@Ben Ich bin noch wach genug.
Deine Zahlen kommen vom statistischen Bundesamt. Bei kinderlosen Paaren verdienen 51% der Männer mehr, 12 % der Frauen sind Hauptverdiener und bei 37 % verdienen beide etwa gleich viel.
Zu der Frage, warum das so ist, hat sich sowohl die Bundeszentrale für politische Bildung als auch das WSI Gedanken gemacht. Hier die KI-Zusammenfassung der Studien "Erwerbskorrelationen in Paarhaushalten 2022" (WSI) und "Einkommens- und Vermögensungleichheit" (BpB) hinsichtlich des Geschlechteraspekts:
"Studien deuten darauf hin, dass beide Effekte eine Rolle spielen: Frauen tendieren häufiger dazu, Partner mit höherem Einkommen zu wählen (hypergamer Partnerwahl), während Männer seltener Frauen mit deutlich höherem Verdienst heiraten. Zudem wirken sich steuerliche Anreize wie das Ehegattensplitting aus, das Zuverdiener-Modelle begünstigt, und Unterschiede in Berufswahl sowie Arbeitszeit (Männer öfter in besser bezahlten Branchen)".
Männer heiraten also nicht nur seltener Frauen mit deutlich höherem Einkommen, sondern Ehen, in denen sich die zunächst "klassische" Einkommensverteilung ändert, überleben das auch seltener.
Das ifo-Institut hat noch genauer eingesehen und die Einkommensentwicklung bei Paaren untersucht (Artikel "Einkommen von Frauen sinken nach Heirat um 20%" von März 2025):
"Unsere Untersuchungen zeigen, dass sich in einer Ehe die Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau vergrößern, und das unabhängig von der Geburt von Kindern“, sagt ifo-Forscherin Elena Herold.
Ein Grund für die Verringerung der Arbeitszeit seien laut der Studie Fehlanreize im Steuersystem. „Ein Viertel der Einkommensverringerung bei Ehefrauen ist auf das Ehegattensplitting zurückzuführen“, sagt Herold. Zudem seien Geschlechterrollen ein wichtiger Grund für den Einkommensrückgang. So hätten beispielsweise Frauen, die in Ostdeutschland mit moderneren Rollenbildern aufgewachsen sind, einen geringeren Einkommensrückgang in der Ehe als Frauen mit traditionellen Geschlechterrollen in Westdeutschland. Die Studie zeigt außerdem, dass die Reform des Scheidungsrechts von 2008 keinen Einfluss auf das Einkommen hat. So blieb ein geringerer Unterhaltsanspruch, der für mehr Arbeitsanreize sorgen sollte, ohne messbaren Effekt auf das Einkommen von verheirateten Frauen."
"Längsschnittstudien wie die des ifo-Instituts zeigen, dass Einkommensumkehrungen meist durch Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Karrierewechsel des Mannes entstehen. Frauen passen ihr Verhalten an, indem sie mehr arbeiten, doch die Anpassung dauert oft Jahre und führt zu Stress."
"Psychologische Studien (z. B. SOEP-Daten) berichten von höherem Konfliktpotenzial, Identitätskrisen beim Mann und teilweise Trennungsrisiken. Bei kinderlosen Paaren ist die Anpassung flexibler, aber traditionelle Rollenmodelle erschweren den Wechsel."
Es wäre halt schön, wenn sich die meinungsführenden Männer da auch Mal ehrlich machen würden und zugeben würden, dass ihnen die Anpassung an eine Welt, in der Geld regiert, aber sie es nicht unbedingt als Freiheits- und Machtinstrument automatisch in der Hand haben, schwer fällt und auch gar nicht erstrebenswert erscheint.
Statt dessen so zu tun, als wären Männer auf gleiche Verdienstchancen aus und würden nur durch hypergame Frauen daran gehindert, endlich in Teilzeit zu gehen oder die Carearbeit zu übernehmen, ist unredlich.
Zitat von ElGatoRojo: Die "Emotionsregulation" macht nach deiner Ansicht die Frau?
Nicht meiner Ansicht nach, sondern nach einer Wiener Studie aus 2021 und einer WSI Studie aus 2023.
Interessant übrigens, worauf Du die Emotionsregulation als erstes beziehst: Auf die Bestätigung des Mannes in seiner Rolle, sich wichtig und gebraucht zu fühlen.
Rein anekdotisch: Mein Vater hat meine Mutter von jeder Notwendigkeit zur Erwerbsarbeit freigestellt und sie hat sich sinnvoll beschäftigt und auch große Teile ihrer Zeit zur Verbesserung der Lebensqualität in der Familie verwendet. Ich habe meinen Ex von jeder Notwendigkeit zur Erwerbsarbeit freigestellt und er nutzte einen Teil der Zeit, um einer Selbständigkeit nachzugehen, die kein Einkommen und keine zusätzliche Lebensqualität für die Familie generierte und auch nicht gesellschaftlich wertvoll war, ihn aber daran hinderte, mir den Rücken frei zu halten (Putzfrau managen, Einkauf organisieren, Kinderbetreuung sicherstellen und bei Ausfall einspringen, Geburtstage organisieren, Urlaub planen, kaputte Haushaltsgeräte tauschen, Autos warten etc.), stellte keine Sozialkontakte für die Familie her und musste emotional gestützt werden, statt für Frau, Kinder und Familie eine Stütze zu sein.
Und das ist nicht die Ausnahme, sondern aktuell noch die Regel.
Die Paarberater Branche geht darauf unter den Stichworten "Identitäskrise bei Erfolgsunterschieden" oder "Veränderung nach Karrierewechsel" ein.
Und die University auf Bath hat das auch untersucht, was im Spiegel so zusammen gefasst wurde:
"Die Studie aus Bath, die auf einer Befragung in 6000 Haushalten beruht, zeigte, dass es dem Mann zwar einerseits guttut, wenn die Frau dazuverdient und ihn von seiner alleinigen Verantwortung, für die Familie sorgen zu müssen, entlastet. Doch wehe, das Gehalt der Ehefrau ist zu hoch!
Sobald sie mehr als 40 Prozent zum Haushaltseinkommen beiträgt, steigt der psychosoziale Stress des Ehemanns, und zwar rasant. Er fühlt sich häufiger wertlos, traurig, verzweifelt. Frühere Studien haben Ähnliches gezeigt: etwa, dass ein zu hohes Einkommen der Ehefrau den Mann Impot. machen oder ihn sogar früher sterben lassen kann."