@milano30
ja, auch ich denke bei diesem Thema manchmal an Mandela
Oder auch an Viktor Frankl.
Frage mich, was im Inneren eines Menschen geschieht, wenn er so etwas wirklich loslassen und vergeben kann.
Oder auch, wenn jemand, der so etwas erlitt, es nicht kann.
Ich kann beides nachempfinden.
Diese Worte von Dir bezogen sich auf meinen Gedanken, dass so etwas auch als gönnerhafte Pose rüberkommen könne (Opfer/Täter):
Zitat:Das sehe ich etwas anders, ich denke, dass ist wieder eine negative Bewertung.
ja, das stimmt und ich vermute, dass es nicht nur mit der Haltung des Empfängers (dem vergeben wird) zusammenhängt, wie so etwas ankommt, sondern auch, aus welcher (auch unbewussten) Mitivation heraus mitgeteilt wird, dass man vergibt.
Manchmal weiß man selbst nicht um diese Motivation.
Ist sie aber nicht absolut aufrichtig, könnte sie eben negativ aufgefasst werden.
Und, wie oben erwähnt, spielt dabei aber eben auch noch die Geisteshaltung des Gegenübers eine Rolle.
Hat er z.B. Schwierigkeiten sich Fehler einzugestehen? uvm.
Zitat:Vergebung heißt doch gerade ich lasse mich nicht mehr zum Opfer machen und ich mache den anderen nicht mehr zum Täter. Das wäre doch eher so, wenn ich ewig in Wut, Hass, Beschuldigungen und Anklage stecken bleiben.
das stimmt.
Dennoch gibt es ja noch etwas anderes, als einerseits Wut, Hass, Beschuldigungen und andererseits Vergebung, die ausgesprochen wird. Aber das kann ich nicht in Worte fassen weil solche Prozesse bei mir nicht rational ablaufen. Man hat halt seinen Frieden damit.
Ich tue mich schwer, etwas gescheites zum Thema zu sagen weil ich gerade dieses Thema nie rational lösen konnte und auch nicht rational erfasste, was da in mir passierte.
Zitat:I dont know, aber ich denke ich tendiere eher dazu ihm es nicht mitzuteilen.

ich weiß es auch nicht
Aber da es ja eine ganz neue Erfahrung für Dich ist (ich glaube 2-3 Tage her), würde ich dieses doch schöne Gefühl erstmal für mich behalten und schauen, was da weiter in Dir geschieht. Vielleicht bekommst Du im Laufe der Zeit automatisch Klarheit.
Ich meine z.B., dass auch mein Ex mir Unrecht getan hat und er sieht es eben nicht so.
Darum würde ich ihm nicht sagen, dass ich vergeben habe. Es brächte ihm nichts, er sähe sich vielmehr als Täter und würde vermutlich wütend. Und das bringt mir auch nichts.
Zudem spielt da bei mir in Bezug auf meine eigene Geschichte auch so eine Ahnung mit: ich habe ihn vielleicht unbewusst auch deswegen gewählt weil ich Widerstand statt Annahme suchte (natürlich niemals bewusst gewollt). Grob vereinfacht gesagt.
Es war im Guten wie im Schlechten meine Wahl.
Trotzdem spricht natürlich nichts dagegen, sich auch mal zu entschuldigen oder zu verzeihen.
Ich habe meine liebste Freundin vor etwa 1,5 Jahren so bitter enttäuscht.
Da könnte man meiner Logik zufolge jetzt auch sagen: sie hat sich diese Freundin mit ihren Begrenzungen gewählt.
Mag ja alles sein, dennoch tat ich ihr Unrecht und bat um Verzeihung. Es quälte mich richtig, was ich tat (und tut es leider noch) und in diesem Fall war es natürlich Balsam für meine Seele, dass sie mir verzieh.
Übrigens kein bisschen gönnerhaft von oben herab, eher beiläufig.
Naja aber hätte ich nun nicht eingesehen, dass ich ihr Unrecht tat, was hätte es bei mir und bei mir bewirkt, wenn sie auf mich zugekommen wäre und mir mitgeteilt hätte, dass sie mir verzeiht?
Und übrigens: meine Erfahrung mit dem Verzeihen ist es eben nicht, dass ich es tue,
damit ich nicht mehr wütend bin, damit ich aus der Opferrolle heraus komme. . .
Ich kann mir vorstellen, dass diese Motivation aufjedenfall ein guter erster Schritt ist, dennoch wirkt er auf mich recht gewollt (ich las so oft in Psychologiebüchern darüber). So funktional, was ja auch nicht verwerflich ist. Es schadet niemandem, doch ich erlebte Verzeihen nicht so. Da passierte etwas ganz anderes in meiner Seele, das fernab davon war und sich wunderschön anfühlt. Zuvor war auch ich jahrelang gequält.
Gute Nacht****