Guten Morgen Whynot,
Zitat:Nun fragt sich nur noch - wo bleiben die psychiatrischen Ausraster? Das aus den tiefsten Quellen hervorbrechende Unbeherrschte, das nächtlich Abartige und Schattenversteckte?
Vielleicht solltest Du den Zutritt zu Deiner Klinik nur dann gestatten, wenn vorher keine Pillen genommen worden sind.

Dieser Klinikgründer, von dem ich schrieb, war auch vorher Klinikchef in Psychiatrien. Ein sehr erfahrener Arzt, der zwar ein recht gesundes bodenständiges Leben führte, aber selbst unglücklich war.
Er schreibt, dass er jahrzehntelang nach neuen Gedankenansätzen für die Therapie suchte weil er sah, dass der Klinibesuch selten zur wirklichen Besserung führt.
Das Schlüsselereignis seines Lebens war dann eine Gruppe von etwa sieben Männern, die man damals als Totalgescheiterte betrachtete. Sie hatten Therapien und Co hinter sich und galten als untherapierbar. Alle Schwerstalk oh oliker, die alles im Leben verloren hatten und zudem schon etwas betagter waren. Sie hatten sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen, der dieser Mann in der Rolle des Arztes beiwohnte.
Er schreibt, dass dieser Abend etwas in ihm bewegte, was keine Theorie, keine Weiterbildung je zuvor tat.
Und er war auch etwas beschämt weil er zwar als Arzt dabei war, sich aber in jedem Wort dieser Männer wieder erkannte, sich also tief angesprochen fühlte, obwohl er selbst nicht trank.
Dieses Erlebnis führte bei ihm zum Umdenken und schließlich zur Klinikgründung, die wirklich jenseits aller Normkliniken war.
Das Heilsame bestand für ihn in der zutiefst liebevollen menschlichen Begegnung dieser Männer miteinander. In der radikalen Ehrlichkeit und Offenheit.
Er stellte fest, wie unsagbar wichtig die liebevolle Begegnung ist, das sich komplett authentisch zeigen dürfen. . .Ohne Ablehnung, ohne Wertung, ohne dass therapierend eingegriffen wird, ohne Beschönigung usw. Also sozusagen die absolute Annahme. Er erkannte, wie sehr das die Seelen beruhigt; dass wenigstens für Momente durch echte Nähe auch ein total übergeschnappter Mensch plötzlich zur Ruhe findet und ganz "normal" wird
Habe ähnliches ja auch einige Male im Leben erlebt.
vielleicht erinnerst Du Dich daran, was ich im letzten Jahr im Forum erzählte: dieser Mann, der wie ein völlig wahnsinnig gewordener am Bahnhof herum rannte und schrie und schrie, u.A. "Ich brauche Liebe!"
Der war wirklich extrem, es wirkte auch nicht wie ein kurzer Aussetzer. Normalerweise mache ich um völlig Durchgeknallte einen Bogen, aber irgend etwas trieb mich, ihn einfach im Arm zu halten, obwohl er so tobte und ich mir bewusst war, dass es auch hätte gefährlich werden können. Aber ich vertraute meinem Gefühl. Völlig absurd, ich hielt also diesen fremden Mann im Arm, bis er sich beruhigt hatte. Danach konnte er plötzlich normal kommunizieren. Wir verabschiedeten uns und ich sah ihn 2? Tage später wieder. Er war nach wie vor tottraurig, aber wirkte ganz normal, sozusagen auf dem Boden gelandet.
Damit will ich aber keineswegs sagen, dass uns alle eine bloße Umarmung völlig verändert! Nur erklären, warum hier bisher die psychotischen Aussetzer fehlen. Scherz
Gestern hatte ich weiterhin übelste Magenkrämpfe und kämpfte mich durch den Tag. Ich hoffe, ich darf das hier schreiben @GiuliettaV ? Giu hat mir etwas so warmherziges geschrieben und mir ein Engelchen geschickt, dass ich plötzlich runter kam, ruhig wurde, ganz berührt und schüchtern vom Computer wegging, mich in inniger Umarmung mit meinen Stoffreunden ins Bett einrollte und heute Morgen wachte ich schmerzfrei und ruhig u zufrieden auf
Darum auch von mir heute nichts aus den tiefsten Quellen hervorbrechend Unbeherrschtes, oder nächtlich Abartiges und Schattenverstecktes
Ysa
Zitat:Habe mich neulich auch gefragt, wie Freud auf diese Peni sneid Geschichte kam? Genauso könnte man doch eine Theorie ersinnen, die den Männern einen Gebärneid zudenkt.
