Zitat von alleswirdbesser: Aber ganz ehrlich, würde dein Papa bei McDonald’s in der Küche arbeiten und 20 K verdienen, wäre das wohl kaum möglich. Hättest du dann gesagt, er hat das Potenzial deiner Mutter nicht gesehen und wollte sie putzen und in der Küche sehen, nachdem sie einen ganzen Tag auch gearbeitet hat, anstatt aie zu fördern?
In dem Fall hätte meine Mutter wohl weitergearbeitet und bei meinem Vater wäre eine steile Lernkurve in häuslichen Tätigkeiten angesagt gewesen, wenn er es denn ausgehalten hätte.
Oder beide hätten sich gegen Kinder entscheiden müssen. Oder gegen ein Eigenheim. Oder gegen Urlaubsreisen.
Dass Beziehungen unter ständiger Mangelverwaltung leiden, bestreitet glaube ich keiner.
Die Frage ist doch eher, was passiert, wenn Überfluss herrscht.
Schönes Beispiel:
Zitat von Wurstmopped: ist doch Super, bleibt mehr Geld für mein Hobby
Das ist genau die Haltung, die eine Beziehung nicht fördert.
Die Haltung, nach der z.B. ich bei Dates gefahndet habe, war dass dann Geld übrig bleibt, um dem anderen eine Freude zu machen oder eine gemeinsame Unternehmung zu finanzieren.
Zitat von QueenA: Am Ende geht es um Haltung und Miteinander.
This!
💯Und das geht als geringverdienender Student genauso wie als Doppelverdiener paar ohne Kinder. Und in beiden Konstellationen gibt es genauso Leute, die sich durch den Kühlschrank des anderen durchfressen oder peinlich genau darauf achten, nie ein "Verlustgeschäft" in der Partnerschaft zu machen.
Zitat von alleswirdbesser: Ist das, also diese Großzügigkeit nicht eher die Frage des Einkommens?
Finde ich nicht. Es ist eine Frage der Einstellung. Man kann auch mit Zeit, Aufmerksamkeit und Zuwendung großzügig sein oder geizen. Wer aber beim Geld sehr auf sich bedacht ist, wird in anderen Bereichen sicherlich nicht großzügig sein.
Zitat von Balu85: Dennoch muss man sich diesen Luxus leisten können. Egal wer der Hauptverdiener ist.
Fünf Häuser weiter lebt eine Familie mit drei Kindern, der älteste ich gerade zum studieren ausgezogen, der jüngste ist mit einem meiner Kinder befreundet. Da hat der Familienvater, der Hauptverdiener ist und sich dafür in Familienbelange nicht hauptverantwortlich oder gleichverantwortlich einbringt, sein Auto, mit dem er morgens zur Arbeit gefahren ist, abgeschafft, um sich eine Putzfrau leisten zu können.
Die Paare, in denen er mit dem ÖPNV oder Fahrrad fahren könnte, aber trotzdem lieber ein Auto hat, ohne Putzhilfe überwiegen in der Nachbarschaft aber deutlich.
Zitat von alleswirdbesser: Siehst du deinen Vater auch so?
Definitiv.
Der hätte eine steile Lernkurve hinlegen müssen, wenn er sich umfassend und nicht nur als Opt-In in die Familienarbeit hätte einbringen wollen. Und er sagt auch selbst, dass morgens arbeiten zu gehen definitiv der leichtere Job war. Ich habe ja auch beides und auch in Kombination erlebt und würde stets die "traditionell männliche" Rolle als wesentlich energiesparender vorziehen. Und wenn man nach Hause kommt, kann man sich so viel oder wenig Familienverantwortung nehmen, wie man möchte. Am Wochenende und im Urlaub findet echte Entlastung statt. Ich kann also gut verstehen, warum Männer so sehr an dieser Rolle hängen und sie gerne wieder als gesellschaftlichen Standard sehen möchten.
Zitat von alleswirdbesser: Und wie Ben richtig angemerkt - was lässt sich vom Verhalten der Frau ableiten, die sich einladen lässt? Dass sie im Bett passiv bleibt und geführt werden möchte oder wie er sagte den Seestern abgibt?
Aber das ist doch genau mein Punkt!
Die immer noch unterschiedliche gesellschaftliche Prägung führt dazu, dass Männer sich schämen, wenn sie nicht bezahlen können, und Frauen sich nichts dabei denken. Und dass Frauen, die bewusst nicht bezahlen, obwohl sie könnten, einem anerkannten traditionellen Rollenmuster entsprechen, während Männer, die bewusst nicht bezahlen, eine ganz andere Haltung offenbaren.
Während Ben ständig behauptet, dass diese Rollen biologisch vorgegeben seien und deshalb nicht gewechselt werden dürfen, was ja gegen seine "Seestern-Theorie" bei Frauen spricht.
Gehe ich davon aus, dass die gesellschaftliche Prägung und unterschiedliche Erwartung der einzige Grund ist, warum ich bei einem zweiten Date mit einem sehr netten Mann, mit dem abgemacht war, dass wir uns wechselseitig einladen, das Portemonnaie zu ihm rüberreichen sollte. Habe ich in dem Moment gemacht, um ihn nicht zu beschämen. Aber damit war auch klar, dass er die Form von gleichberechtigter Beziehung, in der ich leben wollte, gar nicht hätte aushalten können.
Ich würde mir wünschen, dass wir beim emotionalen Erleben von weiblich konnotierter Arbeit und fließenden Rollenmodellen schon weiter wären. Dann wäre die Scheidungsrate nicht so hoch.
Denn sowohl Männer als auch Frauen können sich in der Rolle des beruflich zurücksteckenden nur dann wohlfühlen, wenn all die Tätigkeiten, die sie dann übernehmen, vom Partner, durch sie selbst und durch die Gesellschaft genauso gewertschätzt werden, wie das Arbeitengehen außer Haus gegen Geld.
Solange das aber nicht so ist, hat Fenjal Recht, dass jede Frau auf finanzielle, organisatorische und berufliche Unabhängigkeit bedacht sein muss, um sich nicht zu schwächen. Was wiederum gegen das Modell der Arbeitsteilung spricht, die vielen anderen hier vorschwebt.
Diejenigen, die in einer Beziehung die Maximierung von Stärken suchen oder in Gewinn und Verlust bei der Partnerwahl denken, mal ganz außen vor, geht es ja darum, jemanden zu finden, mit dem die menschliche Ebene bereichernd ist, die ero. Ebene gegeben ist und die Haltungen zum Leben als Paar kompatibel sind. Und letzteres wäre wesentlich einfacher, wenn nicht die eine Gruppe in starren Bildern denkt (z.B., dass eine Frau "nachlässt", wenn sie Familienkultur und politische Meinungsbildung betreibt), während die anderen Gruppe wesentlich diverser in ihren Haltungen ist (von einer superautonomen Fenjal über eine eher traditionelle alleswirdbesser zu einer progressiven Blind-Meg) und diese Diversität auch bei Männern sucht.
Vielleicht erleben wir ja noch die Emanzipation des Mannes von seinen Geschlechterrollen. Dann könnte es auch mit dem Dating wieder erfreulicher werden.