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Betrogen und nach 10 Jahren erfahren!

FireWoman

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Hallo ihr Lieben!

Seit Tagen habe ich überlegt mal ein Update zu posten - jetzt bin ich bereit

Wir sind also nach wie vor auf Abstand (nun seit 3 Wochen). Die ersten 11 Tage haben wir uns gar nicht gesehen und ich hab es auch vermieden täglichen Kontakt zu ihm zu haben. Inzwischen haben wir uns nun 2x richtig/länger gesehen.

Ich hänge gefühlt nur noch wenig bei dieser Nacht selbst, die da damals war. Sondern mehr an der Zeit danach. Auch habe ich nochmals intensiv und deutlich gefragt (bei unserem ersten Treffen glaube ich), ob er sich sicher ist, dass ich nun alles weiß. Da ich es nicht dulden werde, sollte später noch etwas herauskommen - egal in welcher Richtung bzgl. anderer Frau.
Er bejahte, dass ich alles weiß und sagt, er ist vollkommen leer in der Hinsicht, dass er mir mehr Wahrheit nicht schenken kann - ich wisse über alles Bescheid.

Ein bisschen frage ich mich, ob die Klinik ihm gut tut - gefühlt fängt er nun noch mehr an alles in seinem Leben zu zerpflücken, zu hinterfragen bzw. das ist ja grundlegend nicht schlecht - sagen wir eher anzuzweifeln. Aber vielleicht kommt das nun erst im weiteren Verlauf, dass da mehr mit Ressourcen gearbeitet wird bzw. auch lösungsorientiert.
In einer Hinsicht jedoch tut sie definitiv gut: Ihm wurde nun nochmal vollends bewusst, wie abhängig er sich von mir gemacht hat und dass dies eine absolut ungesunde Basis ist. Dies ist auch etwas, das er dauerhaft angehen muss und sollte - auch in einer Therapie über die Klinik hinaus - denn ich brauche wieder Luft zum atmen und er muss wieder ganz auf eigenen Beinen stehen, sonst wird mir das auf Dauer zu eng. Auch das haben wir gemeinsam nochmal thematisiert. Wir hatten offene und sehr reflektierte Gespräche würde ich sagen.

Was nun ihn und mich betrifft bin ich in mir schon recht klar, dass ich uns diese Chance geben möchte. Merke aber auch, dass ich aufpassen muss, nicht zu mauern: Ich stelle meine Gefühle zu ihm in Frage, obwohl ich mir dazu Zeit geben sollte (ich neige nach Verletzungen dazu dicht zu machen statt zu vergeben - da liegt meine eigene Baustelle. Nicht für ihn, sondern damit ich für mich in Frieden kommen kann).
Also insgesamt ist es noch etwas chaotisch in mir: Ich frage mich inzwischen, wie es wird, wenn der Alltag wieder da ist (der geht mir schnell mal auf den Keks) und ob wir es schaffen ihn bunter zu gestalten. Ideen habe ich schon und auch er hat es schon selbst angesprochen. Ein anderes Mal bin ich wieder unsicher, ob ich noch genügend Gefühl einbringen kann... Und ich bin auch unsicher, ob er sich in absehbarer Zeit wieder ansatzweise festigen wird...

Dies sind die Dinge, die momentan so in mir herum schwirren...

Liebe Grüße an Euch

10.03.2020 18:53 • x 2 #166


FireWoman

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Schon wieder 11 Tage seit meine letzten Beitrag vergangen Wie die Zeit rennt...

Der Abstand war und ist nach wie vor sehr gut - jetzt ist auch mein Mann an dem Punkt, dass er das so fühlen kann seit einiger Zeit und wir sahen uns jetzt auch seit letztem Wochenende bis kommenden Dienstag nun nicht (aufgrund der aktuellen Situation). Mittwoch kommt er dann ganz nach Hause, da die Klinik vorübergehend schließt. Doch es sind ja bis dato auch bereits 5 Wochen vergangen, in denen wir diesen Abstand hatten.

