1990

Frau zieht nach 18 Jahre aus - keine Hoffnung mehr

williams

williams

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Zitat von Mayla:
Ich möchte weder das eine noch das andere Extrem.


Natürlich nicht, der Zustand soll nicht "normal null" sein. Wenn aber immer zwei das gleiche können, ist einer überflüssig
sagt man in meinem (beruflichen) Bereich.

12.03.2019 20:58 • x 1 #901


Joshu

Joshu


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Zitat von williams:
Natürlich nicht, der Zustand soll nicht "normal null" sein. Wenn aber immer zwei das gleiche können, ist einer überflüssig
sagt man in meinem (beruflichen) Bereich.


Naja, was ist schon normal null. Liebe lebt von der Poralität, einem Spannungsfeld, einer Dialektik von großem Vertrautem und gleichzeitig "dem ganz anderen", das einen immer wieder herausfordert, verzaubert, inspiriert, das Leben bereichert, die Welt gemeinsam erforschen lässt und den eigenen Entwicklungsprozess fördert.
Wenn einer dieser dialektischen Felder einseitig auf Dauer die Oberhand gewinnt, ist die Beziehung in krisenhafter Schieflage.
Ist nur noch großes Vertrauen, große Gemeinsamkeit da, droht Stagnation, Langeweile, Flaute, Entwicklungsstop, Routine. Wenn nur noch das "ganz andere" übrig ist, dann droht Unsicherheit, Entfremdung, Sprachlosigkeit, Abwendung.

Und zur Polarität gehört auch das sich unterscheidende männliche und weibliche Prinzip, das fordernde, entwickelnde, dynamische, und das Ruhe suchende, hingebende, yin und yang, meinetwegen. Ich meine das jetzt nicht essentialisch auf Mann oder Frau bezogen, nicht unbedingt und immer jedenfalls, je nach Lebenslagen mag das in den Partnern wechseln.

Wie Mayla das beschreibt:

Zitat von Mayla:
Es kann sein, dass die Frau nicht mehr beschützt und/oder bevormundet werden möchte. Oder der Mann möchte nicht mehr der Macher und der Starke sein. Meiner Erfahrung nach ist das genau der Punkt, an dem es schwierig werden kann, nämlich dann, wenn einer seiner Rolle entwächst, während der andere seinem "alten" Fremd- und Selbstbild anhaftet. Das führt dann entweder zu einer kompletten Neuausrichtung in der Partnerschaft, meist begleitet von schweren Krisen, oder zum Bruch.
In einem guten Buch habe ich mal sinngemäß den Satz gelesen, dass dieselben Gründe, aus denen man den Partner wählt, später die Trennung herbeiführen. Ich denke, da ist etwas dran.


Ich glaube, dass im Idealfall diese Grundkräfte selbst in einer guten Liebesbeziehung im Gleichgewicht gehalten werden, so dass sich der Mensch selbst weiterentwickelt. Sind die Verhältnisse in einem selbst gestört, hat es schädliche Auswirkungen auf die Entwicklung der Liebesbeziehung. Oder die Liebesbeziehung ist gestört, was wiederum Auswirkungen auf das eigenen Gleichgewicht hat, was wiederum schädlich für die Liebesbeziehung ist, ein Teufelskreis.
Und natürlich beurteilt man in einem solchen zerstörerischen Zirkel den Partner aus einer anderen Perspektive, Eigenschaften, die einem früher höchst zuträglich und angenehm, ja liebenswert erschienen, erscheinen dann plötzlich in einem ganz anderen Licht.

Man versteht den anderen nicht mehr, sich selbst nicht mehr, und der anderen einen auch nicht mehr. So war´s bei uns.

12.03.2019 23:02 • x 2 #902


Paradigma

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Dieses Thema ist so komplex und vielschichtig dass man es warscheinlich monatelang diskutieren könnte ohne zu einem konkreten Schluss zu kommen...

Wir, als Menschen machen uns es im Grunde irgendwie unnötig kompliziert, verglichen mit der Tierwelt, wo es eigentlich SEHR klar definiert ist: Der Stärkste gewinnt. Punkt, aus, Schluss. Das Weibchen (in der Regel) sucht sich das Männchen aus was stärker ist als alle anderen. Diese vorher genannten Punkte aus der Sehnsucht nach einem Beschützer, die starke Schulter, derjenige der alles irgendwie "richten" wird, ist also demnach auch in uns Menschen drin, ob wir es wollen oder nicht.

Die Suche nach Individualismus aber, dieser unentwegte Drang nach Selbstverwirklichung, Weiterentwicklung, Emanzipation, ist es doch was uns erst menschlich macht, oder?

