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Der Blick in sich selbst

jaqen_h_ghar

jaqen_h_ghar


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Zitat von Zugaste:
Hast du Tipps und Anregungen für Achtsamkeitsübungen?

Gibt's mittlerweile zu Hauf in allen möglichen Büchern oder auf CDs - letztere eigenen sich prima zu Üben zu Hause oder unterwegs.

16.10.2020 10:20 • x 3 #16


blackcat-69

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Zitat von Angel09:
Ich scheine auch verrückt zu sein, denn ich spreche gerne bei längeren Autofahrten mit mir selber.

ich finde das keineswegs verrückt. Ich rede auch oft mir mir selber, merke das gar nicht, erst wenn meine Kinder mich fragen, mit wem ich denn rede aber so ein Dialog mit mir selber, hilft mir oft, mich zu sortieren. Etwas auszusprechen, was sich sonst in meinem Kopf festsetzt.
Zitat von unfassbar:
Ich finde es wichtig, seine Gefühle, egal ob Traurigkeit, gute Laune, Wut, Albernheit anzunehmen.

Gefühle annehmen und vor allem auch zulassen finde ich sehr wichtig. Ich bin in meiner Krisenzeit auch davon abgekommen, wenn ich gefragt wurde, "Wie geht es dir?" Zu antworten, "Alles gut" sondern ich hab manchmal einfach gesagt, "Gerade nicht so gut, ich hab ein schwere Trennung hinter mir", das wurde vom Gegenüber häufig sehr gut aufgenommen und es entstanden oft sehr schöne Gespräche. Ich hab mich da nie versteckt.
Zitat von Zugaste:
Ich finde um in sich selbst zu blicken auch wichtig, sich selbst zu akzeptieren und nicht streng mit sich selbst zu sein. Eigenakzeptanz und Milde mit sich haben zu können.

Ja gerade in diesen schweren Zeiten müssen wir sehr milde mit uns umgehen, Mitgefühl für sich selber entwickeln, das ist aber etwas anderes als in Selbstmitleid zu vergehen. Sich selber Gutes tun, sooft wie möglich. Das kann so vieles sein. Meine Trennung war vor zwei Jahren auch im Herbst. Ich habe viel Trost und Ruhe im Wald gefunden, habe es mir drin gemütlich gemacht, Kerzen, Tee, gute Düfte, hab mich fast täglich ne halbe Stunde in die Badewanne gelegt, ganz viele Mediationen gehört, mich auch mit Themen aus meinen früheren Beziehungen, Ehe auseinandergesetzt, Bücher zum Thema Trennung und Loslassen und zum inneren Kind verschlungen. Ich war sehr gern mit mir allein, aber ich hatte auch einen festen Freundinnenstamm, die mir zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Seite standen und ich hatte das Forum zum täglichen Austausch.

Jetzt wo der Schmerz vorbei ist, ich wieder glücklich bin, muss ich sagen, es war die Zeit in meinem Leben, in der ich mich am allermeisten mit mir selber beschäftigt habe. Mir wirklich Zeit für mich selber genommen habe. So schrecklich der Anlass dafür auch war, ich bin froh und dankbar für diese intensive Zeit.

16.10.2020 10:46 • x 6 #17



Der Blick in sich selbst

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Zugaste

Zugaste


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Zitat von Annika82:
Das geht nicht immer, denn manchmal sind wir wirklich das Opfer, aber in manchen Fällen kann es helfen zu heilen und abzuschließen. Wäre das eine Antwort für dich?


Ja, das ist eine Antwort. Vielen Dank.
Hast du selbst es denn schon mal so empfunden? Dass du bei einer Trennung das Opfer bist?
Denn ich habe den Eindruck, dass sich das Teil der Verarbeitung und Teil des Blickes in sich ist, dass ich auch meine Anteile sehen kann, ohne Schuldzuweisungen.

Zitat von Annika82:
Irgendwann kommen die Gedanken zusammen und man erkennt wieder eigene Ziele, Wünsche und vor allem die eigene Stärke und Größe.


Das finde ich auch ein spannendes Thema. Was jeder von uns mit "Stärke" gleichsetzt.

Ich frage mich das öfters mal. Was sind starke Menschen und welche Eigenschaften bringen diese mit?

Und wenn ich in mich schaue, was finde ich ihn mir stark und was schwach?

