@feelingofguilt
Ich hoffe mal einfach, dass du hier noch irgendwann rein schaust. Das Hauptproblem bei Schuldgefühlen ist, dass sie ein hohes Bindungspotential haben. Wer sich schuldig fühlt, bindet sich an denjenigen, dem gegenüber er diese Gefühle hat. Das wird oft auch ausgenutzt, um jemanden durch Schuldzuweisungen an sich zu binden. Aber darum geht es hier ja nicht.
Du bindest dich also durch deine Schuldgefühle an ihn. Es sind diese Gefühle, die euch beiden noch zusammen halten. Und vielleicht möchte dein Unbewusstes das gern: Ihn irgendwie noch im Herzen behalten, ihn noch bei dir zu haben, ihn nicht so ganz weit weg von dir zu sehen, wie das nach Kontaktsperren nun mal der Fall ist.
Die Kontaktsperre war also nur die halbe Miete. Sie hat dich von ihm distanziert. Die Schuldgefühle aber halten ihn fest. Und so widersprechen sich diese beiden Dinge.
Zitat:>>Der Gedanke, dass er vielleicht immer noch an mich denkt und traurig ist, zieht mich extrem runter!<<
Ja, aber das hat ja nichts mit Fakten zu tun. Du weißt nicht, ob er traurig ist. Du erzeugst diesen Zustand virtuell selber. Du schaffst dir eine Gedankenwelt, in der dieser Mann dir nachtrauert, weil du ihn dann noch irgendwie an deiner Seite hast. Auch wenn sich das widerspricht, schließe ich dennoch nicht aus, dass du dir das insgeheim so wünschst. Denn sonst könntest du ja auch den Zustand virtuell erzeugen, dass er glücklich ist. Weder für das eine noch für das andere gibt es belastbare Beweise.
Zitat:>>Ich wünsche mir von Herzen, dass er mich vergessen hat und glücklich ist! <<
Gut. Allerdings kannst du daran nicht mitwirken. An der Trennung hast du mit gewirkt, die hast du selber initiiert. Das war dein Anteil. Wieder glücklich zu werden ist dann sein Part, sein Anteil. Nicht du bist dafür verantwortlich, dass er wieder glücklich wird, sondern er selber ist dafür verantwortlich. Du warst durch die Trennung dafür verantwortlich, dass er von einer Beziehung frei wurde, die euch beiden nicht mehr gut getan hat. Damit hast du etwas getan, das man sehr konstruktiv betrachten kann. Und in dieser Betrachtungsweise liegt der erste Schlüssel zur Lösung deiner Probleme.
Das funktioniert aber erst dann, wenn du das Wort SCHULD aus deinem Sprechen und Denken heraus nimmst. Es nutzt niemandem, darum kann man es entfernen. Man kann es durch "URSACHEN" und durch "VERANTWORTUNG" ersetzen. Und wenn du das mal gezielt machst, kommst du auch wieder einer Lösung näher.
Die URSACHE für deine Trenungsinitiative war, dass die Beziehung euch beide nicht mehr glücklich gemacht hat. Denn sonst wäret ihr nicht wechselweise ausgebrochen. Ihr hattet nur die Kraft nicht, die Konsequenz aus diesem Umstand zu ziehen, weil ihr einander noch freundschaftlich verbunden ward. Die Liebe war gegangen, die freundschaftlichen Anteile gab es noch. Und man tut seinem Freund nicht gern weh. Also seid ihr einfach zusammen geblieben, obwohl euch das daran gehindert hat, jeweils einen Menschen zu finden, bei dem man wirklich Liebe empfinden kann.
Das war die URSACHE.
Die VERANTWORTUNG hast du in dem Moment übernommen, als du gesehen hast, dass er die Kraft dazu nicht hatte, du aber sehr wohl. Also hast du auch verantwortungsvoll gehandelt und das gilt auch heute noch. Du hast ihm damit also die Möglichkeit gegeben, wieder einen Menschen zu finden, der ihn liebt und nicht nur freundschaftlich verbunden ist bestenfalls sogar beides. Bei dir selber ist das gelungen und ob es bei ihm gelungen ist, wirst du erst dann heraus finden, wenn du dem nach gehst.
