Zitat von Ella: Ich nehme an, die Gefühle sind noch frisch, des Gespräch steckt dir noch in den Knochen. Ich würde versuchen, keine uebereilte Entscheidungen zu treffen, aus dem Affekt kann man kaum weise handeln....
Es ist wahr, dass man im ersten Affekt nach so einer unschönen Auseinandersetzung keine übereilten Entscheidungen treffen sollte.
Da sich die Probleme aber schon längere Zeit hinziehen, kann man diese Energie, die in so einem Moment entsteht, aber auch nutzen, um endlich den vielleicht längst überfälligen - zumindest räumlichen - Absprung zu schaffen.
Ich war auch einmal in einer langjährigen Beziehung, die im Grunde sehr stressig war und in der es auch immer wieder mal zu unschönen Szenen kam.
Dann beruhigen sich die schlechten Gefühle irgendwann nach ein paar Tagen wieder, es kommt vielleicht wieder ein guter Tag, oder eine gute Phase, und man neigt dazu, die unschönen Dinge so ein bisschen zu verdrängen. Oder sich schönzureden. Weiß nicht, wie ich es nennen soll.
Bis der nächste problematische Moment kommt und man sich denkt, dass es so aber wirklich nicht weitergehen kann.
Und so weiter. Immer im Kreis.
Bei mir hat es lange gedauert, bis ich den endgültigen Absprung geschafft habe. Weil ich nie die Energie, die in den wirklich schweren Momenten aufgeploppt ist, effektiv genutzt habe. Ist ja auch schwierig, dann spontan zu handeln, wenn man zusammenlebt und auch noch Kinder hat.
Zitat von thegirlnextdoor: Ist ja auch nicht so als würde ich mich nach einem neuen Partner sehnen - ganz im Gegenteil, Ruhe ist, was ich gerne hätte und dringend bräuchte.
Aus meiner Erfahrung heraus kann ich dir sagen, dass es eigentlich schon mindestens fünf vor zwölf ist, wenn das, wonach man sich sehnt, eigentlich nur Ruhe ist.
Ich habe mich nach siebzehnjähriger Beziehung irgendwann getrennt. Und ich dachte, die erste Zeit würde mir sehr schwerfallen, obwohl ich die Trennung ausgesprochen und auch vollzogen habe.
Aber so war es nicht.
Kaum war ich die erste Nacht in meiner eigenen Wohnung, fühlte ich nichts als unendliche Erleichterung. Und zwar deshalb, weil nun endlich Ruhe war.
Ich hatte gar nicht mehr richtig mitbekommen, wie sehr mein Nervensystem im Stress war, weil ich mich daran schon gewöhnt hatte. Es war ein Dauerzustand. Und zwar auch dann, wenn äußerlich gerade mal alles gut zu sein schien.
Wie sehr ich im Dauerstress gewesen war, merkte ich wirklich erst in meiner eigenen Wohnung.
Ich wünsche dir, dass du diese Wohnung bekommst. Den Druck erst einmal rauszunehmen kann nur gut sein. Du wirst erst dann wieder richtig spüren, was du eigentlich willst und brauchst, wenn der Druck weg ist. So war es zumindest bei mir.
Und dann kannst du in aller Ruhe immer noch weitersehen.