16.10.2020 11:21 • x 1 #18


Sturmhöhe

Sturmhöhe


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Warum willst eine solche Kategorie?
Nimm doch.
Was tut mir gut.
Was schadet mir.
Was hilft mir die sein die ich sein möchte

16.10.2020 11:34 • x 1 #19


HealingSense


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Für mich geht es nicht so sehr darum, denkend den Blick nach innen zu richten. Drinnen sind Gefühle, an die kommt man mit dem Verstand nicht ran. Es geht also nur fühlend. Wir haben das leider in unserer Gesellschaft verlernt. Ein sehr einfacher Weg ist Mass.! Lass dich massieren und dein Verstand wird zur Ruhe kommen und das Fühlen setzt ein. Du brauchst keine Angst zu haben, denn zunächst sind es wunderbare Gefühle des Berührtwerdens. Es ist wie Schweben auf Wolke 7 und dein Geist wird Stück für Stück Blicke auf Deine eigene Seele zulassen. Aber immer nur so viel, wie Du vertragen kannst. Probier es einfach aus, mir hat es besonders in der Trennungszeit sehr viel Kraft gegeben und Einblicke in mich, die ich sonst nie bekommen hätte.

16.10.2020 13:39 • x 3 #20


Annika82


@Zugaste

Ja, das habe ich tatsächlich. Der Grund warum ich hier im Trennungsforum gelandet bin. Mein damaliger Partner und ich waren lange ein Paar. Wir waren insgesamt sehr glücklich miteinander - natürlich gab es auch mal Streit oder Missverständnisse - aber insgesamt ein tolles Team. Das hat er mir später auch noch einmal gesagt, als wir zwei Jahre nach der Trennung endlich eine Aussprache hatten.

Bei mir war es sodass wir im damaligen Freundeskreis hauptsächlich Paare waren und uns alle schon lange und gut kannten. Irgendwann hatte eine Freundin eine Kollegin mitgebracht, die erst super nett wirkte und lustig war. Was wir Frauen nicht mitbekommen haben war, dass diese Frau sich aktiv an die Jungs rangemacht hat. So aktiv, dass sie plötzlich in Bars aufgetaucht ist oder in Fitnessclubs, in denen sich die Männer mal unter sich getroffen haben. Sie muss dann auf Kumpeline gemacht haben und hat sich dann mal dem einen, mal dem andern genähert. Sie ist bei allen abgeblitzt, Nach dem x.ten Versuch dann bei meinem damaligen Freund doch für erst einmal einen ONS gelandet. Das hat er umgehend gebeichtet. Natürlich könnte ich jetzt bestimmt Gründe finden warum ich ihm nicht gereicht hätte - aber so war es nicht. Es war die Gelegenheit, die angetrunken Diebe machte. Ich konnte ihm nicht mehr vertrauen, denn sie war weiter für ihn da, weil er ja jetzt Sorgen hatte...

Ende vom Lied war, dass er sich mit ihr zusammengetan hat, das hat sechs Monate gehalten. Er hat sie mit in den Urlaub genommen, den ich mit ihm gebucht hatte und sie hat dann im Urlaub den Freunden, die mit Skilaufen waren, erzählt was für ein fürchterlicher Mensch ich sei und hat gelogen was das Zeug hält.

Bestimmt gab es Anteile meinerseits, aber dennoch habe ich mich überrannt und als Opfer dieser Frau und der Dummheit meines Freundes gefühlt. Ich habe mit einem Blick nach vorn diese Sache aber hinter mir gelassen.

16.10.2020 13:58 • x 1 #21


Hansl

Hansl


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Zitat von Annika82:
Bestimmt gab es Anteile meinerseits, aber dennoch habe ich mich überrannt und als Opfer dieser Frau und der Dummheit meines Freundes gefühlt.


Eher keine Dummheit, sonder charakterlich defizitär.
Immerhin ist er der vermutlich einzige, der auf die Tarantel reingefallen ist.

Zitat von Zugaste:
Wie gucke ich denn bei mir selbst? Wie kann ich lernen mich mit mir selbst zu beschäftigen und in mich rein zu hören, fühlen?


Es gibt entsprechende Literatur, um erstmal die Grundlagen von Beziehungen und dem Menschentum zu verstehen.
Diese eröffnet einem oftmals schon Erkenntnisse, die entsprechende Prozesse abschieben.