Ich fühle mich wieder gefestigt und der Schmerz sitzt nicht mehr zu tief. Ab und zu habe ich noch diese "Flashbacks" - plötzlich habe ich das Bild von den beiden wieder vor Augen und es kommt kurz alles hoch. Das darf wohl so sein, bis es vollends verdaut ist. Hattet ihr dies auch? Wie seid ihr damit umgegangen? Ich lasse es zu, fühle den Schmerz und lasse ihn dann wieder ziehen.

Ich bin gespannt wie sich der Alltag nun zeigt, zumal sich mein Mann letztendlich doch vollends auf das Geschehen in der Klinik einlassen konnte und die Therapeutin meinte, er habe sehr große Fortschritte gemacht und es sei kein Vergleich mehr zum Anfang, als er dort ankam.

Ich schicke Euch allen liebe Grüße und danke fürs Lesen!

21.03.2020 13:27 • x 2 #167



Hallo FireWoman,

Betrogen und nach 10 Jahren erfahren!

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FireWoman

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Nachtrag: Mich hat die Zeit auch nochmals sehr gestärkt, da sie für mich bestätigt hat, was ich dachte: Auch wenn ich alles alleine zu wuppen habe mit Kind und Kegel und Haus, schaffe ich das gut ohne zu denken "oh nein, alleine kann ich das nicht". Das gibt mir ein friedliches Gefühl, sodass ich nochmals wirklich weiß, ich kann auch alles alleine schaffen, wenn ich das möchte und ein Dableiben aus "anders schaffe ich es nicht" tatsächlich nicht meine Problematik ist.
Unabhängig zu sein und zu bleiben ist mir sehr wichtig im sinne meiner eigenen, gesunden Freiheit und damit tat sich mein Mann auch oft schwer, da er sich dann nicht gebraucht fühlte. Nun wünsche ich mir, dass dieser Klinikaufenthalt ihm auch näher bringen konnte, was er vorher schon wusste aber nicht umzusetzen schaffte: Wenn er mit sich selbst zufrieden und im Reinen ist, ist es schön beisammen zu sein, doch er lebt dann nicht (mehr) von dem Gefühl "Ich bin nur etwas wert, wenn ich gebraucht werde".

Dies fiel mir nun noch ein

21.03.2020 14:07 • x 2 #168


Zweizelgänger

Zweizelgänger


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Hallo,
ich finde es gut, dass ihr offensichtlich gemeinsam weiterkommt.

Was mir allerdings auffällt ist, dass du ausschließlich eine Veränderung und ein an sich arbeiten von deinem Mann zu erwarten scheinst.

Was würdest du denn davon halten, wenn du ebenfalls eine Therapie für dich machen würdest ?
Es war ja schon etwas, dass dich auch sehr belastet hat.

Alles Liebe.

21.03.2020 15:57 • x 1 #169


FireWoman

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@Zweizelgänger danke für Deine Antwort und ehrliche Meinung. Die Veränderungen seinerseits sind aus meiner Sicht tatsächlich sehr wichtig. Da er sich zunehmend psychisch in einer Abwärtsspirale befand und das sowohl für seine eigene Person, unsere Beziehung und auch unser familiäres Leben auf Dauer kein Zustand mehr gewesen wäre. Zuvor hatte er das phasenweise immer wieder "im Griff" zuletzt jedoch leider nicht mehr und unter diesen Voraussetzungen wäre es früher oder später aus meiner Sicht zerbrochen.

Jetzt am Mittwoch hätten wir in der Klinik gemeinsam eine Sitzung gehabt, leider fällt dies nun aus, da er abbrechen muss. Aber auch für die Zukunft bin ich einer Paartherapie nicht abgeneigt, sollte sich das als wichtig erweisen.

