Zitat von Annika82:Was ich sagen wollte ist, dass die ersten sozialen Kontakte, die man als Mensch hat, in der Familie stattfinden. Dabei kann Familie auch die nächste Betreuungsperson sein. Wir lernen das Verhalten dieser Menschen kennen und deuten. Später kommen für das Kind immer mehr Menschen hinzu, Freunde, noch mehr Familie, Kindergarten und Schule. Hier treffen wir bereits auf immer neues und anderes Verhalten. Manchmal fühlt es sich erst fremd an , aber oft lernt man den anderen kennen und erweitert damit seine Möglichkeit verschiedenes Verhalten zu deuten.
Also was du beschreibst ist im Grunde die Prägung durch das soziale Umfeld.
Diese Prägung hat ja insgesamt nicht nur psychologische, sondern auch physiologische Effekte in der Entwicklung.
Gerade in den ersten Lebensjahren werden hier ja besonders "Verknüpfungen" im Gehirn gebildet, was leider auch besondere Auswirkungen haben kann und warum davon ausgegangen wird, dass Persönlichkeitsstörungen nicht heilbar sind.
Dabei geht es ja unteranderem darum, dass Bereiche, die für Empathie und Mitgefühl zuständig sind, nicht so entwickelt werden, wie es bei gesunden Menschen der Fall ist.
Ich persönlich bin mir aber nicht ganz sicher, ob man nicht trotzdem in der Lage ist, diese Teile neu zu entwickeln, da man ja inzwischen weiß, dass das Gehirn sich ständig verändert und quasi, wie ein Muskel, trainiert werden kann, so dass neue Verknüpfungen und Zellen entstehen.
Sehr komplexes Thema.
Allerdings denke deshalb auch, dass leider auch der umgekehrte Fall möglich ist und falsche Verknüpfungen entstehen können, die dann aber, mit sehr viel Arbeit bzw Training, wieder neu verschaltet werden können.
Zitat von Annika82:Das geht ein Leben lang weiter. Irgendwann trifft man dann immer wieder ähnliche Muster und kann sie schnell einschätzen. Manche Menschen haben Eigenschaften, die einem attraktiv und vertraut erscheinen und man denkt, hier verstehe ich und fühle mich sicher. Gleichzeitig gibt es aber am anderen Seiten, die sind für einen selbst neu.
Tja und da fängt dann eben das Problem an, den wir nehmen genau diese Situationen als unsere Komfortzone wahr und glauben deshalb "im richtigen Film" zu sein.
Zitat von Annika82:Jetzt weiss man, dass jeder Mensch etwas Neues und Ungewihntes an sich hat. Das Vertraute überwiegt jedoch und man läast sich ein. Auch wenn man irgendwelche Alarmglocken in sich hört.
Das ist dann auch der Grund, warum es Menschen gibt, die aus Gewaltbeziehungen, schon aus der Familie, kommen und dies immerwieder erleben und durchleben.
Da liegt quasi der Fehler schon in der Auswahl, da hier das Vertraute, die "Komfortzone", eigentlich das Leid und die Gefahr darstellt, es aber auf Grund der Prägung, falsch eingeordnet wird.
Zitat von Annika82:Deshalb war mein Rat, dass Hansi nicht so streng mit sich und seinen übernommenen Anteilen sein soll.
Streng braucht man dabei natürlich mit sich selbst nicht sein, aber es sollte einem bewusst werden, was hier tatsächlich abläuft und ob das, so wie man es selbst wahrnimmt, auch wirklich richtig ist oder ob es sich hier um eine "Komfortzone" handelt, die in Wahrheit falsch angelegt wurde.