mitsubi
Gast
Ich kann einiges Deiner Erfahrungen nachempfinden. Mein Vater ist zwar sehr liebevoll, aber er war immer mit meiner leicht narz. angehauchten Mutter beschäftigt. Im Grunde war mein Vater der abhängige Part. Ich hab nie liebevolle Zuwendungen meiner Mutter erfahren, im Gegenteil. Ich hatte immer das Gefühl lästig, dumm und nicht selbstwirksam zu sein. Meine Eltern waren immer nur mit sich selbst beschäftigt, ich wurde nie gefördert. Ich war halt da; mehr auch nicht. Mit der Scheidung meiner Eltern, als ich 12 war, war ich noch mehr meiner überforderten Mutter ausgeliefert. Ich glaube, sie war damit überfordert meine Bedürfnisse zu erkennen und zu stillen. Vor allem die, die mit mütterlicher Liebe zu tun haben. Sie hat es selbst nie erfahren.
Ich empfinde es ebenfalls als komisch, sie zu umarmen. Nähe kann ich bei ihr noch weniger als sonstwo. Bei Freunden ist es auch anders. Bei Männern kann ich körperliche Nähe ertragen, auch sehr gut. Aber emotionale Nähe kenne ich eigentlich kaum, wenn ich mal länger drüber nachdenke. Und ich hab immer Männer gehabt, die ebenfalls nicht verfügbar waren.
Da ich mich viel mit dem Thema beschäftige, denke ich, dass es schon im Kleinkindalter begann. Meine Mutter hatte Angst mich zu halten, als ich ein Säugling war. Das erzählte mein Vater, als ich letztes Jahr ihm erstmals erzählte, wie schlecht es mir eigentlich ging. Einige Jahre zuvor war er noch der Meinung, meine Mutter sei eine gute Mutter gewesen. Ich war damals etwas geschockt.
Der YT- Kanal von Dami Charf und ihre Homepage haben mich viel gelehrt über die frühkindliche Entwicklung bzw das Entwicklungstrauma. In der Beschreibung der Symptome finde ich mich gut wieder.
So weiß ich also, woher meine Probs stammen und das ich einen guten Grund hatte, meine Mauern so hoch zu bauen. Ich bin nicht klammernd. Aber ich kann nur wenig empfinden. Außer Angst und Unsicherheit, die kommt durch. In meiner letzten Bez habe ich das aber nicht angesprochen, erst als es schon zu spät war. Ich kann mich schlecht abgrenzen. Ich weiß gar nicht, was richtig oder falsch ist. Wo genau meine Standards liegen. Ich hab es nie gelernt und da meine Vorbilder denkbar schlecht waren, halte ich Situationen, die für meinen Partner unangenehm sind, gut aus. Ich kenne es ja nicht anders.
All das Wissen darüber empfinde ich derzeit als Bürde. Kognitiv hab ich fast alles erfasst. Ich stehe nun vor der Umsetzung und das bedeutet, in die Angst zu gehen. Beruflich bedeutet das, die Schritte zur Umorientierung einzuleiten. Mir macht das sehr viel Angst, da ich denke, nichts zu können. Ich bin seit zwei Monaten freigestellt und viel allein. Mittlerweile muss ich mich teilweise zu sozialen Kontakten aufraffen. Ich mache das zwar, aber es ist oft anstrengend. Für mich ist alles ein Kampf gerade, da ich meine Unsicherheit nun allgegenwärtig ist, jetzt wo sie bewusst ist. Sie war ja schon immer da, nur hab ich sie verdrängt. Man hielt mich immer die unnahbare, erfolgreiche Lady. Alles Fassade.
Meine Baustellen anzugehen bedeutet für mich also, Schritt für Schritt in den absoluten Neuanfang zu gehen. Trotz Angst. Es kann nicht alles auf einmal gut werde, es ist ein Prozess und ich steh am Anfang. Manchmal bin ich tieftraurig, weil ich dann denke, ich werde nie ein leichtes Leben haben können. Das fehlende Urvertrauen lässt sich aus meiner Sicht nicht ersetzen. Man kann nur anders damit umgehen, sich quasi mit den eigenen Dämonen an einen Tisch setzen. Sie werden nie verschwinden. Mal werden sie kleiner sein, dann wieder größer.
Aber ich hab halt keine andere Wahl. Das Leben bisher war ja auch nicht das Nonplusultra. So viele Männer, so hohe Mauern.
Aus dem Gedankenkeis bin ich auch noch nicht raus. Denke noch jeden Tag an meinen Ex. Ich akzeptiere es, so wie es ist und versuche, einen Schritt nach dem nächsten zu gehen.

...was ich da schon "überanalysiert" habe....es liest sich vieles eben anders als wenn man es einem sagt...ISS SO