Zitat von whynot60:
Ich würde mir wünschen, in, sagen wir, 100 Jahren noch einmal auf die Welt zu kommen und dann zu hören, was diese Zeit zu den heutigen Psychoerkenntnissen zu sagen hat.
Das meiste wird dann wohl schon ins Genre Prosa fallen.
Mir fällt bei solchen Diskussionen immer der Fall der im letzten Jahr in Thailand wochenlang in einer Höhle gefangenen Kinder und Jugendlichen ein, über deren nachhöhlige Befindlichkeiten und Therapiemöglichkeiten (Eltern eingeschlossen) die Experten hierzulande sich lang und breit und wichtig ausgelassen haben. Wären sie denen in die therapeutischen Hände gefallen, hätten sie wohl allesamt jene Traumatisierung erlitten, die ihnen so glücklicherweise erspart geblieben ist. Samt natürlich der entsprechenden jahre-, wenn nicht lebenslangen Therapie.
Man muss das Schwein des Geburts- und Lebensortes haben, sonst kann es schnell kritisch werden.
Witzig, dass du das ansprichst. Spiritualität, Mystik, mystisches Wissen, magisch-mythisches Denken wie man es auch immer nennen möge, ist so alt wie die Welt. Sie ist im Menschen tief verwurzelt und birgt einen Schatz an Wissen und Weisheit, den wir endlich wieder umfassend bergen sollten. Gerade hinsichtlich des Zustandes unserer Beziehungen.
Ich plädiere jetzt nicht dafür, dass jeder sich umkrempeln soll von links auf rechts und Gott in sich finden soll, sondern eher, dass wir uns bewusst machen, warum empfindet ein Mensch, wie KGR Einsamkeit ohne eine liebende Partnerin an seiner Seite. Können wir dem mit noch mehr Programmen (Beispiel UK und sein Ministerium für Zauberei, Entschuldigung Einsamkeit), Zwangsablenkung, Apps und Dating-Wahnsinn entgegentreten. Wohl kaum, wenn das ganze Sozialgedöns eine Quelle des ganzen darstellt.
Einsamkeit bzw. unfreiwilliges Alleinsein ist ein nagendes Gefühl von Ausgrenzung, fehlender Teilhabe, sie ist ein implizites Werturteil i. S. v. du hast es nicht geschafft einen Partner zu finden und die Partnerschaft zu erhalten, mit dir kann was nicht stimmen, du darfst nicht mehr mitmachen. Einsamkeit ist mit Scham besetzt. Dabei ist es nicht mal das Alleinsein, was Einsamkeit erzeugt, sondern die Wertung dessen. Menschen fühlen sich ja ebenso mit Partner oder auch in Gesellschaft anderer einsam.
Wenn die Einsamkeit oder auch der Tod, als Teil unseres menschlichen Daseins anerkannt werden und die kreative Auseinandersetzung mit dem Alleinsein nicht mehr vermieden werden würde, dann würde beides nicht so stark tabuisiert. Schon von Kindesbeinen an würde wir beides leben und erleben: Gemeinschaft und Alleinsein. Es gibt in vielen spirituellen Kulturen einen Totenkult. Warum nicht auch einen Einsamkeitskult als Gegenentwurf zum Geselligkeitsideal?
Hier wird immer wieder gefragt, warum die Themen Selbstwert, Selbstliebe, Zufriedenheit mit sich selbst und leben des Status quo ohne vereinsamter Single zu sein oder dabei ein großes Unglück empfinden zu müssen, solch eine Rolle einnehmen. Zuletzt von Cinderella
Zitat:Ich frage mich gerade ob dieser ganze Freiheit, Selbstliebe, Augenhöhe und Unabhängigkeitskram nur eine Zeiterscheinung ist? Weshalb gibt es soviele Single und Allein?
Dahinter verbirgt sich die Frage danach, ob ich hier einem großen Selbstbesch iss aufsitze. Betrüge ich mich selbst, wenn ich nicht nur ein diffuses Gefühl davon habe, Alleinsein und auch Einsamkeit ist vielleicht gar nicht so übel und stattdessen einen ganzen Lebensentwurf mit der dazugehörigen Portion Selbstbewusstsein entwickelt habe?
Warum erscheint es so abwegig und unglaubwürdig, wenn Leute eben so für sich gewählt haben? Der negativen Bewertung des Alleinseins wird sofort geglaubt und viel Verständnis entgegengebracht. Es werden Studien zu den Folgen von Einsamkeit herangezogen und so die Tendenz, der ganzen Angelegenheit einer Schlechtigkeit beizumessen, verstärkt.
Wäre es da nicht sinnvoller den TE zu fragen (wie wir es hier reihenweise getan haben), was hat die Bewertung Deines Status quo mit Dir und dem was dich geprägt hat zu tun. Warum fühlst du dich unverpartnert so unvollkommen. Warum hast du das Gefühl du kannst dich beim besten Willen nicht auf die Suche nach deinen Antworten machen, die über ein -ich habe mich halt in Beziehung schon immer besser gefühlt- und ich habe ein Anspruch darauf, das zu bekommen, zu erhalten und davon nicht abweichen zu müssen, hinausgehende? Klar, kannst du sagen, verpartnert ist das Leben lebenswerter, zusammen ist man weniger allein oder so bekomme ich erst ein Gefühl für meine Existenz. Aber es wird Dir immer und immer wieder vor die Füße fallen, wenn du dann wieder in einer Trennungssituation steckst.
Tief verankerte Glaubenssätze verschwinden nicht durch einen Partner, sie können auftauchen oder überdeckt werden. Der Glaube weniger zu sein, weniger zu haben, weniger vom Leben zu bekommen, wenn man ohne einen Zweiten ist, hat etwas mit Bewertung zu tun. Er ist ein selbstkreiertes Stigma, das mir die Fesseln der Abhängigkeit anlegt. Und es gibt einen Unterschied zwischen Bindung und Abhängigkeit.
KGR du magst jetzt oder nie so weit sein, dass du dem Alleinsein eine positive Komponente beimessen kannst. Aber du kannst das Verstehen fördern, für Dich. Wahre Freiheit wird doch erst in gelebter Unabhängigkeit mit sich selbst erlebt, so meine These. Wie ich dich verstanden habe, möchtest du nicht nur verpartnert sein, sondern frei von unguten Gefühlen. Deshalb der Versuch hier, Dir die Werkzeuge der Erkenntnis an die Hand zu geben, um dich frei zu machen im Sinne von Self-Empowerment.
