Berlinerin91
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ich habe mich schwergetan, eine passende Kategorie für dieses Thema zu finden, weil "Unterhaltung und off-topic" etwas zu spaßig für das klingt, was mich hier beschäftigt. Ich hoffe, dieses hier passt einigermaßen.
Gerne wollte ich mich mal umhören, ob unter euch Menschen sind, die sich mit den Merkmalen der Hochsensibilität identifizieren und wie sie damit umgehen. Schließlich beeinflusst es das ganze Leben, vor allem zwischenmenschliche Beziehungen. Wie und unter welchen Umständen habt ihr für euch erkannt, dass ihr vielleicht hochsensibel seid? Welche Situationen fallen euch schwer, und wie geht ihr mit Freunden, Partnern etc um? Ich würde gerne eure Gedanken dazu hören bzw. lesen und einfach mal schauen, was sich hier für Gespräche ergeben.
Ich selbst denke immer mal wieder darüber nach, ob Hochsensibilität auf mich zutreffen könnte und ich bin mittlerweile sicher, dass das der Fall ist - ich bin zwar schon länger in einer Verhaltenstherapie bei einer wundervollen Frau, mit der ich mich sehr gut verstehe, aber auf dieses spezielle Ding hat sie mich bisher nicht hingewiesen. Mit Eigenrecherche und Selbstbeobachtung denke ich, dass das der Grund ist, wieso ich mich so fühle, wie ich mich fühle. Nicht zugehörig, einsam, als wäre ich eine Belastung für andere, weil ich alles intensiver fühle und meine Schwächen nicht verbergen kann (und will). Gleichzeitig wünsche ich mir nichts mehr, als "normal" zu sein. Körperliche Symptome kommen noch oben drauf.
Es kommen viele verschiedene Dinge bei mir zusammen: Meine Eltern sind eingewandert, ich somit die erste Generation, die hier geboren wurde. Weil bei uns Zuhause eine andere Sprache gesprochen wurde, anders gegessen etc. habe ich mich ziemlich selbstverständlich anders als andere gefühlt. Meine Eltern waren auch immer sehr darauf bedacht, dass ich meine Herkunft nicht thematisiere, weil sie fürchteten, dass mir das zum Nachteil ausgelegt werden könnte. Somit hatte ich eigentlich schon als Kind das Gefühl, nicht "richtig" zu sein. In den höheren Klassenstufen wurde alles nur schlimmer, niemand teilte meine Interessen (die an und für sich überhaupt nicht besonders waren), ich war sehr viel alleine. In der Uni wurde es insofern übler, als dass ich mich eigentlich immer zu dumm gefühlt habe und dachte, dass ich hier falsch bin, weil gefühlt nur elitäre Akademikerkids um mich herum waren. Ich hatte zwar anderweitig Freunde gefunden und hatte auch ein großes Umfeld mit tollen Menschen, aber das Gefühl von Isolation ging nie richtig weg. Erschwerend hinzu kam, dass mein erster "Freund" (es fällt mir schwer, diesem Menschen einen solchen Titel zu geben) eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hatte und mich emotional wie se*uell missbraucht hat. Das ganze ging 6 Jahre ab meinem 18. Lebensjahr. Danach habe ich keine gesunde Beziehung führen können, weil ich komplett das Vertrauen verloren habe und nun schon länger allein bin. Ich versuche erst den liebevollen Kontakt zu mir selbst herzustellen, aber mir fehlt trotzdem ein Gegenüber. Das nur zum Kontext.
Ich lebe immer mit dem Gefühl, stark sein müssen, weil ich anders nicht akzeptiert werde. Dass meine Schwächen mich zugrunde gehen lassen, Menschen sie ausnutzen. Es fühlt sich wie ein Panzer an, der nicht zu mir passt, zu schwer ist. Momentan bin ich auf Jobsuche und merke genau das wieder verstärkt - ich will mich nicht verstellen, ich möchte mich selbst richtig einschätzen und das auch genauso wiedergeben (natürlich gebe ich nicht alles preis.) Ich habe aber den Eindruck, dass vor allem Blender weiterkommen und Selbstüberhöhung belohnt wird. Ich bin eigentlich ein sehr ehrlicher Mensch, der seine Meinung sagen kann - aber diese Art von Stärke ist wohl nicht so gewollt.
Ich habe diesen inneren Konflikt, den ich einfach nicht richtig auflösen kann. Der Konflikt zw. meinem sensiblen Selbst und das, wovon ich glaube, das die Welt es von mir erwartet.
Das war viel über mich. Ich würde gerne von euch wissen, wie es euch damit geht, falls ihr euch mit dem, was ich geschrieben habe, identifizieren könnt.
Danke euch fürs Lesen, eure Zeit und eure Kommentare.