Ich bin selbst in diesem Bereich (Beratung) tätig und daher auch gut aufgehoben aus meiner Sicht, was die Bearbeitung angeht (man kennt sich untereinander). Zwar nicht im Sinne einer konstanten Therapie, aber durch Sitzungen, wenn ich das Gefühl habe, alleine etwas nicht bewältigen zu können. Aber den Gedanken hatte ich auch schon und werde ich auch ebenfalls nicht über Bord werfen.

Eine Veränderung meinerseits hat aus meiner Sicht schon sehr stattgefunden und da möchte ich auch dran bleiben: Für mich habe ich reflektiert, was ich dazu beigetragen habe und ich habe über die Jahre konstant an meinem Verhalten gearbeitet - meinem Mann Freiheit zu gewähren, statt ihn unter meine Fittiche zu nehmen und aus der Erwartungshaltung heraus zu treten, er müsse ein bestimmtes Bild erfüllen, das ich immer hatte. Aber das ist/war wirklich ein Prozess über Jahre und oft bedauere ich auch sehr, wenn ich zurück blicke, wie ich früher mit ihm umgegangen bin, das habe ich ihm auch bereits gesagt. Das macht für mich verständlich, jedoch nicht entschuldbar, weshalb es so kam, wie es gekommen ist, denn ich habe ihn durch meine Art sehr oft unter Druck gesetzt. Im Jetzt möchte ich dran bleiben, dieser offene und tolerante Mensch zu sein und zu bleiben. Und dann sind wir auch wieder beim Thema Vergebung und bei der Tatsache, dass jeder seinen Teil der Verantwortung tragen muss, damit es in eine gemeinsame Richtung gehen kann. Irgendwann habe ich einfach den Punkt eingenommen (als ich nicht zu ihm durchdringen konnte), dass ich diese Veränderungen dennoch durchführe, da ich es für mich tue und für alle zwischenmenschlichen Verbindungen in meinem Umfeld, sodass jeder sein darf wer er ist und ich damit meinen Frieden finde, statt stetig auf Krawall gebürstet zu sein durch Ablehnung - dies war sehr oft der Fall bei mir. Auch jetzt steigen diese Muster noch hoch, doch dann nehme ich mich zurück und gehe in mich selbst und hinterfrage meinen Anteil daran, statt auf andere zu schießen.

Ich hoffe ich konnte verständlich erklären, wie ich dies meine. Trotz allem, auch in Anbetracht meiner Anteile, sehe ich den wesentlichen Zug bei ihm, jetzt auch seine Verantwortung zu leben, die er lange versucht hat weg zu schieben, ja.

21.03.2020 16:23 • x 1 #170


Zweizelgänger

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Ich finde gut, dass du daran arbeitest und nach deinen Anteilen suchst und auch offen mit ihm darüber sprichst. Das halte ich sogar für das wichtigste, da ja sonst der Gegenüber gar nicht wüsste was sich bei einem selbst passiert.

Insgesamt denke ich trotzdem, dass euch eine Paartherapie gut tun würde.
Vielleicht gerade auch weil du offenbar in diesem Bereich tätig bist.
Ich kann mir nämlich durchaus vorstellen, dass er sich sonst eher in der Defensive fühlen könnte und so hättet ihr die Möglichkeit tatsächlich auf Augenhöhe daran zu arbeiten.

Abgesehen davon kann es ja auch mal schnell, wenn es einen selbst betrifft, zur "Betriebsblindheit" führen.
Kein Psychologe ist dazu in der Lage sich selbst zu therapieren.
Das geht einfach nicht, da wir alle unsere blinden Flecken haben, die für uns einfach nicht wahrnehmbar sind.

Ich wünsche euch auf jeden Fall alles gute.

21.03.2020 17:17 • x 1 #171


FireWoman

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@Zweizelgänger so ist es - diese Sitzungen mache ich natürlich auch nicht mit mir selbst, sondern jemand "mit mir"

Ja, alles weitere, da stimme ich Dir zu und ziehe ich in Betracht - sage danke für Deine Wünsche!

21.03.2020 17:56 • x 2 #172