Zitat von Hasi_70: rgendwann ist die Gewohnheit eingetreten und man hat den anderen wahrscheinlich nicht mehr so beachtet und wertgeschätzt, wie es hätte sein sollen. An welcher Stelle wir falsch abgebogen sind, kann ich nicht sagen
Heißt, die Beziehung geriet während der Jahre in eine Schieflage. Gewohnheiten schleichen sich ein, geredet wird meist über organisatorische Dinge oder nicht mal dies, beide schauen lieber in ihr verdammtes Handy, weil man ja sehen muss, was sich in der Freundeswelt und überhaupt so tut und das ist alles wichtiger als der Partner. Jeder beginnt seine eigenen Wege zu gehen bzw. sich aus dem Weg zu gehen und vor allem, man spricht nicht miteinander, sondern lebt nebeneinander.
Da Menschen Beziehungswesen sind, brauchen sie oft mehr als das. Gibt es noch aushäusige Freundschaften, so kann das durchaus hilfreich sein, weil jeder auch mal eine kleine Beziehungspause braucht.
Aber viele Beziehungen erkranken am Alltagstrott, Gespräche beim gemeinsamen Essen bleiben auf der Strecke, sofern es das überhaupt noch gibt, die Zeit wird vor dem TV oder Handy verbracht, aber eine echte Kommunikation findet kaum oder gar nicht mehr statt.
Logischerweise empfinden Menschen dann ein Gefühl des Mangels. Keine Aufmerksamkeit des Partners, dem man selbst aber auch zu wenig Aufmerksamkeit schenkt, kein Lob, keine Wertschätzung, kein gegenseitiger Respekt vor allem bei Beziehungen mit einem Machtgefälle, Abwertung des Partners (ach, der, er hat schon wieder ...), wenig bis keine gemeinsamen Unternehmungen, schlichtweg kein oder wenig Austausch. Von körperlichen Bedürfnissen rede ich erst gar nicht, denn das die auf der Strecke bleiben, findet fast zwangsläufig statt.
Der innere Mangel wird dann gern anderweitig kompensiert, z.B. in Affären, wo man all das findet, was man zu Hause nicht mehr findet. Eine Affäre ist dann meist ein gravierender Wendepunkt in einer Beziehung, weil viel Vertrauen verspielt wird. Man hintergeht, lügt, erfindet Ausflüchte, relativiert, wiegelt ab (nein, es ist nicht, was Du denkst). Der Betrug findet oft erstmal emotional statt und führt nicht selten zu Körperkontakt, weil Nähe ja ausgelebt werden will.
Hinterher zu sagen, Affären passieren, es passierte einfach ohne mein Zutun, es kam einfach über uns, wir waren machtlos, sind keine Entschuldigungen. Denn jeder hat einen freien Willen und er kann sich entscheiden. Keiner wird gezwungen oder tut Dinge unter Dro..
Und das dann dem Partner aufzutischen, bedeutet eine Misskreditierung weil man den Partner dann nicht ernst nimmt. Der steht vor dem Vertrauensbruch, vermutet hat er vielleicht schon länger etwas, aber nichts gesagt und wird dann noch mit halbgaren Entschuldigungen abgefertigt, mit denen man die eigene Verantwortung ablegt. Jede Affäre hat ihre Vorgeschichte und geht oft allmählich an.
Man trittt sich, spricht, es ist lustig, interessant, dann sieht man sich wieder usw. und dann kommt es noch zum körperlichen Austausch.
Hier hätte man vorbauen müssen und den Kontakt eben nicht weiter fortführen sollen, aber da der Mensch nach posiitiven Gefühlen strebt, tut er das natürlich dann doch.
Zitat von Hasi_70: Den AM habe ich dann nur noch zweimal getroffen (ohne jede S. Handlung) und das Ganze beendet und mich auf meine Ehe konzentriert, da mir bewusst wurde, was ich aufs Spiel gesetzt habe was ich niemals verlieren wollte. Mein Mann hat mich in dem Glauben gelassen, dass er von allem nichts weiß, was sich im Nachhinein als falsch herausstellte. Er hat den kompletten Chat gelesen und wusste genau was passiert ist. Das habe ich allerdings erst Mitte Februar diesen Jahres herausgefunden. Er sagte, er hätte gedacht, mit der Situation alleine klarzukommen, es irgendwann zu vergessen und mit der Situation leben zu .
Immerhin hast du begriffen dass Eure Ehe auf dem Spiel steht, aber die Heimlichkeiten und Verschleierungen fanden ja schon vorher statt. Dass er das mit sich ausmachen wollte, spricht für typisches männliches Verhalten. Der einsame Wolf, der sich in seine Höhle zurückzieht und derweil die inneren Probleme löst. Typisch männliches Selbstbild und meist der falsche Weg, denn auch Männer sind fühlende Wesen und brauchen Austausch, Unterstützung, Wohlwollen. Der Rückzug in sich ist meist kein guter Weg, weil er meistens keine Klärung und auch keine Entlastung bringt.
