Zitat von KGR:Es ist schon komisch. Ich hatte eine anstrengende Woche, hab mich schon am Mittwoch aufs Wochenende gefreut und jetzt? Den ganzen Samstag bin ich schlecht gelaunt, weil ich mal wieder alleine zuhause bin, mir eigentlich nichts wirklich Spaß macht und es eh nur langweilig ist. Am Montag werd ich es wahrscheinlich bereuen, dass ich nichts Spaßiges gemacht hab, aber mal ehrlich? Ich kann nichts wirklich genießen. Natürlich könnte ich etwas unternehmen oder irgendwo hinfahren, aber es ist eben nicht dasselbe wie wenn man zu zweit ist. Inzwischen geht mir das auch schon extrem auf die ...
@KGR Ich kann dir mehr nachfühlen, als du dir vorstellen kannst. Es erging und ergeht mir ganz genauso grau und gleichgültig wie dir, nachdem ich von einem Tag auf den anderen wieder alleine Zuhause saß und mich wehleidig fragte, wie in Gottes Namen ich alleine jemals wieder Spaß, Freude und Glück, Liebe, Nähe und Zärtlichkeit erfahren soll. Jede Handlung, sei es das Duschen, das Baden, das Abwaschen, das Seriengucken, das PS4-Zocken, das "Ins Kino gehen", ja gottverdammt sogar das Schlafen und das S-Bahn-Fahren waren alleine plötzlich völlig leer, öde, eintönig und traurig, weil sie mich an das Lächeln und die Gespräche mit meiner Ex erinnerten.
Ich bin noch nicht darüber hinweg, deshalb kämpfe ich selber noch von Tag zu Tag. Ich kann dir auch nicht sagen, was dir helfen wird, aber ich kann dir sagen, was mir durch den Kopf geht und was mir half. Und eins kannst du mir glauben: Ich glaubte in den ersten Wochen, dass ich nie wieder Freude am Leben empfinden könne. Ich war eine Hülle ohne Inhalt, emotionslos und hoffnungslos. Diese Hülle füllt sich allmählich, wenn auch nur langsam, aber sie tut es.
Ich könnte dir eine lange Liste schreiben an Dingen, von denen ich glaube, dass sie mir gut tun (unter anderem dieses Forum hier seit Neuestem

), aber ich gebe dir nur zwei, die ich ganz besonders wertschätze:
i) Ich habe mitgemacht, einfach nur mitgemacht. Ich wandte mich an meine Freunde und fragte, ob ich mitmachen könnte, bei verschiedenen Sachen: Bouldern, Kino, Spieleabende, Festivals, alles mögliche. Ich hatte keine Lust drauf und ich war eine wandelnde Leiche. Aber manchmal, und später immer öfter, gab es positive Momente und Glückgefühle. Das Gefühl, frei zu sein von der ständigen Wertung meiner Ex, frei von ihren Wünschen und Meinungen, frei von ihr und glücklich ganz allein, das war göttlich, wenn auch nur kurz und momentan. Ein Gefühl, das ich völlig vergessen hatte. Natürlich merkten die anderen, dass es mir mies ging. Und sie gingen darauf ein, schenkten mir Trost und ertrugen mich ganz liebenswert in dieser Zeit. Auch heute noch gehe ich zu vielen Dingen, auf die ich eigentlich keine Lust habe, aber alles nur, um der Einsamkeit Zuhause zu entfliehen. Lieber unter Menschen traurig sein, als Zuhause alleine. Und das darf ich, und das kann mir niemand verbieten. Es tut mir gut, verdammt, wenn auch immer erst im Nachhinein.
ii) Du darfst traurig sein. Du darfst Lustlosigkeit empfinden. Du darfst anderen gegenüber zeigen, dass es dir schlecht geht, wenn du dich so fühlst. Verurteile dich nicht dafür, dass du gerade keine Lust und Freude verspürst. Das ist menschlich. Es verurteilen uns andere schon oft genug in unserem Leben, ja vermutlich auch jetzt eben gerade irgendjemand irgendwo. Da brauchen wir uns nicht auch noch selber verurteilen und geißeln für unsere Emotionen, unser Empfinden, unsere Schwächen und unsere Handlungen, ganz gleich welche das wären. Für mich persönlich war das ein völlig neues Lebensempfinden, das glaubst du gar nicht. Der Moment als ich jemanden sagen hörte: "Du darfst dich lieben" war so schön ... Aber das macht den Schmerz nicht geringer, den die Trennung uns zugefügt hat. Ich finde das zeigt, wie empathisch du bist, KGR, wie viel dir die Beziehung bedeutet hat. Das macht dich so unglaublich sympathisch, das macht dich so wundervoll menschlich.