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Der Blick in sich selbst

Karili


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Tolles Thema!

Ich würde aus aktuellem eigenen Anlass noch ergänzen : Eigene Grenzen festzulegen und sich nicht aus falsch verstandenem Pflichtgefühl zu verausgaben. Wertschätzend mit anderen umgehen ja, aber das auch einfordern oder so weit es geht bereit zusein Menschen aus dem Weg zu gehen, die einem nicht gut tun.

Ich lese oft, wie Menschen hier im Forum Rat suchen, obwohl in ihnen eher Wut tobt und sie ihre Antwort eigentlich schon wissen. Oft wird dann geraten, dass sie nichts tun, wenn ihnen etwas angetan wird, weil das Stärke signalisieren soll. Da bin ich nie sicher. Stärke kann es für mich auch sein, Übergriffe zu benennen und an den Absender zurück zu geben. Nicht aus Rache, sondern um klar zu sagen: Hier bin ich und meine Zone, überschreitest du Grenzen, sage ich das. Erst nett, dann deutlicher.

16.10.2020 21:40 • x 3 #31


Angel09


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Mir fällt es eigentlich nicht so schwer zu erfassen, wie meine Gefühlslage gerade ist und wo ich gefühlsmäßig gerade stehe. Ich empfinde eher den nächsten Schritt als schwierig. Wie gehe ich damit um. Ja, Selbstfürsorge ist natürlich ein Zauberwort! Aber es ist doch auch immer wieder ein Ausprobieren. Was mir heute gut tut, kann morgen schon ganz anders auf mich wirken. Aber ich habe zumindestens eines, was mir wirklich hilft, neben meinen schon erwähnten Selbstgesprächen und das ist Bewegung! Ich jogge, walke und wandere viel. Seit neuesten fahre ich auch wieder mehr Fahrrad. Ich denke, dass damit verbundene Aufhalten in der Natur hat einen beruhigenden Faktor für mich. Wandern und walken mache ich oftmals mit Freundinnen- da kann man dann auch noch mal so herrlich schnacken! Joggen ist für mich eher eine Notlösung, wenn ich schnell mal den Kopf frei bekommen muss. Es ist einfach nicht so zeitaufwendig! Aber da ich wirklich langsam laufe und mit heraushängender Zunge und hochrotem Kopf mache ich das am Liebsten ausschließlich alleine...
Wenn ich aber meinen Blick nach innen richte, macht das natürlich etwas mit mir. Gefühle werden an die Oberfläche gespült. Wenn das Gefühl Freude ist, ist das ja für niemanden belastend. Mir fällt es aber schwer mit Wut adäquat umzugehen. Wenn ich dann überschäume, weil ich nicht schnell genug die Laufschuhe ankriege, dann gehe ich schon manchmal sehr unangemessen damit um- daran versuche ich zu arbeiten- finde ich aber gar nicht so einfach!

17.10.2020 10:41 • x 4 #32



Der Blick in sich selbst

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Zugaste

Zugaste


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Zitat von Angel09:
Mir fällt es eigentlich nicht so schwer zu erfassen, wie meine Gefühlslage gerade ist und wo ich gefühlsmäßig gerade stehe. Ich empfinde eher den nächsten Schritt als schwierig. Wie gehe ich damit um. Ja, Selbstfürsorge ist natürlich ein Zauberwort!


Das ist toll, mir fällt selbst das Erfassen der Gefühle manchmal nicht leicht. Sprich: wie fühle ich mich und warum ist das so? Wodurch fühle ich mich so?

Zitat von Angel09:
Wenn das Gefühl Freude ist, ist das ja für niemanden belastend. Mir fällt es aber schwer mit Wut adäquat umzugehen. Wenn ich dann überschäume, weil ich nicht schnell genug die Laufschuhe ankriege, dann gehe ich schon manchmal sehr unangemessen damit um- daran versuche ich zu arbeiten- finde ich aber gar nicht so einfach!


Empfindest du dich den als Belastung für andere, wenn du wütend bist?

18.10.2020 13:52 • x 2 #33


Mira_

Mira_


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Das ist ein ganz wunderbares Thema.
Oft vergessen wir, dass wir selbst auch unser Körper sind.
Sich zu spüren bedeutet auch, sein ganzes Wesen zu spüren. Nicht nur den Geist, sondern auch den Körper.
Was macht es mit mir, wenn ich traurig bin? Wo sitzt der Schmerz? Da genauer hinspüren.
Was macht es mit mir, wenn ich wütend bin? In welchem Körperteil strahlt die Wut hin? Ist es das "Herz"? Die Arme, die Beine?
Sich in Gänze wahr zu nehmen, kann für den Weg zu sich selbst sehr wichitg sein. Was auch dabei hilft, auf sein "Bauchgefühl" zu hören. Wenn Menschen einem nicht gut tun, spüren wir das in der Regel sehr schnell. Kopf und Körper aber reagieren dann oft unterschiedlich.
Es hilft nichts darüber nachzudenken, warum ich so oder so empfinde. Das bringt mich persönlich nicht weiter. Bei einem logischen Menschen aber sieht das anders aus. Der benötigt die Gedanken.
Es gibt also keine allgemeine Regel, aber sich selbst zu spüren, wäre imho ein guter Anfang