Zitat von Hasi_70: In dieser Zeit hat er sich einige Auszeiten genommen, von denen ich nichts wusste. Angeblich konnte er sich nicht konzentrieren und ist dann für ein paar Stunden von der Arbeit weg undKaffee trinken oder spazieren gegangen, teilweise stundenlang, was für mich sehr merkwürdig ist. Inzwischen weiß ich, dass er manchmal gar nicht auf der Arbeit war, er mir aber gleichwohl geschrieben hat, dass er auf der Arbeit angekommen ist. Er ist denn einmal eine Woche weg gewesen, um Abstand zu kriegen. Wo er in dieser Zeit war, weiß ich bis heute nicht.
Von der Arbeit weg zu bleiben, muss man sich leisten können oder hat er sich des öfteren krank gemeldet? Für Dich egal, er ging jedenfalls in die innere Isolation und verschwand für eine Woche.Und Du weißt nicht wo er war.
Ich denke, er hat den Betrug schwerer weggesteckt als gedacht und versuchte sich selbst zu helfen was nicht gelang. Aber eine Woche einfach zu verschwinden, ist extrem unpartnerschaftlich. Womöglich wollte er Dich damit unbewusst bestrafen. Du hast und deswegen mache ich jetzt ...
Zitat von Hasi_70: Körperlich wurde nichts festgestellt. Es ging vom vegetativen Nervensystem aus. Dann ging der Ärzte-Marathon los. Inzwischen wurden Depression diagnostiziert.
Ein schwerer Fall mit ernsten Konsequenzen. Dennoch glaube ich, dass da bei ihm wohl mehrere Faktoren zusammen kamen und Dein Fehltritt noch eins draufsetzte. Ich schätze, dass er in eine Lebenskrise geriet, aus der er nicht mehr herausfand. Statt einem Ärztemarathon hättet ihr lieber gleich einen Psychologen, Psychiater oder so was in der Art aufsuchen sollen, aber dieser Gang zu einem "Seelenkemptner" wird ja immer nur als allerletzte Rettungsmöglichkeit angesehen. Ein Indianer kennt keinen Schmerz, er zeigt ihn nicht, bis er dann doch zusammenbricht.
Zitat von Hasi_70: Ja, ich war absolut unehrlich, was die Affäre angeht, aber seitdem sie aufgeflogen war, war ich komplett ehrlich und transparent.
Er dagegen war unehrlich, was das Durchsuchen des Handys und das Lesen des Chats und seine Auszeiten angeht, und er ist es nach wie vor. Letzten Monat hat er mir dann gesagt, dass er sich von mir trennen will.
Mit diesen kindischen Aufrechnen, ich habe zwar, aber dann war ich die Gute, aber er hat dann, kommst Du nicht weiter. Fehlverhalten auf beiden Seiten. Das ist doch einfach nur blöd und bringt weder Dich noch ihn weiter. ich denke, das ist Dir selbst klar. Wie schwer Jemand ein Ereignis wie eine Affäre nimmt, ist sehr verschieden. Vielleicht trug er viel schwerer daran, als Du glaubst. Du kannst nicht in ihn hineinsehen.
Zitat von Hasi_70: Angeblich gibt es keine neue Frau, was ich aber nicht glaube, da es für mich einige Anzeichen gibt, dass da doch jemand anderes im Spiel ist. Er hat sich auch vom Typ total verändert, hat sich komplett die Haare abrasiert, verbringt viel Zeit am Stall (wir haben auch noch ein Pferd) und trinkt von Freitag bis Sonntags B. (wie die anderen Männer am Stall auch, die überwiegend ihre Beziehung an die Wand gefahren haben), unter der Woche dann Wein. Aktuell ist er mit den anderen Stall-Männern in Urlaub.
Er sucht Auswege, weg von der Beziehung und Dir. Ob er jetzt mit den Stallkumpels weg ist oder einer Stallkumpeline, wird er Dir nicht sagen. Jedenfalls stellt er Dch mit dieser Aktion noch mehr ins Abseits.
Du glaubst ihm nicht was er sagt. Vielleicht lügt er, vielleicht auch nicht, Du stehst vor einer Wand, die nicht mit Dir spricht. Komplette Abwendung von Dir. Wie Du mir so ich Dir.
So eine Haltung bringt jede Beziehung zum Scheitern.
