Hallo zusammen, mal wieder ein Update.
Gestern Abend kam mein Mann wie immer, damit wir mit den Hunden rausfahren können.
Er war sogar früher dran als sonst, was mir sehr entgegen kam, weil insbesondere unser ältester Hund (13 Jahre) immer mehr im Kopf abbaut und irgendwie ständig in Warteposition gerät, obwohl gerade die schon ewig gewohnte Ruhephase angesagt ist. Das ist für mich emotional sehr anstrengend, weil ich nicht weiß was er will, wie ich ihm helfen kann. So gehe ich zwischen morgens nach dem Gassi bis abends vor dem Gassi statt wie noch vor ein paar Monaten einmal, nein ca. 5 mal mit ihm in den Garten, weil ich denke, er muss vielleicht. Muss er nicht. Aber er signalisiert er will raus und ist er draußen, will er wieder rein und steht dann wieder erwartungsvoll, fast wie fragend, rum, statt zu schlafen. So geht das auch abends bis in die Nacht.
Ich kommuniziere das auch andeutungsweise mit meinem Mann, der Hund vermisst seine Anwesenheit, die ihn beruhigt. So fehlt halt jemand in der Familie. Auch hat er Stress-Dünnschiss, wie unser zweiter Hund auch, aber der ist aber auch auf mich gut bezogen, ihm fehlt natürlich sein "Papa", aber ich kann das eingermaßen ausgleichen. Ein ähnliches Verhalten zeigte unser ältester Hund auch bei den zwei Abwesenheiten über ein paar Tage, seit Mitte Juni, als das Drama begann und seit letzten Freitag, ist mein Mann nun eben zum dritten Mal "geflüchtet". Die Zeiten zwischendurch, wo mein Mann dann wieder normal hier zuhause war, war der Hund auch normal. Also es gibt einen klaren Zusammenhang und für mich ist das sehr belastend. Ich liebe diesen Hund, bin generell sehr tierlieb und ich kann leider alleine nicht das für ihn tun, was er braucht. Und ich werde das mir und ihm auch nicht ewig antun … Wenn mein Mann wirklich nicht mehr einzieht, dann muss ER sich was einfallen lassen. Auch sagte ich, dass eventuell ein Tierarzttermin hilfreich wäre, da könnte er sich ja drum kümmern (früher hab ich das immer alles organsiert). Er nickte nur.
Der Spaziergang an sich lief sehr harmonisch ab, anfänglich haben wir nur das nötigste geredet, dann über seinen Doc-Termin (er quatschte mich total zu), die Hunde, die nervigen Baustellen auf unserer Fahrt zum/vom Gassi und so weiter. Eigentlich war alles wie in "guten Zeiten". Ich hatte mittags noch ein Päckchen angenommen, es enthielt ein von meinem Mann bestellten Abschiedsgeschenk für einen Arbeits-Kollegen. Er fragte wie es aussieht, ich antwortete, dass ich es nicht geöffnet habe und er es nachher mitnehmen kann. Er meinte, er macht später ein Foto und schickt es mir. Ich nickte bloß und dachte, was interessiert mich das Geschenk … Na ja … er schickte dann tatsächlich später am Abend ein Bild und ich kommentierte bloß mit einem einem Smilie Daumen hoch.
Nun ja, nach dem Gassi die Hunde ins Haus und dann fuhren wir wie vereinbart Lebensmittel einkaufen. Auch da lief alles wie zu "guten Zeiten" ab. Er kümmerte sich um die üblichen Grundnahrungsmittel, kaufte auch für sich ein paar Kleinigkeiten und ich um Fleisch und Grünzeug etc. Ich fragte noch, ob wir einmal die Woche einkaufen gehen können (wie immer schon üblich) oder ich auf Vorrat kaufen soll. Er meinte, kein Problem, können wir jede Woche machen.
Zu Hause half er mir noch beim Reinbringen und Verstauen des Einkaufs, er hatte keine Eile. Von A-Z war er von Dienstschluss bis er ging, rund 3,5 Stunden für "uns" unterwegs. Er verabschiedete sich mit einem "bis morgen früh dann, wollte eine Waldrunde mit dem Hunden machen". Ich meinte darauf, wenn Du zu früh kommst, kann ich nicht mitkommen (ich bin um 6 Uhr einfach kein Mensch und absolut unleistungsfähig) und er meinte, geht nicht anders. Verstehe ich ja auch, 9 Uhr spätestens Dienstbeginn, mit 4 An- und Abfahrten, reicht die Zeit eh schon fast zu knapp. Also er hat von ca. 5 bis fast 9 Uhr "mit uns" bzw. seinen Hunden zu tun. Ich freue mich schon aufs Wochenende, dann gehen wir morgens später und dann auch zusammen. Die Gassigänge sind auch im Moment sehr wichtig für mich, nicht nur auf die Hunde hat seine Nähe und die "Normalität", wenn auch zeitlich arg reduziert, einen beruhigenden Einfluss. Immerhin konnte ich heute wenigstens mal mit etwas Genuss was essen, nicht viel aber egal. Ich bin inzwischen insgesamt ruhiger, wenn auch innerlich oft ruhe- und ratlos - ich versuche nicht so oft über alles nachzudenken, sondern muss so oder so warten, ob er nochmal einen Anfang startet, wenn er die Urlaubsvertretung erledigt hat und den Kopf freier - schließlich ist er weggelaufen und nicht ich.