Whynot
Zitat:Das klingt zwar logisch - aber um einen Gebärneid zu entwickeln, dazu sind Männer zu wehleidig und zudem zu unbeständig und eigensinnig (die sehen teilweise ja sogar das eigene Kind als Konkurrenz).
naja, damals aber mussten Männer z.B. dauernd im Krieg kämpfen. Sie konnten sich nicht erlauben, wehleidig zu sein.
Und ich meine das ernst. Mir persönlich erscheint die Pen isneidtheorie total an den Haaren herbei gezogen, bzw. wie ein Kopfkonstrukt. Aber ich weiß es natürlich nicht, müsste mich dazu mehr belesen.
Wenn man genauso, wie auch die Männlichkeit, die Weiblichkeit stilisieren würde, sähe man in der Gebärfähigkeit der Frau ja nicht bloße, auch sehr schmerzhafte biologische Vorgänge, sondern ein Wunder. Eben das Wunder des entsehenden Lebens.
Zitat:Also bleiben nur Penineid und Kastrationsangst, um Erklärungsnöte zu beheben. Es gibt z. B. ja auch eine Eingeborenenkultur, in der dieser Neid durch eine übergestülpte gewaltige Hülse von vornherein verhindert wird. Kann allerdings sein, daß das Zeichen des Häuptlings eine dreimal so große Penihülse ist, damit auch jeder gleich sieht, wer hier das Sagen hat und wo und wie der Hammer hängt.

mich würde sehr interessieren, inwieweit der Pe nis eher Symbol war, oder ob die Größe des Geschlechts auch im realen Umgang der Menschen miteinander etwas über Männlichkeit, Po tenz oder Stärke aussagte. Also, ob man einen gut bestückten Mann tatsächlich für den pote ntesten hielt.
Zitat:Naja, mir scheint der Todestrieb nicht gar so unerklärlich. Den letzten Ausweg des Todes zu haben trägt nicht unwesentlich zu einem freien Leben bei. Und es scheint mir auch nicht so abwegig, daß ein tiefes Sich-unglücklich-Fühlen den Selbstvernichtsdrang mobilisieren kann. Ja sogar der Zustand durchaus glückseliger Melancholie, in dem man nur noch schweigenden Abend atmet und nicht mehr weint vor Trauer, sondern vor schimmerndem Abendrot, kann die Sehnsucht nach einem Abschied von dieser doch recht holprigen Welt mächtig werden lassen.
Mich z. B. würde das eher anstacheln als Unglück, das mich vielmehr zum Kampf herausfordert und somit gerade den gegenteiligen Trieb mobilisiert.
sehr schön geschrieben! Und ich stimme Dir zu, aber für mich las es sich so, als ob Freud meinte, der Todestrieb sei etwas ähnliches, wie etwa der Sechsualtrieb und zudem etwas Destruktives, das dem konstruktiven Lebenstrieb ein Gegenpol ist.
Das, was Du aber beschreibst, scheint mir kein von Geburt an natürlicher Trieb zu sein, der wie der Sechstrieb auch ganz ohne Gedanken auskommt und eine Art zerstörerische Naturgewalt ist. Verstehst Du?
Das von mir Markierte ist ja eher etwas, das durch den Geist entsteht, nicht aber ein archaischer Zerstörungstrieb.
So scheint es mir aber nicht zu sein. Ich glaube eher, dass alles Leben erstmal wachsen, blühen möchte. Wozu durchaus auch Aggressionen gehören können. Aber wo in der Pflanzen- oder Tierwelt gibt es einen fremd- oder selbstvernichtenden Grundtrieb, der von Grund auf besteht?