube mir, das wäre bei uns das AUS gewesen.
Vielleicht machst du dir keine richtige Vorstellung über die Gedanken, die dein Mann dann wälzen würde.
Um meinem Mann zu verzeihen, war absolute Ehrlichkeit unumgänglich.
Jede Lüge hätte dieses fragile Gebilde zum Einsturz gebracht.
Verzeihen heißt, dass es zukünftig keine Rolle mehr spielt.
Und eine Affäre zu verzeihen ist super schwer.
Okay, was wäre, wenn ich es nie erfahren hätte?
Tja, keine Ahnung.
Aber ich wäre da nicht sehr optimistisch.
Denn ich spürte, dass etwas nicht mehr stimmte.
Und irgendwann kommt es möglicherweise dann doch raus - vielleicht sogar zufällig.
Obwohl ich ihn damals nicht mehr sah und ziemlich selbstverliebt um mich rotierte, bemerkte ich seine Veränderung, als er diese Affäre begann.
Ich stellte Fragen, die er abtat mit: "Quatsch, wir sind nur befreundet".
Übrigens, das war eines die Dinge, die mir sehr lange zusetzen.
Es waren Lügen, die im Nachhinein sehr weh taten und sehr lange unsere Ehe fast mehr gefährdeten, als die eigentliche Affare.
Siehst du dieses Risiko?
Bei dir kommt erschwerend hinzu, dass du deinen Mann überhaupt nicht mehr begehrst.
Wenn das bei uns nicht mehr vorhanden gewesen wäre, hätte dies das Ende der Ehe bedeutet.
Ich war soooooo verletzt. Wenn ich mich zudem noch unattraktiv hatte fühlen müssen, wäre es zu viel gewesen.
Und glaube mir, mein Mann tat alles, dass dieses Gefühl erst gar nicht entstand.
Somit verstehe ich nicht, wie du ernsthaft hoffen kannst, dass dein Mann, wieder dein "Traummann" werden kann?
Wie soll das gehen?
Du magst ihm ja nicht einmal körperlich nahe sein.
Warum sollte sich das plötzlich ändern?
Machst du dir eine Vorstellung davon, wie demütigend das im Nachhinein für deinen Mann wird, wenn er die Zusammenhänge irgendwann versteht?
Eines sollte dir bewusst sein, je weiter du diesen Weg gehst und deinen Mann weiterhin belügst, desto größer ist seine Verletzung und desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er dir vergeben könnte.
Die große Frage ist, was möchtest du wirklich?
Wo siehst du dich zukünftig?