Das Problem dabei ist aber, dass es meiner Meinung nach leider oft nicht umsonst ist, sondern bleibt dabei sehr oft eben die Ehe/Beziehung auf der Strecke wenn man aus seinem bekannten Rollenbild ausbricht.

Schon komisch wie in meinem Umfeld zumindest, genau DIE Beziehungen wo mir sehr statisch erscheinen, traditionelles Mann/Frau Bild, ja schon fast wie "früher", der starke Mann geht arbeiten, die Frau bleibt zuhause bei den Kindern usw. es wird nichts hinterfragt/oder man lässt es einfach nicht zu. genau DIE sind wo bis zum Schluss zusammen bleiben und wo es halt eben NICHT in die Brüche geht.

Ob das nun gut oder schlecht ist, sei dahingestellt...

Man braucht nur 1 Jahrhundert (oder nicht mal) zurück zu schauen in der Zeit, wo die meisten Ehen noch auf der Angst der Frau, den sozialen Status zu verlieren aufgebaut waren, wäre diese Angst nicht dagewesen wäre es gut möglich dass mehr als die Hälfte dieser Ehen in die Brüche gegangen wäre.

Meiner Meinung nach stehen wir als Menschen halt in ständigem Konflikt zwischen unseren biologischen/genetischen Instinkten und unserem rastlosen, sich ständig weiter entwickelndem Geist, der uns dazu treibt nach mehr Selbstverwirklichung zu streben. Wir wollen alle beides, müssen aber dann irgendwann meistens realisieren dass dies oft nicht möglich ist, ja sogar in direktem Wiederspruch zueinander steht...

13.03.2019 08:42 • x 2 #903


Joshu

Joshu


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Nun, auch der zoologischer Aspekt ist so eindeutig nicht, die Soziobiologen sprechen in mancherlei Hinsicht von Weibchen-Wahl bzw. verdeckter Weibchenwahl bei vielen Arten, bei denen das Weichen steuert, das die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Männchen für es interessiert jedenfalls höher ist, manchmal auch nur unbewusst.
Auch davon finden sich noch einzelne Aspekte im menschlichen Verhalten wieder - so hat z.B. der Verhatlensforscher Eibl-Eibesfeldt aufgezeigt, wie die Initiierung des Flirt-Verhaltens, analog dem tierischen Balz-Verhalten zumeist von der weiblichen Flirt-Partnerin initiiert wird

Aber wie dem auch sei. Der Mensch ist nun mal ein "Freigelassener der Natur" (Herder), wir vermögen uns entgegen dem ursprünglich biologisch-determinierten Programm in uns zu verhalten, ebenso wie wir die gesellschaftlich vorgegebenen Schranken, die uns aus ökonomischem oder gruppendynamischen Druck zwingen, lebenslang die Treue zu halten, überwunden haben.

Ebenso wie tradierte Rollenverhältnisse nicht mehr unterhinterfragbar vorgegeben sind.
Das ist der Preis der individuellen Freiheit, die an sich weder gut noch schlecht ist, sondern ein Möglichkeitsfeld eröffnet, Liebe und Beziehungen zu entwerfen, die einem im hohen Maß fördern, entwickeln - oder eben in hohem Maß schädlich und destruktiv ist.

Daher die Notwendigkeit, ein hohes Maß an Reife und Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln. Das ist eine große Aufgabe für uns moderne Menschen. Ehe und Familie sind nicht mehr weder biologisch noch soziologisch determinierte Selbstläufer - und tragen sowohl die Möglichkeit der höchsten Erfüllung als auch die des mehr oder weniger tragischen Scheiterns in sich. Und das im Prinzip jederzeit.

13.03.2019 12:19 • x 1 #904


Mayla

Mayla

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Zitat von Paradigma:
Der Stärkste gewinnt. Punkt, aus, Schluss.


Mein Biologieunterricht liegt zwar in dunkler Vergangenheit , aber ich glaube mich zu erinnern, dass Darwin mit seinen Finken nicht bewiesen hat, dass der Stärkste gewinnt, sondern, dass der überlebt, der sich am besten anpassen kann. Deshalb hat ja über die Jahrmillionen der Wurm überlebt, während die Dinosauerier ausgestorben sind.

Zitat von Paradigma:
Schon komisch wie in meinem Umfeld zumindest, genau DIE Beziehungen wo mir sehr statisch erscheinen, traditionelles Mann/Frau Bild, ja schon fast wie "früher", der starke Mann geht arbeiten, die Frau bleibt zuhause bei den Kindern usw. es wird nichts hinterfragt/oder man lässt es einfach nicht zu. genau DIE sind wo bis zum Schluss zusammen bleiben und wo es halt eben NICHT in die Brüche geht.