Sein Verhalten könnte man als "zugewandt" verstehen … aber ich bin da gar nicht sicher. Um des lieben Friedens willen machte er schon immer vieles, auch um sein Gewissen zu beruhigen. Vor allen Dingen, wenn er wirklich ein schlechtes haben müsste. Und das sollte er haben, nach dem ganzen Zirkus, den er da veranstaltet (hat). Er hat sein Wort gebrochen und hinter meinem Rücken ohne Absprache seine Arbeitszeiten verlängert und unsere gemeinsame Zeit damit erheblich verkürzt. OBWOHL er wusste, wie wichtig mir Zeit für uns ist. Auch um nochmal aufzubauen, was in den letzten Jahren seiner stressigen Arbeit verloren ging.
Wir sind nicht mehr die jüngsten … haben viel Mist jeder für sich und 17 Jahre gemeinsam bewältigt und erlebt. Wollten zusammen alt werden, haben unser gemietetes Häuslein samt Garten schön hergerichtet, haben drei liebe Haustiere und finanziell kommen wir gut über die Runden, sind noch einigermaßen gesund und fit, viele gemeinsame Interessen. Und er sagte sogar mal: wenn ich schon sterben muss irgendwann, dann am liebsten mit Dir zusammen … Ich verstehe das so: ich will nicht, dass wir jemals getrennt werden.
Wie kann man dann für einen Job, der nun wirklich in seiner Lage nicht mehr allzu relevant für seine "Karriere" am Ende des erfolgrichen Berufslebens ist, seine Ehe kaputt gehen lassen?
Das ist einer der großen Fragen in meinem Kopf. Ich verstehe es nicht. Wenn er sich vielleicht verliebt hätte und eine Affäre hätte, die ernst geworden wäre und er quasi zu der anderen geeilt wäre, gäbe es einen Grund. Aber ich bin mir ziemlich sicher, es gibt (zumindest im Moment) keine andere Frau (ich kenne ihn zu gut) und er würde auch nicht so viel Zeit in seine "Familie" investieren. Er wollte nur in Ruhe seinem Job nachgehen können, ohne mich, die nörgelnde Frau, im Nacken zu haben und Rechenschaft über seine Abwesenheit ablegen. Und jetzt wohnt er quasi an seinem Arbeitsplatz … nicht mehr 15 Kilometer entfernt und kann immer "antreten" wenn sein Boss pfeift. Pfeifen kann der übrigens gut. Zum Beispiel am letzten Feiertag, FR. 15 August, klingelt gegen 16 Uhr das Handy, sein Boss ist dran, er bräuchte dringend den Schlüssel für was weiß ich, ob er kurz kommen könnte ihn bringen. Er hat so eine laute Stimme, dass ich die Hälfte gut verstand. KLAR sagte mein Mann, fahre gleich los … Ich dachte ich spinne, wir wollten uns gerade hinlegen und bisschen ruhen, weil wir abends auf ein Fest gehen wollten und es spät werden könnte. Mein Mann meinte nur, ich bin schnell zurück Schatz und das war er auch - keine 40 Minuten später war er wieder da.
Ich hab das nicht verstanden - er hätte doch einfach sagen können, geht nicht, hab was getrunken, kann nicht fahren. Schicken Sie einen Fahrer vorbei oder so was in der Art … Hab ich im Anschluss auch gesagt und meinen Mann gefragt, ob sein Chef den B*low**Job* genossen hätte … Ja, ich kann dann recht giftig werden und die Stimmung war natürlich etwas angespannt für den Abend …
Ich kann mich dann auch einfach nicht beherrschen und muss keifen, mein Mann kann nicht damit umgehen und sich wehren sozusagen oder mich beruhigen. Er schweigt dann nur … Da müssten wir uns beide ändern, aber da wir in den ersten 15 Jahren quasi niemals gestritten haben, gab halt keinen Grund, haben wir wohl keine Streitkultur aufbauen können … Wohl auch ein wichtiger Aspekt in einer Beziehung.
Schauen wir mal wie der Abend wird … gehen wieder eine lange Runde mit den Hunden.
Ich sehe diesen Thread übrigens für mich als eine Art Tagebuch, Gedankensortierung … ich habe keine Fragen und es muss keiner antworten.