Und nun kommt noch ein drittes Element ins Spiel, die ANGST. Denn du hast große Angst davor, dem nachzuforschen, weil du dann wieder mit deiner SCHULD konfrontiert werden könntest. Das kann man bewältigen, denn die Chance, dass diese Schuldgefühle kleiner werden, ist groß. Weil sie nur auf Vermutungen beruhen. Wenn es ihm tatsächlich nach zweieinhalb Jahren noch schlecht gehen sollte und er dir wirklich noch die Verantwortung dafür auferlegen würde, wäre er alles andere als lebenstüchtig, denn natürlich hat er diese Verantwortung längst selber. Er musste sie übernehmen, er musste sein Leben in die Hand nehmen. Wenn er das nicht konnte, war ER es, dem das misslungen ist (oder der unfähig dafür war). Es hilft niemandem, wenn du dir das auferlegst, es ist unlogisch und es ist schädlich für alle Beteiligten.
Diese letzt genannten Erkenntnisse könnte also auch dazu beitragen, dir einen großen Teil der ANGST zu nehmen, die dich an einer Kontaktaufnahme hindert.
Die Bewältigung deiner Schuldgefühle aber liegt nicht bei deinem Ex, sie liegt bei dir. Ebenso wenig wie du eine Verantwortung dafür trägst, dass es IHM schlecht gehen könnte, trägt er eine Verantwortung dafür, dass es DIR wegen deiner Schuldgefühle schlecht geht. Die Lösung liegt also nicht darin, immer weiter in diese virtuell erzeugte Welt der SCHULD hinein zu gehen, sondern von URSACHEN und VERANTWORTUNG zu reden.
Zitat:>>Für mich persönlich ist es jetzt total kontraproduktiv, mich hier rechtfertigen zu müssen für etwas, was genau dem Gegenteil von der Wahrheit entspricht. <<
Das musst du ja auch nicht. Niemand zwingt dich dazu. Du selber tust das entweder oder du lässt es, das liegt bei dir. In Foren gibt es immer ein weites Spektrum von Reaktionen und Beiträgen. Es wird nur dem nachhaltig geholfen, der in der Lage ist, diejenigen Beiträge auf sich anzuwenden, die ihm helfen. Die anderen muss er dann ignorieren, denn sie nutzen ihm nicht, sondern richten schlimmstenfalls größeren Schaden an. Die Verantwortung dafür, ob man diesen Schaden bei sich anrichtet, liegt aber bei dir, nicht bei den Schreibern. Die schreiben, denken und fühlen aus ihren eigenen individuellen Erfahrungen und Gedankenwelten heraus. Das dürfen sie auch, wenn sie nicht bewusst und absichtlich verletzen.
Zitat:>>Meine Intention war (ich dachte eigentlich, dass ich das bereits im Eingangspost ziemlich klar formuliert hätte), dass mir jemand Tipps geben kann, wie ich vielleicht meine Schuldgefühle und damit auch ihn gedanklich loslassen kann. Hatte mir da wirklich Hilfe erhofft, dass ich irgendwie besser damit leben kann. <<
Genau das habe ich gerade versucht und ich kann nur hoffen, dass du noch mal reinschaust, da du nicht angemeldet warst, bekommst du auch keine Benachrichtigung. Und das ist schade.
Zitat:>>Andererseits kann ich natürlich nachvollziehen, dass hier einige momentan einfach einen pauschalen Hass auf alle Verlasser haben. Vielleicht ist es das, was sie daran hindert, meine wahre Absicht zu verstehen bzw. glauben zu wollen. Aber für mich ist das dann hier sinnlos.<<
Nein, es ist nie sinnlos, mit seinen eigenen Schwächen konfrontiert zu werden. Es zeigt einem, woran man arbeiten und womit man sich beschäftigen könnte. Aber wenn dir das momentan weder gelingt noch sinnvoll erscheint, hast du die Wahl, solche Beiträge zu ignorieren und nicht an dich heran zu lassen.
Versuche also vor allem, den Begriff der SCHULD aus den Gedanken heraus zu nehmen. Denke über VERANTWORTUNG und URSACHEN nach und finde deine Rolle in dem, was da geschehen ist. Vor allem vor dem Hintergrund, dass dein Ex selber schon sehr lange die Verantwortung dafür trägt, was aus seinem Leben geworden ist. Schau auf deine ANGST, die dich daran hindert, dem nachzugehen und komm mit dir selber ins Reine. Das ist deine Verantwortung, nicht die deines Exfreundes. Und dann hast du eine große Chance, wieder frei zu werden.
Viel Erfolg dabei!