@whynot60
Zitat:Ich würde mir wünschen, in, sagen wir, 100 Jahren noch einmal auf die Welt zu kommen und dann zu hören, was diese Zeit zu den heutigen Psychoerkenntnissen zu sagen hat.
Das meiste wird dann wohl schon ins Genre Prosa fallen.
Mir fällt bei solchen Diskussionen immer der Fall der im letzten Jahr in Thailand wochenlang in einer Höhle gefangenen Kinder und Jugendlichen ein, über deren nachhöhlige Befindlichkeiten und Therapiemöglichkeiten (Eltern eingeschlossen) die Experten hierzulande sich lang und breit und wichtig ausgelassen haben. Wären sie denen in die therapeutischen Hände gefallen, hätten sie wohl allesamt jene Traumatisierung erlitten, die ihnen so glücklicherweise erspart geblieben ist. Samt natürlich der entsprechenden jahre-, wenn nicht lebenslangen Therapie.
Man muss das Schwein des Geburts- und Lebensortes haben, sonst kann es schnell kritisch werden.
zu diesem speziellen Fall kann ich nichts sagen weil ich nicht informiert bin, aber ich verstehe was Du meinst.
Ich habe da eine ambivalente Haltung: einerseits sehe ich durchaus auch die Gefahren unreflektiert übernommener psychologischer Konstrukte (auch durch ausgebildete Leutchen in diesem Bereich) und habe das selbst erfahren (neben auch positiven Erfahrungen), andererseits denke ich an die Generation meiner Großeltern, teilweise auch der meiner Eltern. Viele dieser Menschen haben unglaubliches erlebt und ihr Leben ohne Unterstützung angepackt.
Viele dieser Menschen haben die Haltung: Ach was! Es war hart, aber hat mir nicht geschadet!
Einerseits zeigten diese Menschen viel Stärke, wo wir heute erstmal 10 Jahre eine Traumatherapie machen.
Andererseits muss man sich aber auch die Früchte dieser Haltung anschauen und das sind nicht selten schwere (auch körperliche) Erkrankungen, Süchte (damals oft Al koholismus) und schwer kranke oder völlig verhärtete Kinder.
So kann ich es jedenfalls in meinem Umfeld beobachten.
Ja, das Umfeld rum um meine Großeltern und Eltern war immer arbeitsfähig, klagte nicht. . ., aber sehr viele hatten schon mit 50. schweres Rheuma, Krebs, etliche OP`s, der Umgang untereinander ist derartig grob, dass mir, als ich es erlebte, das Blut in den Adern gefror. Die Härte eines Großvaters und einer Großmutter hat mich wirklich umgehauen.
Und wenn ich mir anschaue, was deren Kinder und Enkelkinder für ein Leben führen, sehe ich Härte, Krankheit, Schmerz, Missbrauch.
@milano30
Zitat:Witzig, dass du das ansprichst. Spiritualität, Mystik, mystisches Wissen, magisch-mythisches Denken wie man es auch immer nennen möge, ist so alt wie die Welt. Sie ist im Menschen tief verwurzelt und birgt einen Schatz an Wissen und Weisheit, den wir endlich wieder umfassend bergen sollten. Gerade hinsichtlich des Zustandes unserer Beziehungen.
da bin ich ganz bei Dir, aber heutzutage gilt das als Hokuspokus und wir wähnen uns diesem alten Denken so überlegen.
Aber gerade in diesen Zeiten lebten die Menschen ja immer im engen sozialen Verbund
@KGR
Zitat:Ist es nicht normal, dass man sich alleine fühlt, wenn man zu wenig soziale Kontakte hat?
Und ist es nicht normal, dass man sich mit fast 30 eine Beziehung wünscht, in der man glücklich ist?
ja, ist es.
Zitat:
Für mich ist die Frage: "Wie lerne ich, mehr Kontakte zu knüpfen", und nicht: "Wie lerne ich, das alleinsein auszuhalten."
das halte ich in Deinem Fall auch für richtig. Nur hängt beides miteinander zusammen. Wenn es lange partout nicht mit Kontakten klappen will, ob in der Liebe oder Freundschaft, dann zeigt dass, dass man verhindernde Muster in sich trägt. Und die macht man eben ausfindig, wenn man sich selbst begegnet, sich mit sich selbst auseinander setzt.
Oftmals müssen wir gar nicht noch mehr tun, uns noch mehr optimieren, noch gewitztere Taktiken ausfeilen, um endlich geliebt zu werden, sondern lernen Widerstände, verhindernde Verhaltensweisen abzulegen.
Also Zulassen, statt weiter zu verhindern, dann aber über diese Verhinderung hundert Taktiken drauf zu legen.
D.h. z.B. nicht wie verzweifelt Kontakte suchen, sondern sie zulassen. Oder sich einzulassen.
Oder nicht wie verrückt an einem lieblosen Partner herum doktern, damit er doch endlich beziehungsfähiger wird, sondern selbst lernen, liebevolles Verhalten anzunehmen.
Oder Ängste, Glaubensmuster loslassen, statt mit diesen neue Taktiken des Kontakts -oder was auch immer- einzuüben.
Das betrifft auch viele andere Lebensbereiche und ich selbst ertrappe mich wiederholt am Verhindern.
Ich persönlich kämpfe da seit Jahren mit in einem bestimmten Lebensbereich und rutsche immer wieder in die Vermeidung, obwohl ich es schon anders erlebt habe.
Ich habe ein Ziel (das nichts mit Beziehungen zu tun hat) und ertappe mich wieder und wieder dabei, da voller Angst und Anspannung heran zu gehen. Tausend halbbewusste Glaubenssätze wabern im Untergrund.
Jetzt stelle Dir mal vor, wie erfolgreich ein Mensch mit so einer Haltung irgend etwas tun kann
Manchmal bin ich so blöde und versuche es trotz dieser inneren Haltung mit noch mehr Disziplin, mit noch mehr Anstrengung, bis ich kollabiere. Heißt über die Vermeidung wird Disziplin gepackt.
Statt dessen muss ich wiederholt diese Vermeidungsstrategien loslassen und dann fließt es von ganz alleine.
Habe das oft erfahren, dennoch sitzen meine Muster tief.
Nicht anders läuft es auch auf der Beziehungsebene.
Hat man eine beziehungslose Haltung (meistens nicht bewusst), bringt es nichts, 10 soziale Situationen aufzusuchen und ein paar Dinge einstudiert zu haben, die kurzfristig gute Effekte erzielen.
Nochmal: auch ich halte schöne menschliche Beziehungen für sehr wichtig für das Wohlbefinden.