Zitat von Blanca: sie und ihr Mann machten sich und einander nur was vor?
Danke Blanca! Mein Mann und ich haben uns nie etwas vorgemacht. Mein Mann holte mich in dem Wissen zurück, dass ich gefühlsmäßig noch ganz woanders war. Und ich ließ mich von ihm mit nach Hause nehmen, weil ich alleine in meiner schimmligen Wohnung, ohne Job und ohne Zukunft an meiner Depression gestorben wäre. Selbst das war mir aber zu dem Zeitpunkt nicht nur egal, sondern sehr recht. Ich ließ also alles um mich herum einfach geschehen. Auch das mein Mann und mein Sohn meine Kleidung wieder holten und die Einrichtung von einem Entrümpler abholen ließen. Ich lag damals für einige Tage im abgedunkelten Zimmer im Bett. Mein Mann formulierte meine Kündigung und ich unterschrieb sie. Danach wartete ich, dass die höher dosierten Medis wirken würden. Als das der Fall war, ging ich wieder zur Arbeit. Ich wusste, dass ich eventuell darauf angewiesen sein könnte, zurück zu gehen, wenn meine Ehe doch noch scheitern würde. Wenigstens die verbliebenen 2 Wochen Kündigungsfrist wollte ich durchhalten. Als dann der AM mich in einem Patientenzimmer erneut anbaggerte, meldete ich mich wieder krank und blieb der Arbeit fern. Erst dann vertraute ich mich meinen Chefinnen an, die beide großartig reagierten. Nur eine 3. eher unbeteiligte Führungskraft, die das ganz mitbekam, handelte sehr indiskret und brachte die Welle ins Rollen.
Wie gesagt, mein Mann und ich machten uns nie etwas vor. In der Therapie, die ich einige Monate später begann, kam alles auf den Tisch. Und zwar wirklich ALLES. Die Ehe hing noch sehr lange am seidenen Faden. Zum Glück konnte ich mich wieder stabilisieren und fand recht schnell eine neue Stelle. Hätte mein Mann aber nicht diesen Durchhaltewillen gehabt, hätten wir es nicht geschafft. Er hielt trotz allem an mir fest, weil er mich liebte. Und ich gebe zu, ich ließ mich viel zu lange von seiner Liebe tragen. Ich war in dieser Zeit nicht in der Lage, ihm das zu geben, was er verdient hätte. Und ich versuchte erst gar nicht, ihm etwas anderes vorzumachen. Meine Gefühle kamen nur sehr langsam zurück. Aber inzwischen sind sie wieder voll da. Er ist der Mann, mit dem ich bis an unser Lebensende zusammen sein will. Und aus irgendwelchen Gründen, bin ich diese Frau für ihn. Ich weiß, dass es sehr unverdient ist unser Glück. Jedenfalls für mich.
Aber vielleicht ist es genau das, was Liebe ausmacht? Die Liebe meines Mannes ist unendlich groß aber nicht bedingungslos. Ich weiß, dass er etwas ähnliches nicht noch einmal überstehen würde. Und ich weiß, dass ich so etwas nicht noch einmal überstehen würde. Der Abschreckungseffekt ist also durchaus auch vorhanden. Dennoch denke ich, am überzeugendsten ist einfach die Tatsache, dass wir es zusammen geschafft haben. Was sollte uns jetzt noch trennen?