Zitat:Ich weiß ja nicht, ob du damit (unter anderem) auch mich meinst, aber ich kann dir garantieren, dass meine Aussagen nichts mit Frauenverachtung zu tun haben. Eher mit Hilflosigkeit und Verzweiflung...
Leider gehöre ich nicht zu den südländischen Männern, die von Natur aus gut flirten können. Im Gegenteil, ich bin die totale Niete im Flirten.
Wie man das Ändern kann? Keine Ahnung, aber bestimmt nicht mit Tipps wie "du musst alleine glücklich sein".
Lieber @KGR , ich erzähle dir mal eine Geschichte. Ich war mal ein schüchternes Kind, irgendwann merkte ich, den Schüchternen gehört nicht die Welt. Also änderte ich mich. Ein schwieriger Prozess, aber möglich. Ich bin zwar heute noch introvertiert, aber laut dabei. Jahre später war ich in einer Branche ein bunter Hund, ziemlich erfolgreich, dauernd war und wurde ich "gefragt". Doch die Zeit kam, und ich wollte mich verändern. Hängte meinen Hut an den Nagel und ging. Wollte ein, zwei Projekte umsetzen, die ich für wichtig fand und mich weiterbringen konnten, Geld am Konto hatte ich - nur mein Super-Freund, den ich bis dato ziemlich durchgefüttert hatte, verließ mich, weil er plötzlich auch etwas beitragen sollte. Die tolle umschwärmte Frau war dann plötzlich nicht mehr so prickelnd, offenbar. Also stand ich da, gewohnt, 100 Anrufe am Tag und plötzlich 2, eine hinterrücks ausgeräumte Bude, die Erkenntnis, dass mich der W.xxer vermutlich schon betrogen hatte, als ich ihn noch zum Urlaub einlud, den er sich selbst nicht leisten konnte, der Trottel. Die Leute aus der Branche, die man liebgewonnen hatte, aber die man v.a. über die unzähligen Abendveranstaltungen automatisch sah - großteils weg. Liebesbriefe vom Finanzamt etc. Eine super Zeit. Großartig. Vielleicht kannst du dir das annähernd vorstellen, wenn man guter Dinge ist - und alles, wirklich (fast) alles wegbricht. Ich haderte, ich zauderte, ich zweifelte, ging unter.
Und dann: shicte ich drauf. Es dauerte seine Zeit. Aber ich habe alte und neue Kontakte wieder aktiviert. Ich ging zu Veranstaltungen, für die ich sonst nie Zeit hatte (so lernte ich übrigens auch meinen Mann kennen), ich war ein Monat im Ausland, um Abstand zu haben (am Sofa von einer Freundin). Ich kugelte natürlich auch lethargisch herum, aber sukzessive erkannte ich: Was für Facetten der Arnika ich grad ausleben und ausprobieren kann ohne jemand anderen, der mich dabei hemmt. Vorher war ich mehr (beruflich) Wirtschaftstussi, plötzlich trieb ich mich mit Künstlern und Philosophen herum. Ein Jobangebot erwuchs sich daraus, dann ein weiteres, eine Möglichkeit, die zwar monetär ein Rückschritt, aber an sich eine große Leidenschaft barg. "Handle stets so, dass sich die Zahl deiner Wahlmöglichkeiten erhöht", sagt Heinz von Foerster, einer der ersten Kybernetiker. Und all die kleinen und großen Schritte, die ich ging, die Niederlagen, die ich einstecken musste, die shice, die Kämpfe, die Freude - die machen mich mehr als je zuvor zu einem facettenreichen verständigen Menschen.
Deswegen hat sich überhaupt mein Mann in mich verliebt. Deswegen schwirren mir viele Herzen zu. Deswegen bin ich kein überheblicher Depp, sondern habe viel Verständnis - im dem Sinne, weil ich vieles im wahrsten Sinne des Wortes verstanden habe.
Und deswegen bin ich immer noch da, weil ich nicht überheblich bin, weil ich grad glücklich bin. Erstens sollte man etwas zurückgeben, an eine Community, die einen selbst aus der shice gehoben hat. Und zweitens kann man von jedem Menschen etwas lernen - und sei es nur, wie mans nicht macht. Selbst wenn man in der shice sitzt, selbst wenn man glücklich ist, alles ändert sich wieder. Die Frage ist nur, erkenne ich die Zeichen der Zeit, nutze ich die Möglichkeiten - oder nutze ich sie nicht.