Zitat von Hasi_70: Ich bin so unfassbar traurig, dass er unsere gemeinsame Zeit einfach so wegwirft und uns oder mir gar keine Chance gibt, ihm zu beweisen, wie wichtig er und unsere Ehe mir ist. Dazu muss ich sagen, dass er vor 20 Jahren auch eine Affäre hatte, von heute auf morgen ausziehen wollte und ich ihm dies verziehen habe, da ich an unsere Ehe geglaubt und festgehalten habe. Er hingegen macht es nicht.
Vielleicht kann er es nicht, vielleicht aber hat er auch kein Interesse mehr daran, etwas zu retten. Er geht massiv auf Abstand, lässt Dich im Ungewissen und zeigt Dir nur den Rücken und gnadenloses Desinteresse. Du stehst auf verlorenem Posten.
Wenn Du ihm das damals verziehen hast, heißt das aber leider nicht, dass er das auch verzeihen kann (weil es ihn doch schwerer belastet als angenommen) oder - schlimmere Variante - das gar nicht will.
Er will Dir vielleicht auch gar nicht verzeihen, vielleicht hast Du ihm mit der Affäre auch eine Steilvorlage für eine schon länger beabsichtigte Trennung geliefert. Das sind nur Mutmaßungen, aber ganz ehrlich, die Beziehung war doch schon weit vor der Affäre krank. Einsam in der Zweisamkeit, so kommt es mir vor. Die Affäre war irgendwo - ohne dass ich das jetzt abschwächen will - eine Konsequenz aus Faktoren, die doch schon weit vorher schief gelaufen sind.
Ihr habt es beide versäumt, die Beziehung zu pflegen. Die gedeiht nicht von selbst, die braucht Dünger wie eine Pflanze und sie braucht Wasser. Das Wasser ist die Zuwendung, die Kommunikation, das Gemeinschaftsgefühl, die schon vorher verloren gingen . Und gedüngt wurde sie schon lange nicht mehr. Sie verdorrte unter Eurer beider Hände.
Zitat von Hasi_70: ch habe mir eine kleine Wohnung gesucht, in die ich zum 1. Juni einziehen werde. Das Haus zu verlassen werde ich vorschmerzen, denn er hatte auch seit Jahren keine Lust mehr hier noch irgendwas zu machen. Das Herz bricht mir, dass ich unsere Katzen zurücklassen muss. Aber ich darf sie angeblich regelmäßig besuchen. Ob es tatsächlich so kommen wird, wird sich zeigen.
Vernachlässigung der Heimstatt, des Ortes der Geborgenheit spricht natürlich auch Bände. Kein Interesse mehr daran, es sich schön zu machen. Und jetzt noch die Abwesenheit Deiner eigentlichen "Bezugspersonen", der Katzen. Wie traurig das ist, fühle sogar ich. Du musst Dich unglaublich einsam fühlen.
Zitat von Hasi_70: Ob die Zeit wirklich Wunden heilt, bleibt abzuwarten. Ob er mit seiner Entscheidung glücklich wird, bleibt auch abzuwarten, denn alle, die uns kennen, sagen, er hat diesen Gedanken nicht zu Ende gedacht und wird ihn bereuen.
Aber auf diesen Tag kann ich nicht warten, dann gehe ich auch kaputt. Er selbst hat mal zu mir gesagt, dass er ja vielleicht auch an die Entscheidung zu Grunde gehen würde.
Unterschätze nicht die Zeit. Zeit bewirkt vieles, sie relativiert manches, sie rückt manches gerade und sie eröffnet auch neue Chancen. Glaubst Du nicht? Ist aber so, denn die Zeit verändert alles. Was mal superwichtig war, rückt in den Hintergrund und was vorher unwichtig war, wird auf einmal wichtiger.
Man darf sich nur nicht aufgeben, sondern muss resilient sein. Krisen, Umwälzungen des Lebens gibt es von Zeit zu Zeit in jedem Leben. Und auch die haben im Rückspiegel betrachtet ihren Sinn. Damals war ich am Boden zerstört und hoffnungslos, aber jetzt sehe ich, dass dies und jenes passiert ist, was nicht geschehen wäre, wenn ich in der Beziehung geblieben wäre.
Verbockt habt Ihr das beide, jeder hat seinen Teil dazu beigetragen und keiner ist unschuldig. Aber selbst ohne Deine Affäre wäre es nicht sicher, ob es nicht doch zum Crash gekommen wäre. Es war vielleicht der letzte Auslöser für den Cut. Die Krise war vielleicht noch unbemerkt schon vorher da.
Was in einigen Jahren sein wird, weiß eh keiner.
Vielleicht tröstet er sich ja jetzt mit einer anderen, denn er darf das jetzt ja auch. Aber auch die wird irgendwann vor seinen Eigenheiten und seiner Eigenbrötelei stehen.