18.10.2020 14:20 • x 4 #34


Angel09


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Zitat von Zugaste:


In dem Moment, in dem dieses Gefühl ausbricht nicht, wenn meine Reaktion allerdings dann sehr unangemessen ist, tut mir das schon leid, auch für den anderen. Aber ich ärgere mich dann schon auch über mich selbst.
Interessant ist, dass ich diesen Zorn erst kenne, seit der Affäre meines Mannes und auch nur ihm gegenüber das so ausgelebt habe. Ich gelte sonst eher als geduldig und gutmütig.
Seit unserer Trennung ist der Zorn auch weg. Ich habe diesen Mechanismus noch nicht so vollends begreifen können. Aber ich beschäftige mich damit gerade.

18.10.2020 16:26 • x 2 #35


Arjuni

Arjuni


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Zitat von Mira_:
Es hilft nichts darüber nachzudenken, warum ich so oder so empfinde. Das bringt mich persönlich nicht weiter.


Danke, dass Du mich daran erinnerst!

18.10.2020 16:34 • x 2 #36


Sturmhöhe

Sturmhöhe


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Zitat von Angel09:

In dem Moment, in dem dieses Gefühl ausbricht nicht, wenn meine Reaktion allerdings dann sehr unangemessen ist, tut mir das schon leid, auch für den anderen. Aber ich ärgere mich dann schon auch über mich selbst.
Interessant ist, dass ich diesen Zorn erst kenne, seit der Affäre meines Mannes und auch nur ihm gegenüber das so ausgelebt habe. Ich gelte sonst eher als geduldig und gutmütig.
Seit unserer Trennung ist der Zorn auch weg. Ich habe diesen Mechanismus noch nicht so vollends begreifen können. Aber ich beschäftige mich damit gerade.

Du hast dich einfach zu lange gegen deine Grenzen zurück genommen. Jetzt spürst du sie nicht mehr.

18.10.2020 16:40 • #37


Zugaste

Zugaste


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Zitat von Mira_:
Oft vergessen wir, dass wir selbst auch unser Körper sind.
Sich zu spüren bedeutet auch, sein ganzes Wesen zu spüren. Nicht nur den Geist, sondern auch den Körper.
Was macht es mit mir, wenn ich traurig bin? Wo sitzt der Schmerz? Da genauer hinspüren.
Was macht es mit mir, wenn ich wütend bin? In welchem Körperteil strahlt die Wut hin? Ist es das "Herz"? Die Arme, die Beine?


Das ist sehr spannend. Ich habe da mal was sehr spannendes zu gelesen, in welchen Regionen in einem häufig bestimmte Gefühle gespürt werden und dass oft auch bestimmte Redewendungen darauf zurück zuführen sind.
Etwas über die Leber gelaufen
Vor Neid oder Eifersucht zerfressen
Stein vom Herz fallen
Etwas schwer im Magen liegen
Wirr im Kopf sein
Kribbeln im Bauch
usw

Zitat von Angel09:
In dem Moment, in dem dieses Gefühl ausbricht nicht, wenn meine Reaktion allerdings dann sehr unangemessen ist, tut mir das schon leid, auch für den anderen. Aber ich ärgere mich dann schon auch über mich selbst.


Was meinst du mit unangemessen?
Ich frage da so neugierig, weil ich Wut auch schwer zu handhaben finde.

Zitat von Angel09:
Seit unserer Trennung ist der Zorn auch weg. Ich habe diesen Mechanismus noch nicht so vollends begreifen können. Aber ich beschäftige mich damit gerade.


Bist du vielleicht auch wütend auf dich selbst gewesen?

18.10.2020 17:41 • #38


Mira_

Mira_


3080
5539
Zitat von Zugaste:
Das ist sehr spannend. Ich habe da mal was sehr spannendes zu gelesen, in welchen Regionen in einem häufig bestimmte Gefühle gespürt werden und dass oft auch bestimmte Redewendungen darauf zurück zuführen sind.
Etwas über die Leber gelaufen
Vor Neid oder Eifersucht zerfressen
Stein vom Herz fallen
Etwas schwer im Magen liegen
Wirr im Kopf sein
Kribbeln im Bauch
usw

Ganz genau. Wir spüren oft nur die Gefühle und dass es etwas mit uns macht, aber wo genau sitzt das Gefühl?
Wenn man Kinder fragt, wo das Gefühl sitzt und wie es aussieht, können sie das gut beschreiben. Eine Bekannte von mir ist Trauerbegleiterin bei Kindern. Die Kinder malen ganz oft ihre Gefühle, wenn sie fragt wie sie aussehen.
Das verlieren wir als Erwachsene leider. Die kindliche Sicht unserer Emotionen.

