Guten Abend. Es ist eine Weile her und es fühlt sich gut an mal wieder etwas zu schreiben.
Ich fühle mich zur Zeit ziemlich gerädert. Tatsächlich bin ich auch krank geschrieben. So richtig weiss ich nicht wo ich anfangen soll.
Die Einschätzungen zum Zustand von „Ani“ war nicht leichtfertig. Ich hab da mehr oder weniger meine Therapeutin zitiert, die diese „trotziger Teenager“ Theorie aufgestellt hat.
Die Kleine (ein Mädchen) wurde Anfang April geboren. Es sind alle gesund, die Geburt war bilderbuchmäßig. Ich bin mir bis heute nicht klar wie es dazu kam, aber ich war am Ende wirklich bei der Geburt dabei.
Wir haben seit Mitte Januar nur eingeschränkten Kontakt. Die Beziehung ist vorbei und wir leben im Alltag getrennt.
Am Tag der Geburt hat sie sich gemeldet und gemeint, dass sie allein im Krankenhaus ist und niemand kommen wird. Ihre Freundin sei krank und ihre Eltern seien nicht da. Mein Gewissen hat mich dann wahrscheinlich doch ins Krankenhaus fahren lassen. Sie war sehr erleichtert und ich hab das Gefühl, dass sie es am Ende sogar ein bisschen so hingebogen hat, dass ich da war.
Es fällt mir nur sehr sehr sehr schwer zu der Kleinen eine Beziehung aufzubauen. Ich hatte sie nach der Geburt im Arm und beide noch einmal auf Station besucht. Eine Woche später war ich sie zuhause besuchen um ihr ein paar Sachen zu bringen. Ich konnte damit emotional überhaupt nicht umgehen. Ich habe Angst, dass ich mich auf ein Kind einlasse, das nicht Meins ist und mir jederzeit wieder weggenommen werde könnte. Auch kann Ani nicht zwischen meiner Nähe zum Kind und zu ihr unterscheiden - in ihrem Blick sah ich immer dieses „schön, dass du da bist bist, ich muss dir ja doch was bedeuten. Bitte komm zurück“.
Auf der anderen Seite habe ich aber auch große Angst, dass ich mein eigenes Kind vernachlässige und sie ohne Vater aufwächst. Ani möchte weiterhin keinen Vaterschaftstest veranlassen. Ihre Begründung ist, dass sie nicht möchte, dass ich Sorgerecht bekomme und ihr (und das Leben des Kindes) dadurch fremdbestimmt ist und ich in ihrem Leben bin ohne mit ihr zusammen zu sein. Wir haben aktuell keinen Kontakt. Das Thema Geld interessiert sie dabei nicht. Ich denke sie hat Vorteile gegenüber der Elterngeldstelle usw. wenn sie angeben kann, dass der Vater unbekannt ist. Weiss das jemand?
Ich möchte Ani nicht zu einem Test gerichtlich zwingen. Ich bin aktuell noch der Meinung, dass eine Vaterschaftsanerkennung für mich mit dem Sorgerecht einhergehen sollte. Anders kann ich es mir nicht vorstellen.
Wir hatten dazu im März einen Termin bei der psychologischen Elternberatung (Jugendamt) und die Beraterin hat sich ebenfalls für einen Test ausgesprochen. Wir haben dazu im Juni einen Folgetermin.
Ich stell mir auch immer wieder die Sicht des (später mal älteren) Kindes vor, der es sicher wichtig wäre ihren leiblichen Vater zu kennen. Ani ist der Meinung, dass wenn sie irgendwann mal einen geeigneten Stiefvater findet, das für den Knirps auch okay ist.
Es tut mir gleichzeitig so Leid für meine großen Kinder, dass sie auch nicht so richtig wissen ob sie nun ein Geschwisterkind haben oder nicht. Es ging leider nicht an ihnen vorbei und sie machen sich ihre Gedanken, verstehen nicht wieso sie das Baby nicht sehen können, usw. Ich versuche das kindsgerecht zu erklären, aber naja, wie soll man das ner 6 und 9 jährigen verständlich machen, wenn es die Erwachsenen schon nicht verstehen können…
Zum Thema Krankschreibung. Ich bin seit November arbeitslos. Was nicht schlimm ist, da ich privat sehr viel zu tun habe (ich renoviere grade 2 alte Häuser aus dem Familienbestand um sie später zu vermieten) und das läuft grade sehr gut. Ich kann mir meine Zeit frei einteilen und habe finanziell freie Hand. Bei einem Routine-Check-Up hatte ich ein Gespräch mit meiner Hausärztin wie es mir so geht. Ich hab ihr alles aus den letzten Monaten erzählt, woraufhin sie mir aufgrund der psychisch belastenden Situation den Besuch einer Tagesklinik empfohlen und eine mittelschwere Depression festgestellt. Und ja, die Symptome sind da - vor Allem Schlafstörungen, chronische Erschöpfung, ich habe meinen Sport vernachlässigt, muss mich zum Teil zwingen überhaupt was zu machen. Der Schweinehund war da grade sehr mächtig. Ich gehe regelmäßig sehr spät ins Bett, was dazu führt, dass ich in den Kinderwochen tagsüber auch mal schlafe, wenn sie in der Schule sind. Ich komme einfach nicht in den Schlaf, es ist wie eine permanente Anspannung im Körper. Dadurch die Erschöpfung tagsüber. Es gibt gute und schlechte Tage.
Wenn ich es dann mache, macht es mir kaum Spass, es ist eher wie eine Genugtuung überhaupt was gemacht zu haben. Ich höre viel Podcasts über Psychologie und mentale Gesundheit, was gut funktioniert. Ich hatte tatsächlich auch eine kurze Beziehung von Februar-Mai mit einer sehr sympathischen Frau. Das fühlte sich gut an, der Sex war super und ich hatte dadurch Struktur im Alltag und Gesellschaft (und ging ab und zu mal früh ins Bett). Sie kannte meine Situation und war damit fein. Sie verliebte sich leider etwas zu schnell in mich, was ich nicht erwidern konnte - ich habe keine Gefühle zu ihr aufbauen können (oder wollen?). Daraufhin ist sie gegangen. Und ich vermisse sie nicht. Wieso kann ich nicht sagen, weil sie so ganz pragmatisch schon ziemlich toll war. Komisch, oder? Tatsächlich sind die Symptome der Schlafstörungen und inneren Stresses damit zurückgegangen. Nun verbringe ich meine kinderfreien Abende wieder allein und habe etwas Zeit zu reflektieren. Und langweile mich vor dem Fernseher, was dann wieder nervt.
Und wisst ihr was? Ich habe grade irgendwie wieder wahnsinnig Lust zu Daten und mit meiner Zeit was anzufangen. Wenn diese Antriebslosigkeit nicht so da ist, fühl ich mich schon ziemlich gut, aktiv und lebensfroh und hab direkt Lust darauf noch etwas unverbindlichen Spass nachzuholen. Ich weiss, dass das nicht der richtige Zeitpunkt ist… Aber wann ist der richtige Zeitpunkt?
Wie Udo Lindenberg mal sagte „ein Herz, das kann man reparieren - Ich kenn da ne Kur, da hilft Küssen nur“ (Achtung, Selbstironie!)
Das Leben hört ja nicht auf
