So zunächst mal grundsätzlich: Ich freue mich über die Lebendigkeit der Diskussion hier und den vielen lesenswerten Aspekten - leider habe ich heute kaum Zeit, werde das alles noch aufmerksam nachlesen und möchte nur auf zwei kleine Punkte eingehen.
Zitat von Tester84: - Du scheinst dich (für mich erstaunlich schnell - ohne Negative Wertung) mit der Tatsache abgefunden zu haben, dass deine (noch) Frau einen neuen Partner hat
Es tut mir sehr leid, was da bei Euch passiert ist, Tester84, aber wie um Himmels Willen kommst Du darauf, dass ich mich damit schnell abgefunden hätte. Es schmerzt zutiefst, dass meine Frau mit dem Typen und meinem Sohn am Freitag weggeht. Aber meine Frau hat sich nunmal entschieden zu gehen, mein Sohn ist erwachsen, die Entscheidung ist gefallen. Es hat drei Jahre gedauert, jetzt ist es vorbei. Das nennst Du schnelles Abfinden?
Mein Sohn ist klug und wird schon merken, wenn er ein Idiot ist. Er kann seine eigenen Schlüsse ziehen.
Aber abfinden? Diese Mutmaßung ist absurd.
Zitat von meineMeinung:Ich kann die Aussage einfach nicht akzeptieren, dass die ganze Idee einer Beziehung die bis zum Tode währen soll doch im Grunde irgendwo "Quatsch" ist.
@meine Meinung: das war sicher von paradigma etwa provokativ formuliert. Ich halte die Idee immer noch für etwas Wunderbares, eine Ursehnsucht der Menschheit: Da gibt es ja den Mythos, erzählt von Aristophanes in Platons wunderbarer Schrift "Symposion", wonach alle Menschen ursprünglich Kugelwesen mit 4 Armen und Beinen und zwei Köpfen waren, so mächtig, dass sie sogar den Göttern gefährlich wurden, so dass Zeus beschloss, sie zu trennen. Seitdem irrt jeder Mensch über die Erde auf der Suche nach seiner verlorenen Hälfte...
Will nur sagen, das ist offenbar eine zutiefst humane Ursehnsucht, die viele in sich tragen, und den glücklichen Paaren, denen es gelingt, kann man nur beglückwünschen und vielleicht von ihnen lernen.
Aber das ist ein Ideal und ein Mythos - in der Realität sieht die Sache leider oft anders aus und daher ist man gut beraten, die Möglichkeit eines Scheiterns mitzubedenken. Auch wenn das am Anfang, wenn die Sterne nur für das glückliche Paar zu leuchten scheinen, ausgeschlossen erscheint.
Aber wer denkt dann schon ans Scheitern. Ich war mir auch immer sicher, bis vor drei Jahren noch: that will last forever. Und durchaus haben uns andere Paare bewundert, was für eine erfüllende und bereichernde Ehe wir doch hatten. Und dann kamen die Wolken und zogen nicht mehr ab.
Und wir haben nichts "falsch" gemacht, es war in ein paar Situationen großes Pech dabei, als wir es hätten herumreißen können, aber dann ging es nicht mehr. Und dann wurde unser Allein-Zusammensein nur noch unerträglich ohne Chance auf Besserung, als wir an dem Punkt angelangt waren. Unheilbar! Und dann ist meine Frau gegangen.
Dennoch: Liebe bis zum Tod ist eine schöne Idee, die ich auch immer verfolgt habe. Vielleicht mache ich's ja noch.
Aber es gibt eben keine Garantie dafür und bedarf höchster menschlicher Anspannung aller Kräfte, wenn es nicht in Trennung oder Resignation enden soll. Und auch dann gibt es keine Garantie, wenn die Umstände zu tragischen Konsequenzen führen.
Das ist das Resultat meiner Erfahrung, meines Lesens und meines Nachdenkens über die Liebe.
Und ich hoffe, dass wir uns einigen können, dass der Normalitätsbegriff hier ganz und gar fehl am Platz ist.