Zitat von Isnogud: Ich habe noch weitere Bilder für diesen Gefühlszustand der Bedürftigkeit, die ggf. noch treffender sind. Häufig stelle ich mir einen sehr tiefen, dunklen, trockenen Brunnen vor. Wahrscheinlich muss ich auch meine Antwort an teilweise revidieren, denn auf diesem Brunnengrund sitzt mein "kleines Kinder-Ich", einsam, verlassen, unverstanden und fühlt sich ungeliebt.
Und die erwachsene Frau steht oben am Rand und sagt: wie schade, dass du da unten sitzt. Warum bist du überhaupt noch da? Schau doch, wie ich da oben stehe und mich überhaupt nicht mehr mit dir identifiziere. Ich war mal du, aber jetzt bist du nicht mehr ich. Ich wünschte der Brunnen und du da unten, in den man ständig Dinge hineinwirft ohne dass du damit zufrieden bist, würden aus meinem Garten verschwinden.
Ich hoffe, ich darf mich da mal einklinken, weil ich für mich vor kurzem genau dieses Thema hatte. Weißt du, was mir dabei aufgefallen ist und mich jetzt bei Deiner Beschreibung sehr berührt hat?
Wie wir, also ich in jedem Fall und auch ganz aus Versehen, diesem kleinen, einsamen Kind, weiter (in meinem Fall) die Rolle zuschieben, uns anzuerkennen. Denn schau doch, wie ich hier oben stehe, kann ich natürlich einem Erwachsenen sagen, aber ich kann doch kein kleines verzweifeltes Kind mit der Aufgabe überfordern, anzuerkennen, daß aus mir etwas geworden ist.
Natürlich wird sich das dann wehren und natürlich wird es genau an diesem Punkt, den Erwachsenen noch weniger vertrauen. Wie sollte es auch? Ich schaue doch auch nicht meine kleine Nichte an und sage, schau mal, wie gut ich über die Strasse gehen kann und wie toll ich auf die Autos aufpasse.
Kinder vertrauen uns erst dann, wenn wir ihnen zeigen, daß wir da sind und die Dinge vorgeben.
Ich habe von meinem inneren Kind erwartet, daß es endlich anerkennt, wie gut ich für mich sorge, bis mir klar geworden ist, daß ich damit nur wiederhole, was meine Eltern mit mir gemacht haben, als ich noch viel zu klein war. Sie haben mich in die Rolle gedrängt, ihnen Beifall zu spenden. Das ist aber nicht meine Aufgabe als Kind.
Seit dem ich das für mich verstanden habe, ich also in den Brunnen hinabgestiegen bin, das Kind an die Hand genommen habe und zu seinem gerechten Platz mit Decke, Spielzeug und Kuscheltieren geführt habe, spielt es auf seiner Decke fröhlich vor sich hin. Hin udn wieder wirft es mir noch einen sehr misstrauischen Blick zu, den ich sehe, auf den ich reagiere und wenn es einen Wutanfall bekommt, dann wende ich mich ihm zu, erkenne die Wut an, aber ich diskutiere nicht mehr mit ihm. Es ist noch viel zu klein, um mit ihm zu diskutieren.
Seit dem ich mich so verhalte, diesem kleinen, süßen und netten Kind gegenüber, hat es bisher nicht einmal versucht, die Führung zu übernehmen.
