Lieber keiler,
nun möchte ich mich als ehemals "Betroffene" auch mal bei Dir zu Wort melden ... denn ich war jahrelang mit einem Mann wie Dir verheiratet
Nach außen hin - verkrampft bemühtes "Selbstbewusstsein". Wer ihn nur oberflächlich kannte - und er hat gut dafür gesorgt, dass kaum jemand ihn tiefer als das kennenlernen konnte, nicht mal meine engsten Freunde - hielt ihn für sehr selbstsicher, er wusste immer "alles besser", schien sich immer um alles zu kümmern, immer seine Hilfe anzubieten.
Im Kern aber war er - ein Mensch mit sehr sehr geringem Selbstwert, der jahrelang versucht hat, mich zu "übertrumpfen" und kleinzumachen, was leider nie geklappt hat, und der aufgrund dessen dann anfing, ein kontrollsüchtiges Verhalten zu entwickeln.
Ja, denn im gleichen Maße, wie Deine Ex-Freundin "onlinesüchtig" ist/war, bist Du kontroll- und liebessüchtig, meiner Meinung nach. Weil Du zwar vielleicht nach außen hin selbstbewusst wirkst, Dein SelbstWERT aber sehr gering ausgeprägt ist. Sonst hättest Du wohl kaum Deiner Ex-Freundin verboten, gegengeschlechtliche Freundschaften zu pflegen (was übrigens für mich schon ein Trennungsgrund an sich gewesen wäre

- und lass Dir von mir gesagt sein - ich bin wohl ein "paar" Jährchen älter als Du - es gibt sehr wohl Freundschaften zwischen Männern und Frauen. Sehr sehr gute sogar. Seit Jahrzehnten andauernde, sehr tiefgehende. Und wenn Du Dir das mit anderen Frauen nicht selbst zugestehst, dann verpasst Du was in Deinem Leben! Probier es mal aus - klar wird auch unter Freunden mal geschäkert oder geflirtet, das gehört ja auch dazu. Aber Angst davor, sich zu verlieben, muss man nun wirklich nicht haben, wenn man das nicht bewusst will).
Tu Dir den Gefallen und versuch, Deine Ex-Freundin loszulassen. Es ist nicht Liebe, die Dich an sie "bindet". Es ist Deine Verzweiflung darüber, dass Dir nun endgültig und zwar komplett die Kontrolle entzogen wurde, für die Du jahrelang gekämpft hast. Mein Ex hat noch ein Jahr nach der Trennung manchmal kontrollierende Anwandlungen (da wir ein Kind zusammen haben, ist keine Kontaktsperre möglich), auf die ich ihn dann aufmerksam machen muss, um meine Grenzen zu schützen. Das ist nicht schön, für keinen von beiden. Und in meinen Augen ist diese Kontrollwut nur eine Verlagerung des eigentlichen Problems - in Wahrheit hast Du Probleme mit DEINEM Leben. Du projizierst DEINE Ängste auf Deine Ex-Freundin (dass sie die Prüfung nicht schafft - womöglich hast Du selbst Angst davor, beruflich zu versagen oder eine Prüfung nicht zu schaffen? Dass sie sich nicht gut um die Tiere kümmert - womöglich bist Du selbst nicht gerade der Held darin, Verantwortung zu übernehmen? Und so weiter ... erkennst Du das Muster?).
Dadurch, dass sie Dich nun verlassen hast, bist Du gezwungen, ohne diese Projektion zu leben. Du bist auf Dich selbst gestellt, musst nun Deine eigenen Ängste, den Anblick Deiner eigenen Charakterschwächen ertragen, ohne sie auf eine andere Person übertragen zu können. Und das tut verdammt weh.
Wenn Du da mal ansetzt und Dich selbst fragst, welche Dinge in Deinem Leben, an Dir, Dir nicht gefallen, Dir Angst machen, und wenn Du dann versuchst, genau diese Dinge in den Griff zu bekommen, sodass Du Dir selbst wieder vertrauen kannst und weißt: hey, ich BIN intelligent, ich BIN attraktiv, ich BIN liebenswert, und es ist egal, ob das außer mir selbst noch andere so sehen oder nicht, weil es mir genügt, dass ICH das weiß ... dann kannst Du es nochmal mit einer Beziehung versuchen. Mit einer Person, die genauso stark und voller SELBSTwert durchs Leben geht wie Du. Dann musst Du auch niemanden kontrollieren, nicht eifersüchtig sein und kannst sogar - das verspreche ich Dir! - gegengeschlechtliche Freundschaften tolerieren
Alles Gute!