Wenn ich mein Umfeld so anschaue, dann sind ehrlich gesagt die allerwenigsten Langzeitpaare wirklich von innen heraus zufrieden und glücklich mit ihrer Beziehung. Bei dem Großteil finde ich den wahlweise aggressiven, lieblosen und/oder gleichgültigen Umgang miteinander nichts als erschreckend, aber trotzdem bleibt man zusammen, sei es aus Gewohnheit oder der Angst vor dem Alleinsein. Erstrebenswert ist das nun nicht. Es gibt auch positive Beispiele, aber, wenn man in vertrauter Frauenrunde ins Gespräch kommt , wird von schweren Krisen und Fasttrennungen berichtet. So ganz ohne blaues Auge kommt man bis zur Silberhochzeit wohl nicht davon. Wachstum geht immer mit Schmerz einher.

Zitat von Joshu:
Sind die Verhältnisse in einem selbst gestört, hat es schädliche Auswirkungen auf die Entwicklung der Liebesbeziehung.


Josh, das hört sich bei dir so pathologsich an. Ich denke nicht, dass wir im medizinischen Sinn gestört sind. Ich würde eher unreif sagen. Wichtige persönliche Fähigkeiten, sei es die Reflexionsfähigkeit, die Kommunikationsfähigkeit, die Kritikfähigkeit oder gar die Liebesfähigkeit sind noch nicht ausgereift. Es ist dann spannend, zu erleben, wie sich die Dynamik in der Partnerschaft entwickelt, wenn Mann und Frau nachreifen oder man neue Interessen und Leidenschaften für sich entdeckt. Oft sagt ja einer von beiden irgendwann:"Du bist nicht mehr der, den ich geheiratet habe!"
Und ich denke mir dann nur, es wäre doch tragisch, wenn es so wäre, wenn man über Jahrzehnte derselbe bliebe...das ist keine schöne Vorstellung.

In uns ist nichts gestört, in uns ist vielleicht das ein- oder andere noch nicht zur Entfaltung gekommen. Das ist nicht per se schädlich für die Liebesbeziehung, wenn wir erblühen, sondern herausfordernd.

13.03.2019 15:36 • x 4 #905


cassie97

OT

Wenn jemand die letzten Seiten dieses Stranges durcharbeiten müsste, bevor diese Person eine Beziehung eingeht, würden viele Beziehungen erst gar nicht zu Stande kommen, weil den handelnden Personen die Materie zu kompliziert wäre.

Ende OT

13.03.2019 15:42 • x 3 #906


Mayla

Mayla

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Anfang OT



Ende OT

13.03.2019 15:52 • #907


Joshu

Joshu


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Zitat von cassie97:
Wenn jemand die letzten Seiten dieses Stranges durcharbeiten müsste, bevor diese Person eine Beziehung eingeht, würden viele Beziehungen erst gar nicht zu Stande kommen, weil den handelnden Personen die Materie zu kompliziert wäre.


Warum? Reflexion über die Liebesfähigkeit und -Gefährdung des Menschen ist eine Seite, die Praxis einer Beziehung die andere.

Ich kann auch stundenlang über die neueste Fussball-Taktik im 4-4-2 oder mit Dreierkette sinnieren,ohne dass die Spieler auf´m Platz hinterher vor Reflexion erstarren und vor jedem geführten Zweikampf erst ins Taktikbuch schauen.

13.03.2019 17:22 • #908


Paradigma

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Ja, viele Paare bleiben auf Dauer zusammen aus Gewohnheit (wobei man darüber streiten kann was wahre Liebe im Grunde ist, und ein Teil "Gewohnheit" ist sicher auch einfach mit dabei in der Mischung, der Mensch ist nun mal ein Gewohnheitstier) oder aus Angst allein zu sein, aber auch diese Angst ist einfach ein primärer Instinkt, man sucht automatisch nach jemandem der einen entweder beschützen kann oder weiterbringen kann, einen ergänzen bei Sachen die man selber nicht so gut beherrscht. Wir sind einfach auf andere angewiesen immer wieder...

Diese Paare sind mit Sicherheit nicht alle "glücklich", aber das ist man als Single der versucht sich zu verwirklichen auch nicht immer oder?

Die Frage auf die es doch hier ankommt ist, "Lohnt es sich, sich zu trennen um über diesen Weg sich selbst besser zu verwirklichen/sich zu erneueren?" Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende?

Klar MUSS das nicht so sein, der beste/richtige Weg wäre ja im Idealfall dass man innerhalb einer Partnerschaft versucht sich zum Guten zu verändern, und auch akzeptiert dass der andere das nicht mit macht, und trotzdem zusammen bleibt, Kompromisse halt usw. aber in der Praxis sieht das alles oft ganz anders aus wie die meisten hier wissen...