Wut entzieht viel Energie. Und auch aus der Wut können wir uns befreien. Ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft, tut da schon ein kleines Wunder. Dafür bedarf es aber auch den Willen, die Wut loszulassen. Wenigstens für den Moment. In der Wut kreisen unsere Gedanken oft immer nur um eine Sache. Diese Gedanken können wir stoppen indem wir einmal laut "Stop" und dem Gedanken sagen: Ich nehme Dich wahr. Ich höre dich aber ich möchte jetzt gerade nicht an Dich denken. Ich schaue später nochmal nach Dir. BItte geh! Für das Gefühl, welches die Gedanken hinterlassen, hilft ein Spaziergang.
Ich bin zwar nicht wütend, aber ich gehe jetzt noch ne Runde um den Block. Hab zuviel gearbeitet heute

18.10.2020 18:01 • x 3 #39


Arjuni

Arjuni


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Wut ist bei mir ein Gefühl, an das ich als einziges immer noch ganz schlecht ran komme.
Da hab ich anscheinend einen unbewussten Mechanismus, der die Wut gar nicht erst zulässt oder direkt in Scham umwandelt ("da hab ich wohl was falsch gemacht").
Da komm ich dann nur über Reflexion, also das Denken hin, dass Situation XY mich eigentlich wütend machen sollte.
Und das übe ich zur Zeit, diese Wut bei mir dann zu finden oder zu entwickeln und dann natürlich auch zu zeigen.
Das holpert noch ziemlich, nach dem Motto (sachlicher Tonfall) "Du, ich bin grad echt wütend..."

18.10.2020 18:19 • x 2 #40


Sohnemann

Sohnemann


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Zitat von Arjuni:
Das holpert noch ziemlich, nach dem Motto (sachlicher Tonfall) "Du, ich bin grad echt wütend..."


Einfach mal bei Aldi, wenn das Klopapier leer ist, *faaaaaaaaaak* schreien.
Oder angepisst in der Schlange *wir öffnen Kasse drei für Sie*

Zitat von Arjuni:
Da hab ich anscheinend einen unbewussten Mechanismus, der die Wut gar nicht erst zulässt oder direkt in Scham umwandelt ("da hab ich wohl was falsch gemacht").


Der Knaller.
Ist bei mir genau andersrum

18.10.2020 18:25 • x 1 #41


Zugaste

Zugaste


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Ich habe lange Zeit, so fühlt es sich für mich rückblickend an, das Gefühl Wut in Traurigkeit umgewandelt. Wie ich das gemacht habe... keine Ahnung.
Ich denke, weil ich zum Einen Trauer besser zeigen durfte als Wut, und weil es dann später auch für mich besser aushaltbar war.

Wut war für mich so unkontrollierbar und deswegen eher erschreckend.
Wenn ich dann mal wütend war, puh... Dann ging es Rund. Türen knallen, anschreien, Schimpfwörter.
Ich denke aber, weil es oft angestaut war und dann aus mir heraus brach.

Jetzt kann ich schon ganz gut wütend sein. Aber super finde ich das auch immer noch nicht

18.10.2020 18:28 • x 2 #42


LiLa84


Ich möchte zu diesem Thema gerne meine persönliche Erfahrung berichten.
Und zwar habe ich die Lernerfahrung gemacht, dass es sehr gesund und persönlichkeitsfördernd ist, seiner Intuition zu vertrauen, seinem Bauchgefühl.Es ist IMMER etwas dran, wenn die Intuition sich meldet, man muss nur hinhören und nicht zulassen, dass der Verstand das Bauchgefühl kleinredet. Die Intuition ist Verstand des Unterbewusstseins und kann so viel mehr erfassen als die bewusste Wahrnehmung.

18.10.2020 18:43 • x 1 #43


Arjuni

Arjuni


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Zitat von Sohnemann:
Einfach mal bei Aldi, wenn das Klopapier leer ist, *faaaaaaaaaak* schreien.


Hahaha - die Königsdisziplin.

Ich war schon paar mal bei der "dynamischen Meditation". Die ist zum Wut raus lassen angelegt. Da atmet man sich in einer Gruppe unter Anleitung in Rage und dann kommt nach einer Viertel Stunde für eine viertel Stunde so richtig laut krasse Musik und alle rasten total aus, dreschen vor sich auf Kissen ein, toben, stampfen und brüllen, was das Zeug hält... und Arjuni zupft so das Kissen vor sich ein wenig zurecht und probiert aus, wie sich das anfühlt, wenn man da mal vorsichtig drauf klopft... hahaha..

- aber irgendwann steckten mich die anderen dann schon an und ich hab, wenn ich es recht erinnere, beim zweiten oder dritten Mal sogar ein paar gurgelnde Laute herausgebracht.

18.10.2020 18:51 • x 3 #44


Charla

Charla


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Zitat:
Der Blick in sich selbst

Für mich hat das etwas mit Achtsamkeit zu tun, ganz im Hier und Jetzt zu sein, wahrnehmen was ist, der vietnamesische Mönch und Zenmeister Thich Nhat Hanh erklärt da so : "Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich gehe, dann gehe ich, wenn ich sitze, dann sitze ich, wenn ich esse, dann esse ich, wenn ich spreche, dann spreche ich "

Solange du bei dir selbst bist, kannst du dich nicht einsam und verlassen fühlen.

18.10.2020 19:15 • x 4 #45



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