Ui, hier sind ja zwischenzeitlich Grundsatzdebatten entstanden.
Ich für mich kann ja nochmal kurz meine Idee hinter dem Thread nochmal skizzieren: Meine Wahrnehmung und Gefühle unterscheiden sich schon meistens von denen, die um mich herum sind. Darunter leide ich, weil ich deshalb den Eindruck habe, dass etwas mit mir "falsch" ist. Mich macht das im schlimmsten Fall depressiv. Das, was man unter Hochsensibilität versteht, spricht mich zu einem sehr großen Teil an und gibt mir wiederum das Gefühl, dass ich damit bei weitem nicht alleine bin, dass es vielleicht eine "Spektrumsfrage" ist und es wirklich eine Erklärung für meine Gefühle und Gedanken gibt. Mir hilft das. Ich habe das Stichwort genommen, um anderen zu illustrieren, worum es mir geht, sozusagen als Anhaltspunkt. Dass das bei jedem anders ausgeprägt ist, ist ja klar.
Ich finde, dass es hier ganz wundervolle Beiträge gibt, die mir wiederum nochmal bestätigen, dass meine Empfindungen kein Hirngespinst sind, sondern für viele andere genauso Normalität - und mit mir alles "ok" ist, was nicht heißt, dass ich nicht trotzdem manchmal darunter leide. Aber zumindest habe ich nicht mehr so das Gefühl, falsch zu sein. Und genau das hat mir immer Einsamkeit verschafft und das Gefühl, dass keiner mich versteht.
Ich sehe es wie @Einfachatmen: Diagnosen - ob man Hochsensibilität jetzt dazu zählt oder nicht - helfen schon, zumindest mir. Und auch als Freundin oder Angehörige. Eine gute Freundin von mir ist auf dem autistischen Spektrum, was sie erst seit relativ kurzer Zeit weiß. Sie ist super erleichtert und ich wiederum verstehe viel besser, warum sie in manchen Situationen so reagiert, wie sie reagiert. Es gibt eine Erklärung, und enstprechend eine Handlungsorientierung. Wenn ich zB weiß, dass ich sehr sensibel bin, dann kann ich gewisse Situationen besser und gesünder einschätzen, ohne mich wie ein Freak zu fühlen oder gar krank. Es ist natürlich traurig, dass wir die Einzigartigkeit von Menschen nicht einfach hinnehmen können. Aber Kategorisierungen finden ja nicht umsonst statt, allein in der Medizin brauchen wir bestimmte Kriterien zur Diagnostik.
Mir geht es auch nicht darum, dass ich mich mit HS herausreden will. Es geht darum, einen guten Umgang mit sich zu finden und anderen im Zweifel erklären zu können, was mit einem abgeht. Es verkürzt Gespräche ungemein. Und: Es geht auch nicht darum, sich einen Opfer-Stempel aufzudrücken. Ich denke, dass es im Gegenteil eine Form von Automomie und Selbstfürsorge ist.
Mein Wort zum Sonntag

ich hoffe, ihr hattet ein schönes Wochenende allerseits!