13.03.2019 17:37 • x 1 #909


cassie97

Zitat von Joshu:
Ich kann auch stundenlang über die neueste Fussball-Taktik im 4-4-2 oder mit Dreierkette sinnieren,ohne dass die Spieler auf´m Platz hinterher vor Reflexion erstarren und vor jedem geführten Zweikampf erst ins Taktikbuch schauen.


Wenn dann aber das Spiel verloren geht, wird im Nachinein die Taktik ind die Spielweise stundenlang diskutiert und analysiert. Mit den möglichen Ergebnissen:
Die Taktik war falsch
Die Spieler haben sich nicht an die Taktik gehalten
Die Taktik war zu kompliziert für die Spieler
Parallelen drängen sich auf.
Nur auf den Schiedsrichter kann man nach einer "verlorenen" Beziehung die Schuld leider nicht schieben.

13.03.2019 17:57 • x 1 #910


Joshu

Joshu


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Okay, okay, cassie97, dass mit dem Fussball sollte nur ein Hinweis auf Theorie und Taktik sein, viel weiter passt dieser Vergleich nicht, denke ich.
Weder gibt es etwas zu verlieren noch zu gewinnen, und wie Du sagst, auch kein Schiedsrichter - denn es gäbe keine Regeln, kein falsch und kein richtig, nach denen ein Schiedsrichter zu pfeifen hätte, denn die Regeln erfinden die Spieler selbst in vollkommener Freiheit.

13.03.2019 18:25 • #911


nennmichpaul

Ich habe da mal was interessantes gefunden. Auch bei mir war es die Macht der Gewohnheit. Ohne darüber nachzudenken,
habe ich alles wie immer gemacht und doch war es nicht richtig.

"Dem Rhode Island Hospital im Südosten Neuenglands wiederum gelang Mitte der neunziger Jahre die Senkung der Todesrate von Intensivpatienten allein dadurch, dass der Chefchirurg auf eine lieb gewordene Gewohnheit verzichtete. Bis dahin hatte er das Vorgespräch des OP-Teams zum Telefonieren oder zum Kaffeetrinken in einem Nebenraum genutzt. Nachdem er versehentlich die falsche Schädelseite eines Patienten geöffnet hatte und dieser an dem Missgriff verstarb, unterzog sich der Klinikbetrieb einer Grundreinigung seiner verschlampten Gewohnheiten. Ein Fortschritt keine Frage."

Gruß Paul

14.03.2019 09:44 • #912


Löwenherz4

Löwenherz4

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@Joshu , du hattest gestern Geburtstag?......wenn das so ist : Alles Liebe und Gute für dein neues Lebensjahr.
Es wird bestimmt viele gute Tage für dich haben.

15.03.2019 19:55 • x 1 #913


Joshu

Joshu


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Lieben Dank, Mrs. Lionheart.

Ja, der Anfang war leider nicht so schön. Es war seit gestern klar, dass wir unseren Hund heute gehen lassen mussten.
Die alte Dame war an beiden Hinterbeinen gelähmt, wahrscheinlich hat ein Tumor auf die Nerver gedrückt und sie zerstört. Es ging dann doch ganz schnell, nachdem sie vor einer Woche noch laufen konnte..... Die Tierärztin war sehr einfühlsam und hat einen letzen Hausbesuch gemacht. Es war auf eine sehr traurige Art und Weise schön. Wir haben unseren Hund noch einmal gekrault, sie hatte wohl keine Schmerzen und war völlig entspannt, sie hat sich dann einfach auf die Seite gelegt und ist eingeschlafen. Ich habe meinen Sohn nicht mehr so bitterlich weinen sehen, seit er kein Kind mehr ist.

Und meine Frau und ich haben uns auch so innig umarmt, wie seit Jahren nicht mehr.
Dann kam eine Flut von Erinnerungen hoch, und heute war mir, als hätte ich mich gerade frisch und neu von meiner Familie getrennt. Es war sehr schwer. Und es ist nur ein Hund, mögen einige sagen, aber sie war seit 10 Jahren ein Familienmitglied, es ist, als sei auch ein Teil von mir gestorben.

Mach´s gut, meine liebe kleine Hundedame!

15.03.2019 23:48 • x 7 #914


nennmichpaul

Herzlichen Glückwunsch nachträglich. Alles, alles Gute.
Kopf hoch und Anlauf nehmen.

Das mit dem Hund tut mir absolut leid. Ichhabe auch einen Hund, Mo wird im Sommer 8. Ich will garnicht daran denken.

Nein es war ein Familienmitglied
Ich wünsche dir viel Kraft, ich weiß das tut sehr weh.

Gruß Paul

15.03.2019 23:51 • x 2 #915