Zitat von williams:Natürlich nicht, der Zustand soll nicht "normal null" sein. Wenn aber immer zwei das gleiche können, ist einer überflüssig
sagt man in meinem (beruflichen) Bereich.
Naja, was ist schon normal null. Liebe lebt von der Poralität, einem Spannungsfeld, einer Dialektik von großem Vertrautem und gleichzeitig "dem ganz anderen", das einen immer wieder herausfordert, verzaubert, inspiriert, das Leben bereichert, die Welt gemeinsam erforschen lässt und den eigenen Entwicklungsprozess fördert.
Wenn einer dieser dialektischen Felder einseitig auf Dauer die Oberhand gewinnt, ist die Beziehung in krisenhafter Schieflage.
Ist nur noch großes Vertrauen, große Gemeinsamkeit da, droht Stagnation, Langeweile, Flaute, Entwicklungsstop, Routine. Wenn nur noch das "ganz andere" übrig ist, dann droht Unsicherheit, Entfremdung, Sprachlosigkeit, Abwendung.
Und zur Polarität gehört auch das sich unterscheidende männliche und weibliche Prinzip, das fordernde, entwickelnde, dynamische, und das Ruhe suchende, hingebende, yin und yang, meinetwegen. Ich meine das jetzt nicht essentialisch auf Mann oder Frau bezogen, nicht unbedingt und immer jedenfalls, je nach Lebenslagen mag das in den Partnern wechseln.
Wie Mayla das beschreibt:
Zitat von Mayla: Es kann sein, dass die Frau nicht mehr beschützt und/oder bevormundet werden möchte. Oder der Mann möchte nicht mehr der Macher und der Starke sein. Meiner Erfahrung nach ist das genau der Punkt, an dem es schwierig werden kann, nämlich dann, wenn einer seiner Rolle entwächst, während der andere seinem "alten" Fremd- und Selbstbild anhaftet. Das führt dann entweder zu einer kompletten Neuausrichtung in der Partnerschaft, meist begleitet von schweren Krisen, oder zum Bruch.
In einem guten Buch habe ich mal sinngemäß den Satz gelesen, dass dieselben Gründe, aus denen man den Partner wählt, später die Trennung herbeiführen. Ich denke, da ist etwas dran.
Ich glaube, dass im Idealfall diese Grundkräfte selbst in einer guten Liebesbeziehung im Gleichgewicht gehalten werden, so dass sich der Mensch selbst weiterentwickelt. Sind die Verhältnisse in einem selbst gestört, hat es schädliche Auswirkungen auf die Entwicklung der Liebesbeziehung. Oder die Liebesbeziehung ist gestört, was wiederum Auswirkungen auf das eigenen Gleichgewicht hat, was wiederum schädlich für die Liebesbeziehung ist, ein Teufelskreis.
Und natürlich beurteilt man in einem solchen zerstörerischen Zirkel den Partner aus einer anderen Perspektive, Eigenschaften, die einem früher höchst zuträglich und angenehm, ja liebenswert erschienen, erscheinen dann plötzlich in einem ganz anderen Licht.
Man versteht den anderen nicht mehr, sich selbst nicht mehr, und der anderen einen auch nicht mehr. So war´s bei uns.