Hm... was mich immer stört ist diese "fade", negativ angehauchte Sub-Message dabei.
Wenn ich sowas lese (Übrigens lebe ich in Hamburg und wir sind Single-Hauptstadt), dann denke ich oft: Und? Wo liegt das Problem?
Die Frage ist doch eher, ist die Allgemeine Vorstellung von "Single sein ist doof und Anstreben/Leben in einer Partnerschaft das Optimum" richtig/noch zeitgemäß...
Anthropologisch betrachtet gab es (bisher) immer Gründe eine (ich bin nun mal provokant) "Interessengemeinschaft" zu gründen. Das fällt mit der Gleichberechtigung, Sozialversicherungen, Entwicklung der Gesellschaft und dem Überfluss (Kapital in jeder Hinsicht, Lebensstandard, Konsum, Ressourcen jedweder Art) eben mehr und mehr weg.
Für die Erhaltung der Art ist/sind nur ein (paar) Paarungsakt(e) notwendig. Das ist wichtig zu wissen, denn das "Beziehungsmodell" wie wir es kennen/kannten, ist eher ein Auslaufmodell der ersten Welt bzw. reichen/satten Gesellschaften. Schaut man in die Schwellenländer oder gar Entwicklungsländer, so ist das Modell weiterhin populär, weil oft nötig.
Eine Partnerschaft ist vor allem eines: Bedürfnisbefriedigung - psychologischer und wirtschaftlicher Natur.
1. Welt:
Kein Mann muss mehr vor wilden Tieren schützen, das Futter ranschaffen oder die Nachkommenschaft schützen. Futter gibt es aus dem Supermarkt und im Notfall springt die Grundsicherung des Staates ein. Da wir mittlerweile am oberen Ende der Nahrungskette stehen (es lebe das Bewusstsein), sind wir auch im Normalfall allen "Fressfeinden" überlegen. Die Waffenkunst und das rationale Denken geben uns da einen großen Vorteil - primär in unserem Lebensraum. Klar, wenn man mit weißen Haien tauchen geht nur mit Badehose ausgerüstet, sieht es etwas anders aus. Das ist aber eben nicht der Normalfall.
Anerkennung und Wertschätzung kann man sich überall holen: Firma, Social Media, Game-Communities, Ehrenamt, usw.
Sechsualität: Ich glaube, hier muss ich nicht erwähnen, was da als Ersatz oder Beschaffung infrage kommt.
Zum Anderen sind die Bedürfnisse in "Überflussgesellschaften" auch ein stückweit verschoben worden. Durch die Befriedigung der Grundbedürfnisse und auch der Stufen darüber, bekommen "Selbstverwirklichung" und "Individualismus" einen völlig anderen Stellenwert. Falls ich es bis hierhin nicht getan habe, möchte ich die Bedürfnispyramide ins Spiel bringen und natürlich auch die psychologische Dynamik dahinter.
Ein Manager einer Unternehmensberatung in München wird eben diese Stufen (Selbstverwirklichung/Individualismus) für sich als essentiell ansehen - ein brasilianisches Kind, was auf der Müllkippe einer Favela nahe Rio Müll sortiert, wird eher an Nahrung und Selbsterhaltung interessiert sein.
Durch das Internet ist es eben auch möglich, weitreichende Ressourcen nutzen zu können, die früher unerreichbar waren - als Beispiele "sechsuelle Diensleistungen - jedweder Art" oder auch Reisen, was durch die Erhöhung der Konkurrenz den Preis im Sinne des Konsumenten verbessert hat. So ziemlich jeder kann von heute auf Morgen preisgünstig (vgl. 80er Jahre) in entfernte Länder jetten.
Das alles beeinflusst natürlich auch das Sozialverhalten sehr stark. Warum auf einmal für etwas einschränken, was man so leicht und auch unverbindlich bekommen kann? Zudem sind durch die Selbstverwirklichung auch Ansprüche angelernt/angenommen worden, die das Wort "Kompromiss" bald gänzlich (im Bereich soziale Bindungen) aus dem Wortschatz streichen.
Kann man alles doof finden, kann man kritisieren und sich beklagen - ändern tut das nichts. Ich glaube aber auch, dass diese "neuen, hoch aufgehängten Werte" vergänglich sind, eine Art Modetrend, der auch wieder abebben wird, wenn da eine Sättigung einsetzt. Oder aber, jeder Einzelne trifft für sich selbst eine Entscheidung, was und wie er im Leben wertet und worauf er/sie wert legt.
Ok, nach so viel Pragmatik und kühler Analyse, dürft ihr nun gerne die "Pretty Woman" oder eine Nicholas Sparks Verfilmung im Stream ansehen.
