Zitat:Übrigens habe ich gestern beim Tippen hier einen Gedanken weggelassen (wegen Ermüdung): ich selbst bin mir mittlerweile nicht mehr ganz so sicher, ob ich eine Liebesbeziehung führen möchte. Es ginge nur mit einem sehr speziellen Mann, der ähnliche Lebens-und Beziehungsvorstellungen hat
Ich verstehe dich gut, mir ging es ähnlich, bevor ich meinen Mann kennenlernte. Und noch darüber hinaus - wir kamen bei Weitem nicht gleich zusammen. Wir haben uns wie der Fuchs und der kleine Prinz langsam angenähert und "gezähmt". Mit ihm philosophiere ich schon zum Morgenkaffee über die Welt, mal sind wir kindisch wie verliebte Teenies. Und wenn ich ihn einmal nicht mehr haben sollte, glaube ich nicht, dass ich nochmal einen Mann in meinem Leben haben werde. Da müsste mir noch einmal so ein besonderer Mensch begegnen - ich glaube nur, diese Liebe auf diesem Niveau zweimal zu erfahren, ist mehr als selten. Und weniger ist dann öd und kann man sich auch ersparen.
Klar gehört es dazu, dass wir als Teenies anfangen, unsere ersten Beziehungen zu leben, dann werden die Beziehungen erwachsener, man hat den einen oder anderen Griff ins Klo oder kommt drauf, dass sich Liebe in Freundschaft wandelt. Und dann ist man Single, leidet erstmal und erkennt dann, man muss mal keine Kompromisse eingehen, knüpft neue Freundschaften, macht andere Dinge als in der Partnerschaft und lernt sich selber besser kennen. Und ja, manchmal hat man auch Übergangsgeschichten, bei denen von vornherein klar ist, wir machen uns miteinander vielleicht einen schönen Sommer, aber mehr ist das nicht. Wenn man viel viel Glück hat, erlebt man auch die große wahre aufrichtige Liebe, aber das passiert bei weitem nicht allen. Die meisten leben in sehr lauen Beziehungen halt so dahin.
Weil es aber in unserer Gesellschaft oft noch immer dazugehört, dass man sich als Single wie die alte Jungfer von anno dazumal fühlt, wird oft an Beziehungen festgehalten, die man eigentlich loslassen sollte, wird betrogen und gelogen. Hauptsache, man ist nicht allein und die anderen nehmen einen nicht als allein wahr. Das wird dann als "Werte" verkauft. Und so an einer Beziehung festzuhalten, zu klammern hat oft nichts mehr mit Liebe zu dem anderen oder einem selbst tun. Man baut sich selbst ein Gefängnis aus Angst und Image. Man hat nicht so sehr Angst, diesen einen Menschen zu verlieren, sondern den Partner zu verlieren. Das ist menschlich, aber Liebe wie in einem Hollywood-Film ist das dann nicht.
Und genau deshalb wird hier so steinmühlenartig gepredigt, dass man mit sich selbst glücklich sein muss, sich selbst lieben muss, um wahres Glück und Liebe zu erkennen, zu empfangen und teilen zu können. Man kann als Single glücklich und in einer Beziehung total unglücklich sein. Das Forum beweist das sehr gut. Wenn ich aber als Single unglücklich bin, dann ist die Chance, dass ich in der nachfolgenden Beziehung noch unglücklicher bin, eben sehr hoch.
Niemand soll hier seine Gefühle verleugnen, und natürlich hat jeder mal Phasen, da zipft einen alles nur noch an (soll übrigens auch in Beziehungen vorkommen

) Aber sich selbst wieder Glücksmomente zu schenken, gut zu einem selbst zu sein, das kann man lernen. Was Neues auszuprobieren, neue Menschen kennenzulernen, neue Erfahrungen zu machen, die man so in einer Beziehung nicht gemacht hätte. Das macht das Leben bunt und spannend. Und wenn man es bei sich selbst gelernt hat, kann man das auch einem anderen schenken. Ob einem Partner, der traurigen Kollegin oder dem Nachbarn.
Pures Glück ist ohnehin flüchtig, aber Freude kann man jeden Tag fühlen. Vielleicht nicht im akuten Trennungsschock, aber wenn der gesackt ist, dann schon. Muss man nicht, kann man aber. Und ich kenne mich deswegen nicht weniger mit Alleinsein, Glück und Zufriedenheit aus, mit Beziehung und Partnerschaften aus, weil ich alle diese Lebensphasen kenne, daran gelernt habe und mich selbst von durchaus dunklen Momenten wieder ins Licht katapultiert habe - und das nicht wegen meiner Partnerschaft, sondern bei Weitem vorher - sondern vermutlich eher im Gegenteil
