Zitat von CocosPool: "Ich hatte damals einen ganz tollen Mann gefunden, dem fehlte nur ein Bein. Und der meiner Freundin war noch besser, dem fehlte nur der eine Arm."
Das war tatsächlich so. Der Bedarf an Männern war so hoch, dass auch "Krüppel" geheiratet wurde. Liest sich hart, war aber so und als "Krüppel" wurden sie oft auch bezeichnet. Die volle A-Karte gezogen und mitgehangen, mitgefangen.
Mein Opa kam relativ gesund aus dem zweiten Weltkrieg zurück. Er hatte keine ernsthafte Verwundung davon getragen, aber der Krieg verfolgte ihn sein Leben lang. Kinder, betet dafür, dass niemals mehr ein Krieg kommt - sagte er oft und hatte manchmal Tränen in den Augen. Er erzählte viel und teilweise verpackte er die Dinge auch so, als ob es großes Abenteuer gewesen wäre. Der Wind, der beständige Wind, der über die Steppe zieht und die Eiskristalle ungebremst ins Gesicht treibt. Hört sich zwar schlimm an, aber wenn man in der warmen Stube sitzt, denkt man sich, wie das wohl ist. Ist ja irre spannend. Oder als er mal neben einem russischen Panzer herlief und erst am Sowjetstern im Schneetreiben bemerkte, dass es ein feindlicher war. Huch, wie aufregend und auch lustig! Aber das Schlimme daran merkten wir als Kinder nicht.
Er war kein *beep* und lehte Hilter ab. Er hatte "mein Kampf" gelesen und sagte, dieser Mann bringt nur Krieg und Zerstörung. Aber es half ja nichts, er wurde eingezogen. Und war kein Parteimitglied wie er meinte. Nach dem Krieg holten ihn von seinem Job als Vorarbeiter die Amerikaner ab wegen seiner Parteimitgliedschaft und zur Entnazifizierung. Er war nicht bei der Partei, aber die hielten ihm das Verzeichnis unter die Nase. Er war doch bei der Partei und die Unterschrift für seine Mitgliedschaft stammte von meiner Oma. Deren Vater war erklärter *beep* und hatte ihr gesagt, Parteimitglieder müssten nicht in den Krieg. Oma - ein wenig naiv, dumm und manipuliert - wollte ein gutes Werk tun. Umsonst. Seinen guten Posten hatte er erst Mal los und wie die Ehe das überlebt hat, weiß ich auch nicht. War ja lange vor meiner Zeit.
Mein anderer Opa kam zurück aus langen Jahren russischer Kriegsgefangenschaft und ging mit dem Stock. Er wurde nicht alt, litt an Rheuma und ähnlichen unklaren Krankheiten. Ein netter Mann, ich mochte ihn sehr gerne, aber er starb, als ich 6 oder 7 war.
Und alles wiederholt sich und jetzt ist es fast schon vor unserer Haustüre.