16.10.2020 14:22 • #22


Emma75

Emma75


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Danke @Zugaste für dieses Thema. Ich finde es total schwer, in mich selbst zu blicken. Versuche es aber gerade intensiv. Achtsamkeitsübungen schaffe ich einfach nicht und auch eine Endentspannung, z.B. beim Yoga, geht nur, wenn ich völlig verausgabt bin.
Ich habe durch meine Beziehungsgeschichte ein heftiges Trauma erlebt, das aber, wenn ich es mir so richtig betrachte, ein wiederholtes Trauma aus der Kindheit ist. Seit ich tatsächlich zaghaft anfange, meine eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehmen, verändert sich auch viel nach Außen. Ich hatte meine Bedürfnisse aber auch so hart vergessen, dass ich Schmerz nicht mehr richtig spürte, nicht mehr wusste was ich gerne esse und aggressiv reagierte, wenn jemand das hinterfragte. Auch konnte ich mir Fehltritte und vermeintliche Misserfolge nie verzeihen und habe mich für die kleinsten Kleinigkeiten verurteilt.
Es geht langsam voran damit. Bevor ich etwas angehe, frag ich mich: Willst Du das gerade, muss das sein und tut Dir das gut? Ich mache das nicht immer, aber versuche es zumindest. Das mit dem Schmerz ist eine komische Sache, aber vielleicht auch nicht schlecht, da ich weder nach Operationen, noch nach Unfällen besondere Schmerzen empfinde und deshalb immer schnell wieder fit bin. Hat aber auch den Nachteil, dass, wenn man z.B. monatelang mit einem unbehandelten Bänderriss oder Lungenentzündung rumläuft, evtl. Spätschäden davon trägt. Aber mein Umfeld kennt dieses Phänomen und schleppt mich zum Arzt, wenn das Bein blau ist oder ich komisch Huste. Ich hoffe ich kann da achtsamer werden, aber das geht bestimmt nicht von heute auf morgen.

16.10.2020 15:40 • x 3 #23


Arjuni

Arjuni


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Zitat von HealingSense:
Für mich geht es nicht so sehr darum, denkend den Blick nach innen zu richten. Drinnen sind Gefühle, an die kommt man mit dem Verstand nicht ran. Es geht also nur fühlend. Wir haben das leider in unserer Gesellschaft verlernt. Ein sehr einfacher Weg ist Mass.! Lass dich massieren und dein Verstand wird zur Ruhe kommen und das Fühlen setzt ein.


Dem stimme ich zu. Auch Selbstmass. ist was Feines.
Ich komme auch gut ins Fühlen und zu mir selbst bei allem anderen, was erdet. Zum Beispiel alleine in der Natur sein. Die Natur erinnert mich immer daran, dass alles genau richtig ist, wie es ist und dass alles seinen Platz und seinen Sinn hat. Ansonsten: Tanzen, Musik machen, kreativ sein, Yoga natürlich, die Beschäftigung mit Philosophie und Psychologie, The Work nach Byron Katie, Schreiben...

Zitat von Zugaste:
Das finde ich auch ein spannendes Thema. Was jeder von uns mit "Stärke" gleichsetzt.
Ich frage mich das öfters mal. Was sind starke Menschen und welche Eigenschaften bringen diese mit?

Ich empfinde es als stark, wenn es gelingt, gut für sich zu sorgen, die eigenen Bedürfnisse und Wünsche um zu setzen, sich selber wichtig und ernst nehmen, auch mal "nein" sagen zu können, Grenzen setzen und um Hilfe bitten zu können, aus Situationen raus zu gehen, die nicht gut tun. Eigene Werte definiert haben und daran festhalten. Ehrlich sein, sich offen mitteilen und sich so zeigen, wie man ist. Ich finde Menschen stark, die tiefe Gefühle haben und diese auch zeigen können. Die auch offen sind für Neues und sich was trauen, Dinge ausprobieren, Scheitern in Kauf nehmen.

16.10.2020 16:52 • x 4 #24


Annika82


Konkret geht z.B. Resilienztraining auf die Faktoren erholsamer und ausreichender Schlaf ein, auf ausgewogene Ernährung, fest geplanten Zeiten am Tag um sich draussen an der frischen Luft zu bewegen und Übungen zum Innehalten, wie bereits genanntes autogenes Training oder Achtsamkeitsübungen. Auch wenn man hier nicht in der eigenen Seele kramt so schafft wirkliches äußerliches um sich sorgen einen positiven Grundzustand. Mit der so entstandenen Kraft und Gelassenheit kann man man in die Analyse starten.

16.10.2020 17:21 • x 2 #25


Zugaste

Zugaste


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Zitat von Arjuni:
Ich empfinde es als stark, wenn es gelingt, gut für sich zu sorgen, die eigenen Bedürfnisse und Wünsche um zu setzen, sich selber wichtig und ernst nehmen, auch mal "nein" sagen zu können, Grenzen setzen und um Hilfe bitten zu können, aus Situationen raus zu gehen, die nicht gut tun. Eigene Werte definiert haben und daran festhalten. Ehrlich sein, sich offen mitteilen und sich so zeigen, wie man ist. Ich finde Menschen stark, die tiefe Gefühle haben und diese auch zeigen können. Die auch offen sind für Neues und sich was trauen, Dinge ausprobieren, Scheitern in Kauf nehmen


Da stimme ich zu. Aber volle Möhre.

Was ich auch wichtig finde ist, eigene "Schwächelpunkte" zu sehen ohne sich deswegen schwach, fehlerhaft zu fühlen oder minderwertig. Verantwortung für Fehler übernehmen zu können und um Verzeihung bitten zu können.

16.10.2020 19:00 • x 1 #26


Sturmhöhe

Sturmhöhe


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Zitat von Zugaste:

Da stimme ich zu. Aber volle Möhre.

Was ich auch wichtig finde ist, eigene "Schwächelpunkte" zu sehen ohne sich deswegen schwach, fehlerhaft zu fühlen oder minderwertig. Verantwortung für Fehler übernehmen zu können und um Verzeihung bitten zu können.

Selbstliebe ist hier das Zauberwort.

16.10.2020 19:22 • x 1 #27


H-Moll


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Mir sagte ein guter Musikerfreund, als wir uns darüber unterhielten, was denn wichtig im Leben sei, mehr innen, mehr aussen, mehr dies, mehr das: Och, Atmen macht auch Spass, probier mal ohne:)

Das fand ich ziemlich genial. Denn die Tatsache, morgens lebendig aufgewacht zu sein, zu atmen, dazu unfallfrei aufgestanden, kann sehen, gehen, denken, fühlen, Dinge tun ist ja schon mal ein ziemlich solides Grundpaket. Dazu noch die Einsicht, dass ich beeinflussen und entscheiden kann, was mit mir ist, aber nicht das, was das Leben von aussen auf mich wirft, da könnte man fast schon weise werden:)

16.10.2020 19:37 • x 2 #28


Sturmhöhe

Sturmhöhe


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Mir hilft malen, schreiben, Meditation und Yoga.
Ich verbiete es mir selber schlecht über mich zu sprechen. Ich übe bewusst Dankbarkeit für alles, was da ist. Ich bin nett zu mir selber.

16.10.2020 19:41 • x 3 #29


Jane_1

Jane_1


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Gerade ist mir aufgefallen, wie vermeintlich absurd mein Vorgehen eigentlich ist. Deine Frage:
Zitat von Zugaste:
Wie gucke ich denn bei mir selbst? Wie kann ich lernen mich mit mir selbst zu beschäftigen und in mich rein zu hören, fühlen?

Mein Vorschlag: Von außen, mit wohlwollenden Augen auf sich zu schauen. Weil man (ich) bei anderen sehr gut erkennen kann was da gerade drückt. Die Gesamtsituation im Auge habe und einschätzen kann, ob derjenige sich mal den Kopf an der frischen Luft freipusten lassen sollte, sich körperlich verausgaben sollte oder eher Zuwendung braucht, z.B. Mass., liebevolles bekochen/bemuttern lassen etc. etc.
Andere haben ähnliche Erfahrungen, sie sprechen mit sich/über sich in der dritten Person oder inszenieren im Kopf/beim Schreiben ein Gegenüber.

Ich finde es faszinierend, dass ein fremder Blick (und sei es nur ein simulierter) einigen von uns hilft, besser wahrzunehmen, was bei einem selbst so los ist.

16.10.2020 19:46 • x 1 #30



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